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„Shot in the Dark“: „Death Watch“ von Sonia Soberats

Dieses Bild wurde im Rahmen einer Ausstellung zur Filmpremiere des Dokumentarfilms „Shot in the Dark“ in der Brotfabrik Berlin gezeigt. Der Text stammt aus dem großartigen Audio Guide zur Ausstellung.

Ein Mann und eine Frau blicken auf einen Toten hinab.

Eine Schwarz-Weiß-Fotografie. Ein dunkelhäutiger älterer Mann um die sechzig mit einem Schnurrbart liegt, in Tücher gehüllt, auf dem Boden. Sein Gesicht ist nicht von den Tüchern verdeckt, seine Augen sind geschlossen. Über ihm schwebt eine Wolke aus Lichtlinien.

Eine kräftige Frau mit einem Langstock in der Hand und ein kräftiger dunkelhäutiger Mann neben ihr, stehen hinter dem liegenden Körper, ihre Gesichter gesenkt. Die Augen des Mannes sind von der oberen Bildkante abgeschnitten, die Frau hält die ihrigen geschlossen. Ihre Oberkörper sind dem Leichnam zu ihren Füßen zugeneigt und von geschwungenen Lichtlinien beleuchtet

Copyright: Sonia Soberats, 2008 Originalgröße 60 x 47 cm

 

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100 Meisterwerke: 60. „Madonna im Grünen“ von Rafael

Madonna im Grünen

Raffaels Madonna im Grünen“, Langtitel: „Madonna im Grünen, Szene: Maria mit Christuskind und Johannes dem Täufer“ ist ein im Jahr 1506 auf Holz entstandenes Ölbild, das der Künstler für den Patrizier Taddeo Taddei anfertigte. Es hat eine Höhe von 113 cm und eine Breite von 88 cm und hängt heute im Kunsthistorischen Museum in Wien.

In der Mitte des Bildes sitzt Maria, etwa 20 Jahre alt, in freier Natur, wie vor einer Kulisse. Sie wendet uns ihre halbrechte Seite zu und hat den Kopf zu ihrer rechten Schulter gedreht. Sie trägt ein rotes Kleid  mit langen Ärmeln aus scheinbar dickerem Stoff. Der flache, an den Schultern abschließende Rundhalsausschnitt hat einen Goldsaum. Um ihren linken Arm, die Hüfte und die Beine ist eine blaue, gold gesäumte Decke geschlungen, sodass der Rock des Kleides nicht zu sehen ist. Darunter lugt nur ein Fuß am rechten unteren Bildrand hervor. Ihre dunkelblond bis rötlichen Harre sind vom Mittelscheitel aus zu zwei Zöpfen geflochten, die jeweils rechts und links über die Ohren und um den Hinterkopf gelegt sind. Der Kopf ist zur linken unteren Bildecke gedreht, ihr Blick ist gesenkt. Die Augen schauen freundlich, aber eher abwesend. Der Mund zeigt ein dezentes Lächeln. Sie hat eine schmale, kleine Nase, wobei der Nasenrücken insgesamt recht lang erscheint.

Maria sitzt leicht erhöht vom Boden, wie auf einem Stuhl oder Stein. Der Gegenstand ist jedoch nicht zu sehen. Ihr Unterkörper ist zur rechten unteren Bildecke gerichtet, ihr rechtes Bein ist leicht gestreckt. Der Oberkörper dreht sich leicht zur linken Bildseite und ist etwas vornüber gebeugt.

Zwischen ihren beiden nach unten greifenden Händen, an der Außenseite ihres rechten Beines, steht ein nackter, zwei- bis dreijähriger Knabe mit kurzem rötlichem Haar in der Mitte der unteren Bildhälfte. Er ist leicht gegen sie gelehnt, hat seine linke Hand auf ihrer rechten Hand abgelegt und hält wiederum mit seiner Rechten

Der Knabe schaut zur linken Bildseite. Sein Blick geht in Richtung eines zweiten, etwas älter wirkenden Knaben mit kurzen roten Locken. Dieser kniet auf seinem rechten Bein, seine einzige Kleidung ist ein gräuliches Tuch, das um die linke Schulter und den Rumpf gebunden ist. Er hält mit beiden Händen ein zierliches, scheinbar hölzernes Lateinisches Kreuz, dessen Längsbalken den Knaben überragt. Der Querbalken am oberen Ende ist eher kurz. Er schaut dem Jüngeren direkt ins Gesicht. Dieser hält mit seiner rechten Hand den oberen Teil des Kreuzes umfasst. Die Blicke der Knaben erscheinen leer, ihr Gesichtsausdruck ist neutral. Die Münder sind geschlossen.

Schräg über beziehungsweise hinter den Köpfen aller Figuren schweben sehr feine goldene Ringe, der „Mittelpunkt“ eines jeden Ringes berührt quasi jeweils einen Hinterkopf wie ein Heiligenschein.

Die Landschaft im Hintergrund ist überwiegend hellbraun bis grün gefärbt. In näherer Umgebung der Figuren sind kniehohe Hügel zu sehen. Rechts von der Madonna, etwa auf Höhe der Bildmitte, wächst eine Mohnblume mit zwei geöffneten und einer geschlossenen Blüte. Am unteren Bildrand sind vielleicht Erdbeerpflanzen zu erkennen. Auf Höhe der Schultern der Madonna verschwinden links ein Baum und rechts ein Busch aus dem Bild. Weiter hinten, leicht verschwommen, wird die Landschaft grüner und bergig. Links kurz vor dem Horizont ist ein kleiner Berg mit einem Tempel oder ähnlichem darauf zu sehen. Das Hauptgebäude ist eher rund und besitzt ein Kuppeldach, daran anschließend steht ein schmaler, runder Turm mit Zeltdach. Am Fuße des Berges stehen weitere Gebäude, vielleicht ein Dorf. Der Berg und die darauf befindlichen Gebäude erscheinen grünlich-grau, das Dorf beige. Dies alles ist eher unscharf gezeichnet; es ist Kulisse. Der Himmel ist sehr hell, unten fast weiß, weiter oben hellblau gefärbt. Es hängen einzelne größere Wolken am oberen Bildrand.

Das rote Kleid Marias und die blaue Decke heben sich deutlich vom Hintergrund ab und bilden einen farbenfrohen Kontrast zu der zwar bewachsenen aber eher karg wirkenden Umgebung.

Bildquelle: zeno.org

Text: Philipp Zeitler

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100 Meisterwerke: 59. „Migrant Mother“ von Dorothea Lange

Migrant Mother

Dorothea Lange war eine US-amerikanische Dokumentarfotografin. Sie gilt als Mitbegründerin der Dokumentarfotografie. Bekannt wurde sie mit dem unten beschriebenen Bild „Migrant Mother“. Dabei handelt es sich um eine 1936 entstandene Schwarz-Weiß-Fotografie im Hochformat.

In diesem Foto sind insgesamt vier Personen abgebildet, die fast das komplette Bild ausfüllen. Im mittleren Fordergrund sitzt eine Frau, deren Kopf und Oberkörper zu sehen sind, die Oberschenkel sind nur ansatzweise abgebildet. Sie hat ihren rechten Ellenbogen auf ihren Oberschenkel gestützt und fasst sich mit der rechten Hand an die untere Seite der rechten Wange. Ihren linken Arm sieht man nicht. Auf den Oberschenkeln vor dem Bauch der Frau liegt ein Baby, das in eine viel zu große, schmutzige Jacke eingewickelt zu sein scheint.  Körper und ein Teil des Kopfes sind durch die Stoffschichten zu erahnen. Die Haare des Babys verschwinden hinter einem dunklen Gegenstand unten rechts im Bild, vielleicht einem Stück Wand oder einer Tür.

Das Baby hat die Augen geschlossen und scheint zu schlafen. Die Frau hat ein schmales Gesicht und dunkle, zusammengebundene und nach rechts gescheitelte Haare. Ebenso hat sie schmale Augen und dunkle Augenbrauen. Ihre Nase ist schmal und lang. Die Lippen sind eher voll und auf der rechten Seite vom Kinn ist eine Erhebung oder eine Warze zu sehen. Ihr Gesicht ist von Falten gdurchzogen, besonders an der Stirn und um die Augen. Sie schaut in die linke Seite des Bildes, so dass man nur ihr linkes Ohr sieht. Die linke Gesichtshälfte ist trotzdem zu sehen. Die Frau trägt eine Jacke und darunter eine karierte Bluse. Über ihrem linken Arm und über den Oberschenkeln liegt ein anderes, undefinierbares Kleidungsstück. Die Kleidung ist verschmutzt und hat viele Löcher. Der Ärmel der Strickjacke ist abgerissen.

Links von der Frau lehnt sich ein kleines Mädchen an ihren Rücken. Der Kopf liegt auf der Höhe der Schulter der Frau. Man kann das Kind nur von seitlich hinten sehen. Das Kind hat dunkle Haare, die nur bis zu den Ohren reichen, einen sogenannten Topfschnitt. Das Mädchen trägt eine verschmutzte Jacke. Rechts von der Frau lehnt sich ein weiteres Kind an ihre andere Schulter. Dieses Kind ist vom Kopf bis zur Schulter im Bild. Es hat beide Arme auf die Schulter der Frau gelehnt und darauf den Kopf gestützt. Es schaut nach hinten von der Kamera weg. So sieht man nur einen kleinen Teil der linken Wange und den Hals. Der linke, angewinkelte Arm ist am Oberkörper der Frau zu sehen, die Hand verschwindet auf dem Rücken der Frau. Dafür sieht man die rechte Hand auf der Schulter der Frau. Das Kind hat helle, zerzauste Haare. Sie reichen bis über die Ohren. Auch dieses Kind trägt verschmutzte und kaputte Sachen.

Im oberen Teil des Bildes und damit auch im Hintergrund sieht man eine kahle Wand. Diese scheint schräg nach unten zu verlaufen. Es sieht so aus als sitzt die Frau mit den Kindern auf dem oberen Ende einer Treppe, die in einen Keller führt. Die Frau sieht sehr sorgenvoll aus. Sie scheint sich Gedanken über ihre Zukunft zu machen. Wahrscheinlich ist sie die Mutter der Kinder, da diese Körpernähe suchen. Die kleine Familie wirkt erschöpft und niedergeschlagen.

Zur Hintergrundgeschichte dieses Fotos:

1936 wurde Dorothea Lange beauftragt die Lebensverhältnisse in ländlichen Regionen der USA fotografisch zu dokumentieren. „Migrant Mother“ wurde im März in im Zelt einer Erbsenflückerplantage aufgenommen.  Die Frau hieß Florence Owens Thompson und war obwohl sie älter wirkt, erst 32. Sie versuchte sich und ihre Kinder durch den Verkauf von Schrott, erfrorenem Gemüse von den umliegenden Feldern und von den Kindern erlegten Vögeln zu ernähren. Sie ließ sich fotografieren und stellte keine Fragen, da sie hoffte, dass die Fotos ihr helfen würden. Das Bild ist Langes berühmteste Fotografie und nachdem es wenige Tage später in den Medien erschien, wurden Lebensmittel zu den hungernden Menschen der Region gebracht.

Bildquelle: artberlin.de

Text: Lydia Jander

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100 Meisterwerke: 55. „Der Blindensturz“ von Pieter Bruegel

Der Blindensturz

Der Blindensturz ist ein Gemälde des niederländischen Malers Pieter Bruegel des Älteren. Es entstand im Jahre 1568 und ist der europäischen Kulturepoche Renaissance zuzuordnen. Das Gemälde ist in einer reduzierten Palette aus Braun- und Blaugrautönen gehalten und wurde mit Temperafarben auf Leinwand aufgetragen. Das querformatige Originalgemälde hat die Abmessungen 154 cm × 86 cm und ist heute im Museo di Capodimonte in Neapel zu besichtigen.

Das Gemälde zeigt eine Gruppe sechs blinder Männer, die im Gänsemarsch diagonal von links oben nach rechts unten das Bild durchqueren und dabei auf abschüssigem Gelände einer nach dem anderen ins Stolpern geraten. In der linken unteren Ecke wird die Gruppe durch den Bildrand von der Betrachterin getrennt.

Die Szene spielt sich auf einer in hellen Brauntönen gehaltenen Dorfwiese ab. Links oben, hinter den letzten beiden Männern, sieht man zwischen einigen dürren Bäumen die braunen Dächer zweier mit Reet gedeckten Häuser. Auf der rechten Bildseite ist ein von Bäumen gesäumtes Gewässer zu sehen. Möglicherweise ist es ein Bach.

Den Hintergrund bilden ein überwiegend grün bewachsener Hügel und, neben einigen weiteren Bäumen, eine in blaugrau dargestellte Dorfkirche. Die Wiese endet vorn links im Bild an einem Abbruch, der weißen Boden erkennen lässt. Entlang dieser Abbruchkante verläuft die Wiese, auf der sich die sechs Männer bewegen abschüssig, schräg nach unten.

Die Männer tragen typisch mittelalterliche Kleidung in vorwiegend Grau- und blassen Blautönen: Bundhosen mit weißen Strümpfen und schwarzen Schuhen, darüber eine lange Jacke, die von einem Gürtel zusammengehalten wird. Die beiden Männer in der Mitte haben jeweils eine Ledertasche am Gürtel befestigt. Über die Jacken haben alle Männer weite, am Hals gebundene und vorn offene Umhänge um die Schultern geworfen. Jeder von ihnen trägt Kopfbedeckung – einen Hut, eine Kappe oder eine Haube, einige auch beides. Die Kleidung lässt vermuten, dass es Herbst ist.

Jeder zweite Mann hat einen langen, hölzernen Stab in der Hand. Die Blinden sind wie an einer Kette aufgereiht unterwegs: Jeder hat die Schulter des Vorangehenden oder dessen nach hinten gereichten Blindenstab erfasst, den Kopf mit den blinden Augen emporgehoben – während wohl jeder Sehende den Blick auf den unebenen Boden gerichtet hätte. Der vorderste der Männer ist bereits gestürzt. Er liegt nun mit dem Rücken in dem Gewässer am rechten Bildrand, die angewinkelten Beine der Betrachterin entgegengestreckt und die Arme hilflos emporgehoben. Mit der rechten Hand umklammert er den Holzstab. Die Finger seiner linken Hand sind durch das Bildende abgeschnitten. Rechts neben ihm halb im Wasser eine braune Tasche.

Der zweite in der Reihe wurde von dem Gestürzten mitgerissen und ist im Moment des Fallens dargestellt. Sein Körper ist bereits um 45 Grad nach vorn (im Bild nach rechts) gekippt, er hat den Kopf der Betrachterin zugewandt – der Schrecken ist ihm ins Gesicht geschrieben. Der Mund ist weit aufgerissen. Bei genauer Betrachtung kann man bei ihm die Ursache seiner Blindheit feststellen. Ihm wurden die Augen ausgestochen.

Nach einer kleinen Lücke folgt der dritte Mann auf den zweiten. Er befindet sich in der vorderen Bildmitte. Mit seiner nach vorn gestreckten linken Hand hält er den Stock seines Vordermanns fest. Dadurch kommt er ebenfalls ins Stolpern. Er ist bereits ein wenig nach vorn (im Bild nach rechts) geneigt. Sein Gesicht zeigt die Verwunderung über das Geschehen vor ihm, das er wohl nur erahnen kann. In der linken Hand hält er seinen hellen breitkrempigen Hut.

An ihren Gesichtsausdrücken ist zu erkennen, dass die drei anderen (in der linken Bildhäfte) noch nicht ahnen, was ihnen bevorsteht. Sie tappen im Gänsemarsch hinterher. Dabei hält sich die vierte und fünfte Person jeweils mit der linken Hand an der rechten Schulter des Vordermanns fest. Den fünften und sechsten Mann verbindet ein Stock, den beide in der rechten Hand halten. Der Letzte hält zusätzlich noch einen weiteren Stock, senkrecht als Gehhilfe, in seiner linken Hand.

Die Einzelbilder der sechs Gestalten könnten auch die Bewegung eines einzelnen Stolpernden in verschiedenen Phasen zeigen, der von links nach rechts, mit zunehmender Neigung durch das Bild kippt und schließlich zum Liegen kommt.

Bildquelle: wikipedia.org

Text Antje Köhn und Wikipedia

 

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100 Meisterwerke: 32. „Sterbezimmer“ von Edward Munch

Sterbezimmer

Edvard Munch war ein norwegischer Maler und Grafiker des Symbolismus. Neben zahlreichen Gemälden fertigte er ebenfalls Grafiken und Zeichnungen an. Munch gilt als wegweisend in der expressionistischen Malerei der Moderne. In Deutschland und im übrigen Mitteleuropa genoss er früh den Ruf eines epochemachenden Neuschöpfers. Heute sind seine Werke weltweit berühmt.

Das Bild mit den Maßen 38 x 58,5 cm zeigt einen Raum, in dem sich sieben sitzende oder stehende Personen um ein Bett mit Beistelltisch gruppieren. Der Raum hat einen hellbraunen Holzfußboden, dessen Dielen vertikal verlaufen. Der Boden hat im unteren rechten Teil des Bildes einen Fleck, der als Umriss eines horizontal liegenden Kopfes interpretiert werden kann. Der Raum wird von zwei olivgrünen Wänden begrenzt. Von der linken Wand ist nur ein Bruchteil in der hinteren Ecke sichtbar. Dort befindet sich ein vertikal angebrachtes Holzbrett. An diesem Brett stützt sich ein Mann mit der rechten Hand ab, seine linke hat er in der Hosentasche. Er trägt einen blauen Pullover und eine Hose, bei der das linke Bein braun und das rechte grün ist. Der Kopf des Mannes ist in Richtung der Wand nach unten geneigt. Sein Gesicht ist nicht zu erkennen, da keine Details wie Augen oder Nase gezeichnet sind. Die Gesichtsfarbe des Mannes ist leicht rötlich. An der Wand, die von vorne nahezu in ganzer Breite sichtbar ist, hängt mittig über dem Bett ein Bild. Es hat einen Holzrahmen und hängt mit einer Schnur an einem Nagel und zeigt in wenigen schwarzen Strichen die Abbildung eines Mannes mit wollener Seefahrermütze und Bart.

Das hölzerne Einzelbett ist mit weißer Bettwäsche bezogen. Ein Teil davon hängt auf der rechten Seite herab. Das Kopfkissen liegt auf der Wandseite. Rechts des Bettes befindet sich ein Beistelltisch, auf dem zwei Fläschchen mit roter Flüssigkeit stehen sowie ein Glas mit einem Stab auf dem rechten vorderen Rand.

Rechts des Bettes sitzt eine Frau in einem blauen Kleid und weißer Kutte darüber auf einem Stuhl. Sie hat eine braune, halbdurchsichtige Decke mit roten Punkten auf dem Schoss. Ihr Gesicht ist nicht zu erkennen. Sie sitzt mit dem Stuhl Richtung Kopfkissen. Der Stuhl ist aus Holz und Rund geschwungen. Seine Lehne ist hoch und eine zweite Frau stützt sich mit der linken Hand daran ab. Diese Frau ist schlank und trägt ein langes, graublaues Kleid. Sie hat eine blasse Gesichtsfarbe. Ihre Haare sind schwarz und zu einem Dutt zusammengeknotet. Die rechte Hand hält sie mit der Innenfläche nach oben gerichtet auf Hüfthöhe.

Hinter der Frau im Stuhl und nahe am Beistelltisch, steht ein alter Mann mit einem grauen Vollbart. Sein Oberlippenbart verläuft spitz zur Seite. Der Kopf ist leicht geneigt und die Augen geschlossen. Mittig auf dem Kopf hat er eine Glatze, seine seitlichen Haare sind grau. Er trägt ein blaues Jackett und eine blaugraue Hose. Seine Hände sind vor der Brust wie zum Gebet gefaltet.

Am Fußende des Bettes steht ein Mann mit dem Gesicht zum Bett gewandt. Er hat braune Haare und helle Haut. Sein Kopf ist leicht gesenkt. Das Gesicht ist nicht erkennbar, da es Richtung Bett zeigt. Er trägt einen blauen Anzug mit weißem Kragen.

Fast Rücken an Rücken mit diesem Mann steht eine junge Frau, die in Richtung des Betrachtenden schaut. Sie hat lange, dunkle und mit einem Mittelscheitel zur Seite gekämmte Haare. Ihr Gesicht ist blass und traurig. Die blauen Augen haben tiefe Augenringe. Der Blick ist traurig und leer. Sie trägt ebenfalls ein dunkelblaues und schlichtes, langes Kleid. Das Kleid hat entweder ein Lochmuster oder gewollte Akzente über den ganzen Stoff verteilt. Es handelt sich um etwas tropfenförmige, nach unten zerlaufende, rötliche Farbtupfer.

Ganz im Vordergrund, vor der Frau mit den Augenringen sitzt eine weitere junge Frau in einem kleineren Holzstuhl. Ihre rot-braunen Haare sind zu einem langen Zopf geflochten. Sie sitzt gebeugt, hat den Blick nach unten gewandt und ihr Gesicht ist nicht erkennbar. Die Hände sind auf ihren Knien zum Gebet verschränkt. Ihr Kleid ist ebenfalls lang und blau.

Bildquelle: Wikimedia

Text: John Patzwaldt

 

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100 Meisterwerke: 10. „Tod zum Blinden“ Szene aus dem „Baseler Totentanz“

Baseler Totentanz

Bis 1805 war an der Innenseite einer Friedhofsmauer des Dominikanerklosters in Basel ein etwa 60 Meter langes und etwa zwei Meter hohes, vermutlich um 1440 von einem unbekannten Künstler angefertigtes Bild zu sehen: „Der Basler Totentanz. Das Bild wurde mit Temperafarben auf den Verputz gemalt und bedeckte die gesamte Fläche der Mauerseite. Die genaue Entstehungsgeschichte, Künstler oder Auftraggeber sind unbekannt. Die Mauer wurde 1805 abgerissen und der originale „Basler Totentanz somit nach vielfachen Restaurierungen und Kopien zerstört.

1806 schuf Johann Rudolf Feyerabend nach Vorlage einer Kopie von Emanuel Büchel aus dem 18. Jahrhundert eine Aquarellkopie. Das Bild ist im Querformat gestaltet; allerdings ist die Länge des Originals optisch in fünf Stücke geteilt, die wiederum in Reihen übereinander angeordnet sind. Unter jeder Bildzeile befindet sich ein schmaler, hellbrauner Streifen, der nach oben und unten jeweils durch eine dünne, schwarze Linie begrenzt ist. Darin steht unter jeder Szene der jeweilige Titel in geschwungenen Lettern: „Der Tod Zum / Zur …“.  Der Hintergrund der Szenen wie auch der Streifen für die Unterschriften sind durchgängig gezeichnet. Die Schatten eines Bildes fallen teilweise in das rechts anschließende.

Abgebildet sind 37 lebensgroße Tanzpaare, bestehend aus dem Tod in Gestalt eines menschlichen Skeletts und eines Menschen. Die Menschen sind mit Attributen ihres jeweiligen Standes oder Berufes dargestellt; dies und die Reihenfolge der Darstellung zeigen die Hierarchie der spätmittelalterlichen Gesellschaftsordnung: beginnend mit dem Papst und endend mit dem Bauern. Diese Gesellschaftsordnung wird durch das Bild  bekräftigt. Hoffnung gibt es im Tod, da alle Menschen sterben müssen. Außerhalb der Rangordnung sind vor dem Papst in der ersten Reihe der Prediger und der Tod selbst in jeweils einer Szene dargestellt. Nach dem Bauern in der fünften und letzten Reihe sind in vier Szenen Adam und Eva, der Maler, die Malerin sowie abschließend die Miniatur der Predigerkirche mit Kirchhof und Kirchmauer, auf welche der Totentanz gemalt war, zu sehen.

„Der Tod zum Blinden“

Die Szene „Tod und Blinder“ befindet sich als drittes Bild von rechts in der vierten Reihe von oben.

Im Mittelpunkt der Szene stehen deutlich rechts der Blinde und links der Tod. Bei dem Blinden handelt es sich um einen eher älteren Mann mit weißem Haar und weißem länglichem Bart. Er läuft gekrümmt. Der Körper erscheint dünn und eher schmal, aber nicht abgemagert. Die Perspektive zeigt ihn von rechts kommend und folglich von seiner linken Seite. Sein Gesichtsausdruck erscheint kläglich, aber freundlich. Seine Kleidung ist zerschlissen: die weiß-grauen Beinkleider zeigen Löcher und bedecken die Beine bis zur Hälfte der Waden. An den Füßen trägt er schwarze Überwürfe, die von knapp über den Knöcheln abwärts reichend und weder Zehen noch Sohlen bedecken. Ein annähernd backsteinfarbenes Gewand unter einem hellbraunen, ärmellosen Überwurf bedeckt den Körper des Mannes von den Schultern bis zu den Oberschenkeln. Der Kopf ist mit einem schwarzen, flachen und runden Hut mit weißem, schmalem Hutband bedeckt. Im Nacken liegt ein gräuliches Halstuch. Um seine Schultern hängt ein schwarzer Schulterriemen, an dem seine Habseligkeiten befestigt zu sein scheinen.

Mit der rechten Hand hält der Blinde senkrecht einen wahrscheinlich geschnitzten Holzstab, in der linken eine dünne Leine, an deren anderem Ende sich ein kleiner Hund befindet, der in die gleiche Richtung läuft wie der Mann, sich jedoch nach ihm umschaut. Er reicht mit dem Rücken gerade bis zur Wade des Mannes. Abgesehen von ein paar schwarzen Flecken auf dem Rücken und ebenfalls schwarzen Ohren, ist der Hund weiß. Sein Fell ist kurz und zottelig.

Ihnen entgegen tritt der Tod: Ein menschliches Skelett, oder eher ein bis auf die Knochen abgemagerter Mensch, mit weißem, spitzen Kinnbart und länglichem Schnurrbart sowie grauem Haupthaar. Seine Augen sind nicht nur leere Höhlen und der Mund ist leicht geöffnet. Der Gesichtsausdruck wirkt neutral. Der Tod trägt einen Strohhut mit zwei langen grauen Vogelfedern daran. An den Beinen sind zerschlissene Hosen, die bis zu den Oberschenkeln reichen, angedeutet. Dazu trägt er eine knappe Schürze, die den Lendenbereich bedeckt.

Entsprechend der Szene kommt der Tod von links und zeigt seine rechte Seite. Der Hund befindet sich direkt zwischen den sich in Bewegung befindenden Beinen des Todes. Mit der linken Hand hält der Tod  den Stab des blinden Mannes fast am oberen Ende fest umschlossen, in der rechten Hand hält er eine Schere, deren geöffnete Schenkel bereits die Hundeleine zu umfassen beginnen.

Der Hintergrund der Szene zeigt einen schmalen, sandfarbenen Weg im unteren Bereich, und perspektivisch dahinter einen etwa doppelt so breiten Grasstreifen. Darüber schließt der gräulich erscheinende hellblaue Himmel bis zum oberen Rand der Szene an. An der äußersten rechten Seite des Horizonts erscheint blass ein Haus oder ein Gut mit Bäumen dahinter. Am Wegessrand bis in den Grasstreifen hinein befindet sich senkrecht zur Laufrichtung der Figuren ein in den Boden eingelassenes längliches, rechteckiges Loch.

Text: Philipp Zeitler

Bildquelle: Wikimedia

 

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100 Meisterwerke: 2. „The Terror of War“ von Nick Út

Terror

„The Terror of War“ (dt.: „Der Schrecken des Krieges“) ist der Titel eines Fotos, das im Juni 1972 im Vietnamkrieg von dem Associated Press Fotografen Nick Út aufgenommen wurde. Es verdeutlicht noch heute, unter welchen brutalen Verbrechen die Zivilbevölkerung zu leiden hatte: weinende Kinder mit vor Angst verzerrten Gesichtern, die vor einem Napalmangriff auf den Ort Trảng Bàng weglaufen. Darunter die neunjährige Kim Phúc, die kurz zuvor ihre brennende Kleidung ausgezogen hatte und nackt und voller Schmerzen aus ihrem Dorf flieht.

Das Bild ist eine Schwarz-weiß Fotografie im Querformat. Eine zweispurige asphaltierte Straße verläuft vom Vordergrund perspektivisch schmaler werdend bis hinein in den Mittelpunkt des Fotos, wo sie in dunklem Rauch verschwindet. Der Rauch steigt aus dem Brand eines Napalmangriffs auf den Ort Trảng Bàng auf und nimmt fast die ganze obere Hälfte des Fotos ein. Nur am linken oberen Bildrand ist noch der letzte Rest des hellen Himmels ohne Wolken erkennbar. Es lässt sich auch nicht erkennen, welche Farbe der Himmel hat, was es umso schwieriger macht Wetter und Tageszeit einzuschätzen.

Am Ende der Straße ist vom Feuer und dem Dorf oder anderen Umrissen aufgrund des Rauchs nichts zu sehen. Rechts und links ist die Straße von vermutlich grünen Feldern gesäumt. Im Hintergrund stehen zwei Schilder am rechten Straßenrand, möglicherweise Ortsschilder oder Hinweistafeln. Eines davon befindet sich ganz weit im Hintergrund und wird vielleicht nur ein paar Minuten nachdem das Foto gemacht wurde vom Rauch eingenommen. Das andere Schild steht näher zum Betrachter etwa auf mittlerer Höhe des Fotos.

Auf der Straße flüchten fünf Kinder aus dem brennenden Ort und laufen auf den Betrachter zu. Der Schrecken in ihren Gesichtern wird von umstehenden Kriegsfotografen mit Kameras aufgenommen. Dabei fällt das Hauptaugenmerk auf die kleine, damals neunjährige Kim Phúc, die ganz nackt auf der Mitte der Straße läuft. Ihr Mund ist weit aufgerissen, möglicherweise schreit sie. Ihr Gesichtsausdruck zeigt Schmerz und Angst. Sie ist sehr dünn, hat schwarzes nackenlanges Haar und helle Haut. Im Laufen wirkt Kims Körperhaltung ganz verkrümmt, ihre Arme hält sie seitwärts vom Körper weg, als sei sie eine Marionette. Ihr rechtes Bein steht grade auf der Straße, während ihr linkes Bein in der Laufbewegung weiter hinten ist. Es macht den Eindruck als würde sie zügig laufen und fast rennen. Was der Betrachter nicht weiß und nicht sieht ist, dass ihr Rücken und ihr hinterer linker Arm verbrannt sind. Die Bildqualität ist nicht scharf genug, um zu erkennen, ob beispielsweise ihre Haut sauber oder schmutzig ist, genauso wenig lässt sich sagen, welche Augenfarbe sie hat.

Im Vordergrund links läuft ein Junge, etwas älter als Kim Phúc, mit einem ebenso erschrockenen und angstverzerrten Gesicht. Er hat kurzes schwarzes Haar, trägt ein weißes kurzärmliges Hemd mit Knöpfen und eine kurze dunkle Hose. Seine Füße sind am unteren Bildrand kaum noch zu sehen. Während er läuft ist sein rechtes Bein nach vorn angewinkelt und das linke ist durchgestreckt. Der linke Arm ist in der Bewegung nach vorn gestreckt und der rechte fällt seitlich nach hinten weg. Beide Arme sind auf dem Foto etwas verschwommen, was vermuten lässt, dass der Junge sie schnell bewegt.

Schräg rechts hinter Kim Phúc läuft noch ein kleiner, etwa fünfjähriger Junge an der Hand eines Mädchens, das etwa elf Jahre alt sein könnte. Er trägt eine Hose und ein Hemd mit Knöpfen, eventuell einen Schlafanzug. Das Mädchen ist mit einer schwarzen Hose und einer weißen, kurzärmligen Bluse bekleidet. Schräg links hinter Kim Phúc läuft ein sehr kleiner Junge von maximal fünf Jahren am Straßenrand. Er trägt nur ein weißes langärmliges Hemd. Er scheint grade noch Anschluss zu den anderen Kindern zu haben und schaut im Laufen noch einmal zum verrauchten Dorf zurück.

Alle Kinder sind barfuß. Neben ihnen sind insgesamt sieben Männer, die teilweise mit Kameras ausgerüstet sind und das grausame Spektakel filmen. Es scheinen Soldaten und Kriegsfotografen zu sein. Vier von ihnen laufen hinter den Kindern auf der Straße, zwei weitere laufen am rechten Straßenrand. Einer der Männer ist auf Höhe der Kinder und scheint sich auf etwas zu konzentrieren, dass er in seinen Händen hält. Möglicherweise eine Kamera. Alle Männer tragen kuppelartige Helme, Uniformen und Gewehre, es lässt sich jedoch nicht sagen, ob es US-Soldaten oder vietnamesische Soldaten sind. Ihre Gesichter sind nicht zu erkennen. Im Gegensatz zu den Kindern laufen die Männer ruhiger. Zwei der Männer schauen im Gehen zurück, um noch einmal einen Blick auf das niedergebrannte Trảng Bàng zu werfen.

Nick Út wurde mit dem Foto weltberühmt. Es wurde zum Pressefoto des Jahres 1972 gekürt und gewann den Pulitzerpreis. Dieses Foto, sowie andere veröffentlichte Aufnahmen des Vietnamkrieges trugen zu globalen Friedensbewegungen und Anti-Kriegsprotesten bei. Erst drei Jahre später 1975 wurde der Vietnamkrieg für beendet erklärt. Kim Phúc lebt heute mit ihrer Familie in Canada und setzt sich aktiv für Kriegsopfer ein.

Text: Anna Blankenburg

Bildquelle: Wikimedia

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