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Light Painting Fahrradfahrer von Susanne

light painting radfahrer

von Gina Weber

Wir sehen ein Bild im Querformat, welches nachts im Freien aufgenommen wurde. Zu sehen ist ein fahrradfahrendes Strichmännchen auf einem Leih-Fahrrad der Marke Lidl-Bike. Das Foto wurde im Victoriapark in Kreuzberg aufgenommen. Das Fahrrad, das angeschlossen mitten auf der Wiese stand, war uns schnell aufgefallen, wir wussten aber nicht so recht, was wir daraus machen sollten. Wir haben überlegt, in welcher Position und vor allem durch welche Technik wir einen Fahrradfahrer darstellen könnten.

Wir haben uns dafür entschieden, den Fahrer aus Licht mit einer Taschenlampe zu zeichnen. So sitzt er als Strichmännchen auf dem Fahrrad, als wenn er von links nach rechts durch das Bild fahren würde. Dieses Foto ist die erste Aufnahme, die wir so machten.


Was mir zuerst ins Auge springt ist, dass das Bild mit zwei verschiedenen Techniken aufgenommen wurde. So ist das Fahrrad von vorne – also aus der Richtung der Kamera – angestrahlt. Es ist ein bisschen unregelmäßig angestrahlt, ein paar Stellen bleiben im Dunkeln, so zum Beispiel eine Hälfte des Hinterrades und ein Großteil des Lenkers. Andere Teile des Fahrrads reflektieren das Licht sehr stark, so leuchten einige Teile des Rahmens und ein paar Punkte in den Radspeichen geradezu auf.


Der Fahrradfahrer ist als Strichmännchen aus Licht gezeichnet, indem mit einer Lampe direkt in die Kamera gestrahlt wurde. Der Kopf ist ein wenig zu groß und zu tief gezeichnet und hat eher die Form einer Sichel als eines Kreises. Dadurch, dass er so tief hängt, wirkt es auf mich, als würde der Fahrradfahrer seinen Kopf nach unten neigen, vielleicht zwischen die Arme stecken, die als zwei gerade Linien zum Lenker führen. Vielleicht neigt er seinen Kopf um schneller zu fahren, oder – da er ansonsten auch recht aufrecht sitzt – um etwas auf dem Boden zu erkennen. Der Rücken des Fahrradfahrers ist aus zwei Linien dargestellt, die oben anfangen, wo sich auch die Kopflinie und die Armlinien treffen und unten leicht auseinandergehen und auf den Sattel treffen. Dort läuft dann einer der beiden Striche um den Sattel herum, wo die Beine beginnen. Das vom Betrachter aus vordere Bein gerade ausgetreckt in Richtung des Pedals, was allerdings in der Dunkelheit nicht zu sehen ist und das hintere Bein mit einer Biegung, quasi angewinkeltem Knie, in Richtung des anderem Pedals, was hinter dem Fahrrad versteckt ist.

 
Der Hintergrund ist nahezu komplett schwarz, das einzige was darauf schließen lässt, dass wir uns auf einer Wiese befinden, sind zwei kleine Flecken Gras. Ein Grasbüschel steht unter dem Rahmen, ein anderer schimmert hinter dem Vorderrad hervor.

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100 Meisterwerke: 18. „Nighthawks“ von Edward Hopper

Nighthawks

„Nighthawks“ (dt. Nachtfalken, sinngemäß Nachtschwärmer), ist ein 1942 fertig gestelltes Gemälde des amerikanischen Malers Edward Hopper. Es handelt sich um ein farbiges Ölgemälde im Querformat mit den Maßen 84,1 mal 152,5 Zentimetern, auf dem eine spätabendliche Szene in einem amerikanischen Diner der 40er Jahre zu sehen ist. Dabei wird im Betrachtenden der Eindruck erweckt, dass sie oder er selbst auf der Straße steht und von außen in die Bar hineinschaut, in der die Anwesenden wie auf einer Bühne erleuchtet sitzen.

Hintergrund

Es ist sehr dunkel und es sind keine Menschen mehr auf der Straße unterwegs. Im linken Bildbereich ist ein mehrstöckiges Haus zu sehen. Im Erdgeschoss befindet sich ein Geschäft mit großen Schaufenstern, die mit dunkelgrünen Holzrahmen versehen sind. In der ersten Etage sind möglicherweise Wohnungen, bei denen die Rollos zum Teil heruntergelassen sind. Die Fassade ist rot. Von links oben fällt das Licht einer Laterne oder des Mondes auf das Haus.

Vor dem Haus befinden sich ein Gehweg und eine schmale Straße, die sich vom linken Bildbereich durch die Mitte des Bildes zieht. In der Mitte verläuft die Straße hinter einem weiteren Haus, das auf der anderen Seite der Straße steht. Auf dieses Haus fällt das Hauptaugenmerk. Es zieht sich vom rechten Bildrand, über die Mitte des Bildes hinaus kleiner werdend in das Bild hinein, sodass die Straße und das Haus mit der roten Fassade dahinter zum Teil verdeckt sind. Das Haus nimmt in etwa die rechten zwei Drittel des Bildes ein.

Das Diner

Bei diesem zweiten Haus handelt es sich um das Diner. Es ist ein spitzwinkliges Eckhaus mit so großen Fenstern, dass man sowohl von Innen als auch von Außen ungehindert sehen kann, was sich auf der anderen Seite der Scheibe befindet. Die Frontseite der Bar ist zu etwa zwei Dritteln von rechts zu sehen. Am linken Ende knickt das Haus nach rechts ab und liegt an der Straße, die dahinter entlangführt. Das Haus besteht nur aus einer Etage. Der untere und obere Hausrand sind mit einer grünen Holzverkleidung geschmückt. Oben auf dem Haus ist eine rote längliche Tafel angebracht. In gelb steht darauf: PHILLIES (eine zeitgenössige Zigarettenmarke). Links und rechts ist ebenfalls Schrift angebracht, die Worte sind aber nicht zu erkennen.

Im Diner befindet sich ein brauner, den Barbereich umlaufender, Holztresen, davor sind Hochstühle mit runden Sitzflächen aufgestellt. Anders als auf der dunklen Straße herrscht in der Bar ein grelles Kunstlicht,  dass durch die gelbe Wandfarbe noch verstärkt wird. Im Hintergrund rechts ist eine braune Tür mit einem kleinen viereckigen Sichtfenster, die vermutlich zu den Toiletten oder in die Küche führt. Die Raumausstattung ist minimalistisch und symmetrisch wodurch sie anonym und standardisiert wirkt. Hinten auf dem Tresen stehen zwei große zylindrische Getränkespender aus silbernem Metall mit Ablaufhähnen unten. Möglicherweise ist Kaffee darin.

Die Personen

Hinter dem Tresen steht ein Mann. Er trägt eine weiße, langärmlige Kochjacke, eine weiße Kochmütze in Form eines Schiffchens und darunter blondes kurzes Haar. Der Mann beugt sich leicht unter den Tresen, aber es ist nicht sichtbar was genau er mit seinen Händen macht. Er schaut nach oben aber es ist schwer zu erkennen, ob er aus dem Fenster schaut oder die Gäste ansieht, die vor dem Tresen sitzen.

Auf der anderen Seite des Tresens sitzt ein Mann und rechts neben ihm eine Frau. Er trägt ein dunkelblaues Jackett und darunter ein hellblaues Hemd mit einer dunklen Krawatte. Auf dem Kopf hat er einen grauen Hut mit einem schwarzen Hutband. Sein linker Arm ist hinter dem Tresen, mit dem rechten Unterarm stützt er sich auf den Tresen. Er hat eine Zigarette in der rechten Hand. Neben seiner Hand steht eine weiße Tasse.

Die Frau neben ihm trägt ein rotes Oberteil, dass ihre Schultern bedeckt, wahrscheinlich ist es ein Kleid. Sie hat welliges, orangerotes Haar und trägt roten Lippenstift. Ihre Augen sind dunkel geschminkt. Sie schaut auf etwas, das sie mit ihrer rechten Hand vor ihr Gesicht hält, es ist jedoch nicht zu erkennen was es ist. Ihr rechter Ellbogen und ihr linker Unterarm sind auf den Tresen gestützt. Rechts neben der Frau steht ebenfalls eine weiße Tasse.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden sich die rechte Hand des Mannes und die linke Hand der Frau berühren, doch dann erkennt man, dass ihre Hand hinter seiner liegt, in der er die Zigarette hält. Es lässt sich nicht sagen, ob sie sich kennen und ob sie eine Unterhaltung führen oder schweigen. Auch über ihre Gesichtsausdrücke lassen sich nur schwer Vermutungen anstellen.

Abseits der beiden sitzt ein zweiter Mann vor dem Tresen. Er ist mit dem Rücken zum Fenster gerichtet, sodass man ihn nur von hinten sieht. Der Mann trägt ebenfalls einen dunklen Anzug und einen grauen Hut mit schwarzem Hutband. Mit seinen Armen stützt er sich auf den Tresen aber es ist nicht zu erkennen, wie er seine Hände vor dem Oberkörper hält. Rechts neben ihm steht eine ebenfalls weiße Tasse. Alle abgebildeten Personen wirken isoliert und in Gedanken versunken.

Alles in allem drückt die Situation die Stille und Sprachlosigkeit aus, in der die abgebildeten Menschen sich verlieren. Das Gemälde ist nicht umsonst das bekannteste Werk Hoppers. Ihm ist es gelungen die Einsamkeit aufzuzeigen, die sich an einem Ort abspielt an dem die Menschen zusammenfinden und reden könnten.

Hopper begann die Arbeit am Bild im Dezember 1941 kurz vor dem Japanischen Angriff auf Pearl Harbor und nur wenige Tage vor dem Kriegseintritt der USA; einer Zeit die von allgemeiner Bestürzung, Kriegshysterie und Zukunftsangst geprägt war. Hopper stellt die Einsamkeit und Trostlosigkeit der Menschen gelungen in dieser Szene in einem typischen Amerikanischen 40er-Jahre Diner dar.

Das Originalgemälde befindet sich im Art Institute of Chicago. Es diente als Inspiration für ander Künstler in Literatur, Musik und Kunst.

Bildquelle: Wkimedia

Text: Anna Blankenburg

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