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„Weitersehen 2017“ – Jahrbuch des DBSV

Kultur ist ein facettenreicher gesellschaftlicher Bereich, an dem auch blinde und sehbehinderte Menschen uneingeschränkt teilhaben wollen. Das umfasst den Zugang zu Fernsehformaten und Filmen ebenso wie zu Theatern, Opern und Museen.

Weitersehen 2017“, das aktuelle Jahrbuch des DBSV, steht unter dem Motto „Kultur erleben – wenn Inklusion im Kopf beginnt“. Zu Wort kommen blinde und sehbehinderte Museumsbesucher, Künstler und Kulturvermittler. Träger und Projektverantwortliche erzählen, wie es in Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe gelingen kann, Barrieren abzubauen. Anlässlich des 15. Jubiläums, das der Deutsche Hörfilmpreis im kommenden Jahr feiern wird, blickt das Jahrbuch auf dessen Geschichte zurück und beleuchtet die Bedeutung von Audiodeskription in Film, Fernsehen und Theater.

„Weitersehen 2017“ ist bei den Landesvereinen des DBSV als Schwarzschrift- und DAISY-Ausgabe erhältlich.

Mehr Infos unter www.dbsv.org/infothek/jahrbuch-weitersehen

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Barrierefreie Kurzfilmnacht am 8. November in Dresden

Auf diesem Weg möchte ich Sie ganz herzlich zu unserer Kurzfilmnacht Klar_Sichtstreifen im Rahmen der diesjährigen Diversity Tage der TU Dresden zum Thema „Familie inklusive!“ einladen.

Die Kurzfilmnacht im Kino im Kasten findet am 8. November 2016 um 20 Uhr statt.

Wie auch im letzten Jahr ist unsere Kurzfilmnacht selbstverständlich barrierefrei – Audiodeskriptionen für die Kurzfilme sind von unserer Kuratorin extra erstellt worden. Auch in diesem Jahr werden wieder nationale und internationale Preisträger- und Preisträgerinnenfilme gezeigt.

Das gesamte Programm der Diversity Tage (07-10. November) finden sie hier.

(Quelle: Dr. phil. Cornelia Hähne, Beauftragte für Diversity Management, Technische Universität Dresden)

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Interview mit einer Kinoblindgängerin: Teil 2

Barbara an der Kinokasse

Den ersten Teil des Interviews mit Barbara findet ihr hier.

Guckst du lieber Filme im Kino oder im Fernsehen bzw. auf DVD? Und hilft dir der Sound im Kino, dir die Handlung besser vorzustellen?

Wenn ich mir einen Film ausgesucht habe und mich zwischen Kino oder Fernsehen entscheiden müßte, würde immer das Kino gewinnen. Kino ist viel intensiver. Das liegt schon daran, daß nicht Miniaturfigürchen auf der Mattscheibe herumspringen, sondern sich alles in einer überlebensgroßen Welt abspielt und ich mittendrin sitze, jedenfalls stelle ich mir das so vor. Durch den Sound bin ich den Filmgeräuschen im Kino gnadenlos ausgeliefert und die gehen mir oft durch Mark und Bein. Da hilft bei gruseligen Szenen auch kein Ohren zuhalten. Ob das auch für das bessere Verstehen der Filmhandlung hilft, weiß ich nicht, auf jeden Fall kann ich mir die Szenen viel besser vorstellen.

Noch ein großer Vorteil des Kinos ist, daß man weder von lästigen Klingelgeräuschen des Telefons, der Haustür oder von schnurrenden Vierbeinern, die genau dann Futter oder Streicheleinheiten fordern, abgelenkt wird. Ich mag aber auch liebend gerne gemütliche Fernsehabende auf der heimatlichen Couch, alles zu seiner Zeit!

In welche Kinos gehst du gerne und warum?

Ich gehe mindestens einmal pro Woche ins Kino und habe mir von den ungefähr 130 Berliner Filmhäusern sechs zu meinen Stammkinos auserkoren. Das sind zwei Programmkinos, das Cineplex Spandau und der Zoopalast. Die anderen vier sind kleinere Kinos: Kant Kino, Delphi, Filmkunst 66 und das Cinema Paris. Alle sechs sind in den Stadtbezirken Spandau oder Charlottenburg und damit, sehr wichtig, für mich auch alleine gut zu erreichen.

Von Anfang an hat man sich in all diesen Kinos gleichermaßen aufmerksam und unheimlich freundlich um mich gekümmert. Ich werde zu meinem Platz geleitet, mit Getränken versorgt, nach der Vorstellung wieder abgeholt und bei Bedarf organisiert man mir ein Taxi. Ich werde also auf Händen getragen, was will ich mehr. Meistens habe ich Glück und der Film, den ich mir anschauen möchte läuft in einem der sechs Kinos. Bin ich in Begleitung unterwegs, erweitere ich gerne meinen Kinoradius und lerne etwas Neues kennen.

Wie reagieren Kinopersonal und andere Besucher, wenn sie dich mit einem Blindenstock im Kino sehen? Fühlst du dich akzeptiert? Bekommst du Hilfe? Entstehen vielleicht auch interessante Gespräche?

Das Kinopersonal hat anfangs professionell und diskret neugierig reagiert. Auf dem Weg zu meinem Sitzplatz versuche ich zu erklären, wie ich mir den Film zu Gemüte führe, ob mit oder ohne Hörfilmbeschreibung, und daß ich das Erlebte in meinem Blog kundtue. Inzwischen bin ich in all meinen Kinos fast so bekannt wie ein bunter Hund und der Stock ist etwas ganz Normales.

Bei den Kinobesuchern ist das ein bißchen anders. Manche fassen sich ein Herz und fragen einfach. Manchmal ergreife ich das Wort, wenn ich an der Kasse mitbekomme, wer noch in denselben Film geht. Dann habe ich gleich jemanden, bei dem ich mich unterhaken kann.

Einmal hat die Dame neben mir einige Male während des Films die Augen geschlossen, um sich in meine Lage hineinzuversetzen. Eine andere hat ganz spontan die Rolle der Souffleuse übernommen. Es ist auch schon vorgekommen, daß ich mit meinen Platznachbarn nach der Vorstellung auf ein Getränk eingekehrt bin. Jedes Mal erlebe ich etwas anderes und immer habe ich nicht nur an dem Film Riesenfreude.

Warum, glaubst du, gehen relativ wenig blinde Menschen mit Begleitung und noch weniger alleine ins Kino?

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob wirklich so wenig Blinde ins Kino gehen. Als im Februar während der Berlinale drei Filme mit einer live eingesprochenen Audiodeskription gezeigt wurden, war der Andrang gewaltig. Wenn man vor dem Kinobesuch nicht erst klären muß, ob und wenn ja, in welchem Kino ein Film mit Audiodeskription zu sehen ist, würden sich bestimmt noch mehr Blinde ins Kino begeben.

Alleine ins Kino zu gehen, ist, glaube ich, auch bei den Sehenden eher eine Ausnahme. Kino ist doch eigentlich ein Gemeinschaftsding. Ich gehe ganz gerne alleine und muß das auch, weil ich bei meinen häufigen Kinobesuchen oft auf die Schnelle niemanden finde, der Zeit und Lust hat, mich zu begleiten.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Reviews über die Filme zu schreiben, die du dir ansiehst?

Letzten Sommer wurde ich gefragt, ob ich mir die Premierenvorstellung des französischen Films „Monsieur Claude und seine Töchter“ mit der Hörfilmbeschreibung über die App von Greta anschauen und anschließend darüber für das Magazin „Gegenwart“ einen Kinoerlebnisbericht schreiben wolle. Da habe ich natürlich keine Sekunde gezögert. Das Schreiben fiel mir leichter als gedacht und Spaß hat’s auch noch gemacht.

Eine Schulfreundin meinte, mach doch einfach einen Blog, such dir ein Thema und schreibe! Das Thema für den Blog lag auf der Hand! Nämlich der sehenden Welt zu zeigen, daß und wie Blinde Spaß am Kino haben, und Sehende wie Blinde mit meiner Kinobegeisterung ein wenig anzustecken.

An welche Zielgruppe richtet sich dein Blog?

Grundsätzlich freue ich mich über jeden, der mich auf meiner Seite besucht. Wenn ich nicht gerade im Kino sitze oder über einem Text brüte, versuche ich, Kontakte zu Blindenverbänden und anderen Institutionen aufzunehmen, um meinen Blog publik zu machen und Kinoblindgänger zu finden.

Genau so wichtig ist es mir, mit der Filmbranche, also den Verleihern, den Filmproduzenten und den Produzenten von Hörfilmbeschreibungen zu sprechen. Da ist die Freude immer groß, wenn sich die Zielgruppe der barrierefreien Filmfassung einmal persönlich zu Wort meldet.

Ich wurde schon mehrfach von Blinden angesprochen, die gerne einen Blog starten würden, aber nicht wissen, wie, und Angst vor der technischen Herausforderung haben. Wie hast du deinen Blog erstellt und wie gehst du mit der visuellen Gestaltung um?

Die technische Herausforderung war für mich kein Problem, weil ich mir von vornherein professionelle Hilfe gesucht habe. Alleine hätte ich das niemals hinbekommen.

Mir war es sehr wichtig, daß die Seite optisch ansprechend gestaltet ist. Dem Webdesigner habe ich ganz genau erzählt, was ich machen möchte und wen ich ansprechen will, und dann hat er ein tolles Ergebnis abgeliefert, das bekomme ich immer wieder zu hören. Zu blöd, daß ich meine toll gemachte Seite nicht sehen kann.

Die Artikel schreibe ich natürlich selbst ohne jegliche Hilfe im Schweiße meines Angesichts. Mein Partner hat dann reichlich zu tun, die Texte von meinen schrecklichen Rechtschreibfehlern und falsch gesetzten Satzzeichen zu befreien, und stellt die Artikel mit einem Foto in den Blog. Ganz ehrlich, alleine könnte ich das nicht.

Was für Feedback hast du bis jetzt bekommen?

Ein knallharter Gradmesser bezüglich der sogenannten Reichweite meines Blogs ist die Statistik über die Likes der Facebookseite „Kinoblindgaenger“, die Zahl der erreichten Personen meiner Beiträge und die der Abonnenten der Seite. Beides geht sehr langsam, dafür stetig bergauf, mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!

Am meisten freue ich mich über Nachrichten, daß Kinoblindgänger besonders dank der App von Greta jetzt wieder oder überhaupt Spaß am Kino haben, oder wenn ich erfahre, daß ganz allgemein meine Artikel Lust auf den ein oder anderen Film gemacht haben.

Nach den ersten Wochen meiner Bloggerei wurde ich von mehreren Seiten freundlich angestupst, mich in meinen Artikeln intensiver mit der Qualität der Hörfilmbeschreibungen zu befassen. Diese Anstupser kamen völlig zu Recht, davor hatte ich mich nämlich ein bißchen gedrückt.

Der Blog hat mir auch schon Türen geöffnet. Ich durfte mehrmals bei der Aufnahme von Hörfilmbeschreibungen in einem Tonstudio dabei sein, bei der Redaktion einer Audiodeskription Mäuschen spielen und einem Filmteam am Set einen Besuch abstatten. Ich war im BFW in Halle und darf Anfang September in Leipzig bei der Zentralen Blindenhörbücherei meinen Blog und Greta vorstellen. Und dann köcheln da noch so einige andere Projekte vor sich hin.

Ein besonders tolles Feedback habe ich von euch bekommen! Seitdem sind wir in Kontakt und so ist ja auch dieses Interview zustande gekommen. Mir hat das Beantworten eurer Fragen viel Spaß gemacht, das war einmal etwas ganz anderes, als über Filme zu schreiben. Ich hoffe, eure Leser bekommen keinen Schreck über die vielen Seiten? Jetzt werfe ich den Ball zurück und werde mir Fragen überlegen, die ich euch über euren Blog stelle.

In diesem Sinne verabschiedet sich die Blindgängerin!

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Interview mit einer Kinoblindgängerin: Teil 1

Barbara mit einem Fernseher im Hintergrund.

Hallo Barbara, schön dass du Lust und Zeit hast, mit uns über deinen Blog und Audiodeskription im Allgemeinen zu reden. Stell dich doch bitte kurz vor!

Seit Anfang des Jahres schreibe ich in meinem Blog, www.blindgaengerin.com, über meine Kinoerlebnisse. Wenn ich nicht als Blindgängerin unterwegs bin, heiße ich Barbara Fickert, bin 56 Jahre alt und lebe seit 32 Jahren glücklich in Berlin.

Als gebürtige Mannheimerin wurde ich dort in eine Sonderschule für Sehbehinderte eingeschult und habe anschließend das Abitur an einem Regelgymnasium in Heidelberg bestanden.

Nach dem Jurastudium in Heidelberg und Berlin, leider ohne erfolgreichen Abschluß, habe ich in Büros als Logistikerin gearbeitet.

Vor 15 Jahren mußte ich – anfangs widerwillig – das Training mit dem weißen Langstock absolvieren, den ich inzwischen keine Minute mehr missen möchte. Wenn ich nicht ins Kino gehe, spiele ich akustische Gitarre und Percussion. Dazu versuche ich, mich durch Sport fit zu halten.

Wer mehr über mich wissen möchte, kann das in voller Länge auf meiner Seite unter „Über mich“ erfahren!

Inzwischen gibt es ja relativ viele Filme mit Audiodeskription, aber das ist ja eine relativ neue Entwicklung. Hast du auch früher schon gerne Filme geguckt und wenn ja, woher kommt dein Interesse für Film?

In meiner Familie wurde 1969 der erste Fernseher, ein Schwarz-Weiß-Gerät, angeschafft. Damals war ich 10 Jahre alt. Ich saß mit der Nasenspitze fast an der Mattscheibe und habe mit meinem kleinen Sehrest genauso begeistert in die Röhre geschaut wie der Rest der Familie. Ungefähr zur selben Zeit bin ich wahrscheinlich das erste Mal ins Kino gegangen. Die riesige helle Leinwand im Kontrast zu dem dunklen Kinosaal und die besondere Akustik haben mich sofort fasziniert und daran hat sich bis heute nichts geändert.

An Audiodeskription war damals lange noch nicht zu denken, das hat aber meiner Freude am Filmeschauen, wo auch immer, keinen Abbruch getan.

Hast du das Gefühl, dir entgehen viele Details oder ganze Handlungsverläufe, wenn du Filme ohne AD schaust?

Ja, und leider nicht nur das Gefühl, sondern die Gewißheit.

Seit ungefähr 15 Jahren kann ich auf der Leinwand und erst recht auf dem Fernsehbildschirm so gut wie gar nichts mehr erkennen.

Beim Fernsehen bin ich in den letzten Jahren einige Male mehr oder weniger zufällig in den Genuß von Hörfilmbeschreibungen gekommen. Bewußt einer Audiodeskription gelauscht habe ich das erste Mal vor knapp zwei Jahren im Kino, als bei der Premierenvorstellung des Filmes „Imagine“ auch die App von Greta und Starks ihre Premiere feierte.

Dieser Kinoabend, dank der App mit der Hörfilmbeschreibung in meinem Ohr, hat mir im wahrsten Sinne des Wortes die Augen darüber geöffnet, wieviel mir ohne Bildbeschreibung entgeht.

Unter den Kinofilmen, die ich mir in diesem Jahr ohne die App von Greta im Ohr, also ohne Hörfilmbeschreibung angeschaut habe, waren drei, bei denen ich mir das Eintrittsgeld hätte sparen können, das waren die Filme „Birdman“, Kingsman“ und „In meinem Kopf ein Universum“. Bei den übrigen mußte ich mehr oder weniger große Verständnislücken in Kauf nehmen.

Ganz schwierig wird es bei Filmen mit Dialogen in einer Fremdsprache, die ich nicht beherrsche, also alle außer Französisch und ein bißchen Englisch. Wie z.B. auf Chinesisch, Russisch, Arabisch usw.

Das kommt immer häufiger vor und soll der Filmhandlung wohl zu mehr Authentizität verhelfen.

Im Kino bleibe ich auch bei größeren Verständnislücken wach, zu Hause vorm Fernseher schlafe ich dann halt ein bißchen.

Was für Filme guckst du am Liebsten? Und ist die Tatsache, dass du blind bist, dafür mit ausschlaggebend? Z.B. lieber Filme mit mehr Dialog anstatt Action Thriller?

Dialoglastige Filme sind mir die liebsten. Ich denke, das wäre allerdings auch der Fall, wenn ich alles sehen könnte. Gerne schaue ich mir aber auch Actionfilme und Thriller an, gehe aber von vornherein davon aus, Abstriche beim Filmgenuß machen zu müssen.

Wie findest du es, wenn Sehende dir beschreiben, was sie sehen? Hilfreich, unterhaltsam oder eher störend?

Zu Hause vorm Fernseher sind wir inzwischen ein eingespieltes Team. Ich bekomme aber auch nur die wichtigsten Informationen zugeraunt, das hilft ungemein.

Wenn ich ohne eine Hörfilmbeschreibung im Ohr einen Film im Kino sehe, übernehmen entweder meine Begleiter oder, wenn ich alleine gehe, auch schon einmal mein(e) Platznachbar(in) im Kinosaal das hilfreiche Soufflieren.

Wir achten allerdings darauf, niemanden zu stören. Verena Bentele, die Bundesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen und selbst blind, schreibt in ihrem Buch, daß ihr Zuflüsterer niemals lauter sein soll als der am nächsten knuspernde Popcornesser.

Uns ist das bislang immer gelungen, Popcornesser können ganz schön Krach machen!

Wie stehst du zu der Ansicht, dass AD nur eine gute Kompromisslösung ist, Blinde aber nie das gleiche Filmvergnügen wie Sehende haben können? Befürworter dieser Theorie sagen, dass in einem Bild viele Dinge gleichzeitig zu sehen sind, die Beschreibung in Worten aber immer linear sein muss.

Ob ich dasselbe Filmvergnügen wie die sehenden Zuschauer habe, kann ich schwer beurteilen, aber genau so viel Vergnügen bestimmt. Die Autoren der Bildbeschreibung müssen sich auf das Wesentliche beschränken, das kann also immer nur ein Kompromiß sein.

Ich verfolge viel intensiver die Dialoge, achte auf die Filmgeräusche, die Stimmen und ganz besonders wichtig für mich ist die Filmmusik. Das alles verschafft mir vielleicht ein anderes Filmvergnügen als den Sehenden, aber ein mindestens genau so großes!

Was macht eine gute AD für dich aus? Und was würdest du dir für die Zukunft wünschen?

Das kann ich so allgemein schwer beantworten.

Beispielsweise bei historischen Filmen möchte ich schon gerne wissen, wie die Menschen und deren Kleidung aussehen. Laufen die Leute herum wie jedermann, ist mir das ziemlich egal. Dann hänge ich lieber meinen Gedanken nach, die ich mir beim Hören der Filmmusik oder der Geräusche mache.

Oft reicht mir solch ein Filmgeräusch und mein Gehirn ruft glasklare und gestochen scharfe Bilder ab, die ich zu meinen sehenden Zeiten erhascht und abgespeichert habe.

Nervös werde ich allerdings, wenn ich bei den um mich Herumsitzenden Gefühlsregungen feststelle, die ich mir nicht erklären kann. Da muß die Hörfilmbeschreibung helfen. Dieser Balanceakt zwischen ausreichend Information und Überfrachtung mit Information macht für mich hauptsächlich eine gute Audiodeskription aus. Wenn dann auch noch die Stimmen der Sprecher klar, natürlich und angenehm in mein Ohr klingen, bin ich wunschlos glücklich.

Erzähl uns von deinen Erfahrungen mit der App GRETA: Wie funktioniert sie? Findest du sie gut bedienbar? Wie ist die Qualität der AD?

Seit der Premierenvorstellung im Dezember 2013 habe ich unzählige Hörfilmbeschreibungen über die App von Greta und Starks in mein Ohr bekommen. In der App gibt es nur fünf Menüpunkte, zwischen denen nicht einmal ich mich verirren kann.

Aber zuerst muß man sich die App kostenlos aus dem App Store bzw. Google Play auf sein Smartdevice (Smartphone, iPod Touch, Tablet usw.) herunterladen.

In der App gibt es den Menüpunkt „Filmauswahl“, wo alle Filme aufgeführt sind, für die eine Hörfilmbeschreibung über Greta zur Verfügung steht.

Um sich die Hörfilmbeschreibung auf sein Smartphone herunterzuladen, muß man den unter dem jeweiligen Filmtitel zu findenden Punkt „Download“ anklicken.

Das Herunterladen geht recht schnell. Sollte aber auf jeden Fall vor dem Kinobesuch in Ruhe zu Hause erledigt werden.

Wenn der gewünschte Film in der Liste „Meine Filme“ mit dem Punkt „Abspielen“ erscheint, ist alles in Ordnung, ansonsten neuer Versuch, neues Glück!

Im Kinosaal braucht man keine Internetverbindung und muß auch an kein WLAN andocken.

Man geht in den Punkt „Meine Filme“ und spätestens, wenn der Film beginnt, muß man die Hörfilmbeschreibung über den Menüpunkt „Abspielen“ in Gang setzen. Die Sekunden Wartezeit, bis die ersten Worte zu hören sind, werden mit einem Geräusch, so einer Art Herzklopfen, überbrückt, bis ein kurzer Signalton den Start der Hörfilmbeschreibung ankündigt.

Um das Synchronisieren der Audiodeskription mit dem Film muß man sich nicht kümmern, das geht automatisch und notfalls, beispielsweise bei einer Unterbrechung, gibt es einen Menüpunkt „Synchronisieren“. Das Synchronisieren erfolgt über das Mikrophon des Smartphones, man muß also in den Einstellungen des Gerätes der App den Zugriff auf das Mikrophon gestatten.

Greta hat mich bei all meinen Kinobesuchen kein einziges Mal im Stich gelassen und immer auf Anhieb funktioniert. Ich habe die Hörfilmbeschreibung meist in meinem rechten Ohr ganz für mich alleine und kann die Lautstärke den Filmgeräuschen anpassen.

Das Geniale an der App ist, daß ich die Hörfilmbeschreibung in den Kinosaal mitnehme, mich also für jedes x-beliebige Kino entscheiden kann.

Auf die Qualität der Audiodeskription hat Greta keinen Einfluß, weil sie nur das fertige Endprodukt zur Verfügung stellt.

Ganz wichtig ist es, immer die Updates der App herunterzuladen. Das habe ich vor kurzem versäumt und in meinem rechten Ohr herrschte gähnende Stille.

Genauso wichtig ist es, regelmäßig die App zu schließen, damit die neu hinzugefügten Filmbeschreibungen auf der Liste „Vorschau“ bzw. „Filmauswahl“ erscheinen, die Liste also aktualisiert wird.

Für jede Art von Frage kann man den kostenlosen Support von Greta unter support@gretaundstarks.de kontaktieren. Dort freut man sich auch über Lob, Kritik oder weitere Anregungen.

Die App GRETA ist kostenlos für IOS und Android Geräte verfügbar, barrierefrei und sehr einfach zu bedienen. Also probiert sie ruhig einmal im Kino oder vorm heimischen Fernseher aus und wenn ihr möchtet schreibt hier ein Kommentar mit euren eigenen Erfahrungen.

Im zweiten Teil des Interviews erfahrt ihr mehr über den Blog Blindgängerin und Barbaras persönliche Erfahrungen mit Kinobesuchen.

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