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100 Meisterwerke: 59. „Migrant Mother“ von Dorothea Lange

Migrant Mother

Dorothea Lange war eine US-amerikanische Dokumentarfotografin. Sie gilt als Mitbegründerin der Dokumentarfotografie. Bekannt wurde sie mit dem unten beschriebenen Bild „Migrant Mother“. Dabei handelt es sich um eine 1936 entstandene Schwarz-Weiß-Fotografie im Hochformat.

In diesem Foto sind insgesamt vier Personen abgebildet, die fast das komplette Bild ausfüllen. Im mittleren Fordergrund sitzt eine Frau, deren Kopf und Oberkörper zu sehen sind, die Oberschenkel sind nur ansatzweise abgebildet. Sie hat ihren rechten Ellenbogen auf ihren Oberschenkel gestützt und fasst sich mit der rechten Hand an die untere Seite der rechten Wange. Ihren linken Arm sieht man nicht. Auf den Oberschenkeln vor dem Bauch der Frau liegt ein Baby, das in eine viel zu große, schmutzige Jacke eingewickelt zu sein scheint.  Körper und ein Teil des Kopfes sind durch die Stoffschichten zu erahnen. Die Haare des Babys verschwinden hinter einem dunklen Gegenstand unten rechts im Bild, vielleicht einem Stück Wand oder einer Tür.

Das Baby hat die Augen geschlossen und scheint zu schlafen. Die Frau hat ein schmales Gesicht und dunkle, zusammengebundene und nach rechts gescheitelte Haare. Ebenso hat sie schmale Augen und dunkle Augenbrauen. Ihre Nase ist schmal und lang. Die Lippen sind eher voll und auf der rechten Seite vom Kinn ist eine Erhebung oder eine Warze zu sehen. Ihr Gesicht ist von Falten gdurchzogen, besonders an der Stirn und um die Augen. Sie schaut in die linke Seite des Bildes, so dass man nur ihr linkes Ohr sieht. Die linke Gesichtshälfte ist trotzdem zu sehen. Die Frau trägt eine Jacke und darunter eine karierte Bluse. Über ihrem linken Arm und über den Oberschenkeln liegt ein anderes, undefinierbares Kleidungsstück. Die Kleidung ist verschmutzt und hat viele Löcher. Der Ärmel der Strickjacke ist abgerissen.

Links von der Frau lehnt sich ein kleines Mädchen an ihren Rücken. Der Kopf liegt auf der Höhe der Schulter der Frau. Man kann das Kind nur von seitlich hinten sehen. Das Kind hat dunkle Haare, die nur bis zu den Ohren reichen, einen sogenannten Topfschnitt. Das Mädchen trägt eine verschmutzte Jacke. Rechts von der Frau lehnt sich ein weiteres Kind an ihre andere Schulter. Dieses Kind ist vom Kopf bis zur Schulter im Bild. Es hat beide Arme auf die Schulter der Frau gelehnt und darauf den Kopf gestützt. Es schaut nach hinten von der Kamera weg. So sieht man nur einen kleinen Teil der linken Wange und den Hals. Der linke, angewinkelte Arm ist am Oberkörper der Frau zu sehen, die Hand verschwindet auf dem Rücken der Frau. Dafür sieht man die rechte Hand auf der Schulter der Frau. Das Kind hat helle, zerzauste Haare. Sie reichen bis über die Ohren. Auch dieses Kind trägt verschmutzte und kaputte Sachen.

Im oberen Teil des Bildes und damit auch im Hintergrund sieht man eine kahle Wand. Diese scheint schräg nach unten zu verlaufen. Es sieht so aus als sitzt die Frau mit den Kindern auf dem oberen Ende einer Treppe, die in einen Keller führt. Die Frau sieht sehr sorgenvoll aus. Sie scheint sich Gedanken über ihre Zukunft zu machen. Wahrscheinlich ist sie die Mutter der Kinder, da diese Körpernähe suchen. Die kleine Familie wirkt erschöpft und niedergeschlagen.

Zur Hintergrundgeschichte dieses Fotos:

1936 wurde Dorothea Lange beauftragt die Lebensverhältnisse in ländlichen Regionen der USA fotografisch zu dokumentieren. „Migrant Mother“ wurde im März in im Zelt einer Erbsenflückerplantage aufgenommen.  Die Frau hieß Florence Owens Thompson und war obwohl sie älter wirkt, erst 32. Sie versuchte sich und ihre Kinder durch den Verkauf von Schrott, erfrorenem Gemüse von den umliegenden Feldern und von den Kindern erlegten Vögeln zu ernähren. Sie ließ sich fotografieren und stellte keine Fragen, da sie hoffte, dass die Fotos ihr helfen würden. Das Bild ist Langes berühmteste Fotografie und nachdem es wenige Tage später in den Medien erschien, wurden Lebensmittel zu den hungernden Menschen der Region gebracht.

Bildquelle: artberlin.de

Text: Lydia Jander

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100 Meisterwerke: 49. „A Bigger Splash“ von David Hockney

 

A bigger splash

David Hockney ist ein britischer Maler, Grafiker, Bühnenbildner und Fotograf. In den 60er Jahren gehörte Hockney neben Andy Warhol und anderen Künstlern zu den Hauptvertretern der Pop Art. Seine dreiteilige Serie von Swimmingpool Gemälden gehört zu seinen bekanntesten Werken. „A Bigger Splash“ ist das dritte und größte dieser Bilder und entstand im Jahre 1967. Es wurde mit Acrylfarben auf Leinwand gemalt. Mit einer Größe von 242,5 cm x 243,9 cm ist es nahezu quadratisch. Derzeit befindet es sich in der Tate Galerie in London. Hockney ging es bei diesen Bildern darum Bewegungen und Lichtreflektionen im Wasser und eine nur wenige Sekunden andauernde Bewegung festzuhalten.

Auf den ersten Blick zeigt das Bild einen sonnigen, unbewölkten Tag am Pool. Die ruhige Grundstimmung wird jedoch durch einen Sprung in den Pool unterbrochen. Dieser „Splash“ ist der Blickfang des Bildes. Man hat das Gefühl, das Platschen des Wassers tatsächlich zu hören. Die springende Person ist allerdings nicht zu sehen, die Bewegung ist durch die aufgewühlte Wasseroberfläche dargestellt. Das Bild wurde mit intensiv leuchtenden Acrylfarben gemalt und  ist durch eine ausgewogene Abstraktion von kräftigen Horizontalen und Vertikalen geprägt.

Auf den zweiten Blick lässt sich das Bild in vier Ebenen teilen. Auf der ersten Ebene im Vordergrund sieht man ein gelbes Sprungbrett, das aus der rechten unteren Ecke nach links schräg in die zweite Ebene ragt. In der zweiten Ebene befindet sich der Pool. Der Pool verläuft über die komplette Bildbreite und ist an den Bildenden abgeschnitten. Das Wasser leuchtet markellos hellblau. Der „Splash“ ist in hellerem blau bis hin zu weiß gehalten. Die Bewegung wird durch Streifen und Schraffierungen auf der blauen Fläche dargestellt. Es sind die einzigen sichtbaren Pinselspuren auf dem rein flächigen Bild. Das Sprungbrett und die großen Spritzer durchbrechen als Unregelmäßigkeit die oben genannte Strukturierung von Horizontalen und Vertikalen.

Auf der dritten Ebene steht ein Haus mit einer großen Terrasse davor. Die Terrasse grenzt direkt an den Pool. Eine grauweiße Linie auf dunkelblauem Grund trennt den Pool vom Terrassenbereich. Die Linien sollen vermutlich den Poolrand darstellen. Auf der zartrosa oder fleischfarbenen Terrasse steht ein einzelner Klappstuhl mit „Blick“ zum Pool. Das Haus nimmt von der linken Bildkante aus Dreiviertel der dritten Ebene ein. Das Haus ist sehr abstrakt gehalten. Es ist ein Flachbau, dessen Fassade auf der rechten Seite ockerfarben ist. Die linke Hausseite besteht aus fünf sichtbaren Fenstern, die vom Boden bis unters Dach reichen. In den Fenstern spiegeln sich die gegenüberliegenden Häuser und Palmen in diffusem Grau. Vor den Fenstern steht der Klappstuhl. Vor der ockerfarbenen Fassade ist eine kleine, grüne Grasnarbe zu erkennen. Selbst das Gras wirkt ordentlich und gerade.

Im rechten Drittel der dritten Ebene ist bereits der azurblaue Horizont zu sehen, der nahtlos in den Hintergrund, die vierte Ebene übergeht. Die vierte Ebene besteht bis auf zwei schlanke, große, grün belaubte Palmen ausschließlich aus blauem Horizont. Eine der Palmen wird teilweise vom Haus verdeckt, die andere steht rechts neben dem Haus. Die Schatten die Dachrinne und Stuhl werfen lassen darauf schließen, dass das Gemälde die Mittagszeit darstellt, in der Sonne und Temperatur ihren Höchststand erreicht haben.

Bildquelle: tate.org

Text: Antje Köhn

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100 Meisterwerke: 24. „Untitled #96“ von Cindy Sherman

Untitled #96 whatculture.com

Cindy Sherman ist eine US-amerikanische Künstlerin und Fotografin. Sie ist vor allem für ihre Fotoserien bekannt, in denen sie sich konzeptuell mit Fragen der Identität, Rollenbildern, Körperlichkeit und Sexualität beschäftigt. Bei dem Foto Untitled #96 handelt es sich um ein Selbstportrait aus dem Jahre 1981. Zu dieser Zeit war die Künstlerin 25 Jahre alt.

Das Foto ist im Querformat aufgenommen und hauptsächlich in harmonisierenden Orangetönen gehalten. Es zeigt ein junges Mädchen mit androgynen Gesichtszügen, das verführerisch in Rückenlage auf einem Fußboden aus braunen oder terrakotta-farbenen Mosaikfliesen liegt. Diese Fließen sind kleine Quadrate und Rechtecke, die scheinbar wahllos aneinander gelegt wurden. Sonst ist vom Fußboden nicht viel zu sehen, da dass Mädchen aus sehr naher Distanz von oben fotografiert wurde. Aus diesem Grund ist auch nicht ihr ganzer Körper auf dem Bild zu sehen. Der / die Betrachtende schaut aus einer Art Draufsicht auf sie herab. Das Mädchen liegt diagonal. Ihr Kopf befindet sich in der rechten oberen Ecke und ihre Beine, bis zur Hälfte der Oberschenkel, in der linken unteren Ecke des Bildes. Der Körper ist durch die Bildränder an allen Seiten abgeschnitten. Das Mädchen hat eine schlanke und eher knabenhafte Figur. Eventuelle kurvenreichere Körperformen sind  durch die locker sitzende Kleidung nicht zu erkennen.

Ihr Kopf ist mit Beginn der Stirn zu sehen. Sie trägt dunkelblonde Haare, die zur Hälfte ihre Ohren bedecken. Der Pony liegt mit einigen Fransen auf der Stirn. Ihr Gesicht ist leicht errötet und ihr Blick geht nach rechts weg vom Fotografierenden, in Richtung der oberen Kante des Bildes. Sie wirkt verträumt. Ihr Mund ist leicht geöffnet, so dass der / die Betrachtende die oberen Schneidezähne erkennen kann. Die Oberlippe ist im Vergleich zur vollen Unterlippe eher schmal. Ihr Gesichtsausdruck wirkt sehr sinnlich. Ihr Gesicht ist oval und zeichnet sich durch weiche Formen aus. Die Augen sind mandelförmig und die Augenbrauen liegen halbrund über den Augen. Die Farbe der Augen ist nicht eindeutig zu erkennen. Die Nase des Mädchens ist gerade. Sie ist ungeschminkt und ihre Haut ist leicht gebräunt.

Am Oberkörper trägt sie einen braunorangefarbenen Pullover, dessen Ärmel sehr sorgfältig bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt sind. Der Pullover reicht ihr bis zum Becken und wirkt nach innen umgeschlagen. Er liegt über dem Rock. Mit der rechten Hand umklammert sie einen zerknüllten Zeitungsausschnitt, auf dem nichts Genaueres zu erkennen ist. Der rechte Arm ist ausgestreckt und die Hand liegt in etwa auf der Höhe ihres Beckenknochens. Den linken Arm hat sie nach oben angewinkelt, so dass ihre linke Hand mit der Handfläche nach oben  neben ihrem Kopf auf Höhe ihres Ohrs liegt. Die Finger sind leicht zur Faust geballt, aber nicht angespannt. Der Ellenbogen ist aufgrund der Bildbegrenzung nicht zu sehen. Ihre Fingernägel sind rot lackiert.

Zu dem orangefarbenen Pullover trägt sie einen weiten,  mit mittelgroßem Blockkaro gleichmäßig orange und weiß karierten – vermutlich knielangen – Rock, der den Großteil ihrer Oberschenkel bedeckt.  Das Orange ist der Farbe des Pullovers sehr ähnlich und geht auch eher in die Richtung eines braunorange. Der breite Rocksaum ist unten über den Schenkeln teilweise hochgeschlagen. Ihre Beine hat das Mädchen angewinkelt nach links fallen lassen; Ihr Oberkörper liegt komplett auf dem Fußboden und ab dem Becken hat sie ihren Körper mit angewinkelten Beinen nach links gedreht. Allerdings sind die Beine aufgrund der Bildbegrenzung nur bis zur Mitte des Oberschenkels zu sehen und es ist nicht zu erkennen, ob sie übereinander liegen. Das Mädchen trägt keine Strumpfhosen.

In der linken oberen Ecke ist noch ein kleiner Teil der linken Ferse mit einem Stück Schuhsohle zu sehen. Die Schuhe sind aus weißem Stoff und haben flache Sohlen. Sie enden unter dem Knöchel. Das schmutzige Weiß lässt vermuten, dass die Schuhe nicht mehr neu sind.

Insgesamt sieht das Bild eher gestellt aus. Es wirkt, als wenn das Mädchen posiert und sich bemüht, dabei verführerisch auszusehen.

Bildquelle: whatsculture.com

Text: Antje Köhn

 

 

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100 Meisterwerke: 21. „Rothko Chapel“ von Mark Rothko

Innenansicht der Rothko Kapelle

Bei der Rothko Chapel handelt es sich um eine konfessionsübergreifende Kapelle in Houston, Texas, die von den Kunstsammelnden John und Dominique de Menil gegründet wurde. Das Innere dient nicht nur als Kapelle, sondern ist auch ein bedeutendes Werk moderner Kunst. An den Wänden hängen insgesamt 14 abstrakte, großflächig schwarze Gemälde des Künstlers Mark Rothko. Die Oktogonform des Gebäudes und das Design der Kapelle wurden hauptsächlich von dem Künstler entworfen, der ab 1964 von den de Menils dazu beauftragt wurde. Rothko erlebte die Fertigstellung der Kapelle 1971 allerdings nicht mehr, da er im Februar 1970 Selbstmord beging. Rothko gilt als bedeutender Vertreter des abstrakten Expressionismus und der Farbfeldmalerei.

Das Innere der Kapelle ist äußerst kühl und sachlich gestaltet. Die Farbgestaltung bewegt sich zwischen Braun –und Grautönen bis Schwarz. Anders als in den meisten Kirchen, befinden sich keine verzierten Ornamente,  Heiligenbilder oder ähnliches in der Kapelle. Abgesehen von vier Sitzbänken ohne Rückenlehne gibt es keine weiteren Einrichtungsgegenstände wie Taufbecken oder Altar.

Auf dem dunkelgrau, wahrscheinlich gefliesten Steinboden stehen in einem weitläufigen Viereck angeordnet die erwähnten vier kargen Bänke aus dunkelbraun lackiertem Holz. Da sie eine Leiste haben, die parallel zur Sitzfläche verläuft, wirken die Bänke wie schmale, rechteckige Holzrahmen.

An den weißen, über 4 Meter hohen Wänden des achteckigen Raums hängen riesige schwarz bis schwarzlila Bilder Rothkos, die fast die gesamten Wandflächen bedecken. In dem dieser Beschreibung zugrunde liegenden Foto  sind drei von Rothkos Gemälden zu erkennen. Sie sind alle schwarz mit einem Lilastich.

Das größte dieser Gemälde ist vom Betrachtenden aus gesehen am weitesten entfernt, nämlich an der gegenüberliegenden, um etwa einen Meter nach hinten versetzten Wand. Es besteht aus drei gleich großen Teilen, wovon der mittlere mehr lila als schwarz ist. Es sind keine klar abgetrennten Muster erkennbar. Von Weitem sieht es aus wie breite Längsstreifen, die fließend ineinander übergehen. Links und rechts von diesem Triptychon an den angrenzenden Wänden hängen zwei identisch große Bilder, die im gleichen Farbton gehalten sind. Sie sind schmaler als das dreiteilige in der Mitte. Die Schatteneinwirkung der Bilder ändert sich leicht je nach Lichteinfall.

Über den Wänden führt die konisch zulaufende Rauhputzdecke, die sich farblich markant von dem Weiß der Wände abhebt, zu einem schwarz verkleideten Oberlicht, das die einzige Lichtquelle im Inneren der Kapelle zu sein scheint und ein bleiches Licht in den Raum wirft. Neben den beiden kleineren Gemälden sind am rechten und linken Bildrand die Eingänge ins Innere der Kapelle als zwei Einbuchtungen in den Wänden zu sehen.

Die Kapelle dient nicht nur als Gebetsraum für Anhänger aller Religionen, sie wird auch für Aufführungen und als Tagungsort für Menschenrechtsversammlungen genutzt. Sie war die erste Kirche ihrer Art wodurch sie internationale Berühmtheit erlangte.

Bildquelle: www.markrothko.org

Text: Stef

 

 

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100 Meisterwerke: 18. „Nighthawks“ von Edward Hopper

Nighthawks

„Nighthawks“ (dt. Nachtfalken, sinngemäß Nachtschwärmer), ist ein 1942 fertig gestelltes Gemälde des amerikanischen Malers Edward Hopper. Es handelt sich um ein farbiges Ölgemälde im Querformat mit den Maßen 84,1 mal 152,5 Zentimetern, auf dem eine spätabendliche Szene in einem amerikanischen Diner der 40er Jahre zu sehen ist. Dabei wird im Betrachtenden der Eindruck erweckt, dass sie oder er selbst auf der Straße steht und von außen in die Bar hineinschaut, in der die Anwesenden wie auf einer Bühne erleuchtet sitzen.

Hintergrund

Es ist sehr dunkel und es sind keine Menschen mehr auf der Straße unterwegs. Im linken Bildbereich ist ein mehrstöckiges Haus zu sehen. Im Erdgeschoss befindet sich ein Geschäft mit großen Schaufenstern, die mit dunkelgrünen Holzrahmen versehen sind. In der ersten Etage sind möglicherweise Wohnungen, bei denen die Rollos zum Teil heruntergelassen sind. Die Fassade ist rot. Von links oben fällt das Licht einer Laterne oder des Mondes auf das Haus.

Vor dem Haus befinden sich ein Gehweg und eine schmale Straße, die sich vom linken Bildbereich durch die Mitte des Bildes zieht. In der Mitte verläuft die Straße hinter einem weiteren Haus, das auf der anderen Seite der Straße steht. Auf dieses Haus fällt das Hauptaugenmerk. Es zieht sich vom rechten Bildrand, über die Mitte des Bildes hinaus kleiner werdend in das Bild hinein, sodass die Straße und das Haus mit der roten Fassade dahinter zum Teil verdeckt sind. Das Haus nimmt in etwa die rechten zwei Drittel des Bildes ein.

Das Diner

Bei diesem zweiten Haus handelt es sich um das Diner. Es ist ein spitzwinkliges Eckhaus mit so großen Fenstern, dass man sowohl von Innen als auch von Außen ungehindert sehen kann, was sich auf der anderen Seite der Scheibe befindet. Die Frontseite der Bar ist zu etwa zwei Dritteln von rechts zu sehen. Am linken Ende knickt das Haus nach rechts ab und liegt an der Straße, die dahinter entlangführt. Das Haus besteht nur aus einer Etage. Der untere und obere Hausrand sind mit einer grünen Holzverkleidung geschmückt. Oben auf dem Haus ist eine rote längliche Tafel angebracht. In gelb steht darauf: PHILLIES (eine zeitgenössige Zigarettenmarke). Links und rechts ist ebenfalls Schrift angebracht, die Worte sind aber nicht zu erkennen.

Im Diner befindet sich ein brauner, den Barbereich umlaufender, Holztresen, davor sind Hochstühle mit runden Sitzflächen aufgestellt. Anders als auf der dunklen Straße herrscht in der Bar ein grelles Kunstlicht,  dass durch die gelbe Wandfarbe noch verstärkt wird. Im Hintergrund rechts ist eine braune Tür mit einem kleinen viereckigen Sichtfenster, die vermutlich zu den Toiletten oder in die Küche führt. Die Raumausstattung ist minimalistisch und symmetrisch wodurch sie anonym und standardisiert wirkt. Hinten auf dem Tresen stehen zwei große zylindrische Getränkespender aus silbernem Metall mit Ablaufhähnen unten. Möglicherweise ist Kaffee darin.

Die Personen

Hinter dem Tresen steht ein Mann. Er trägt eine weiße, langärmlige Kochjacke, eine weiße Kochmütze in Form eines Schiffchens und darunter blondes kurzes Haar. Der Mann beugt sich leicht unter den Tresen, aber es ist nicht sichtbar was genau er mit seinen Händen macht. Er schaut nach oben aber es ist schwer zu erkennen, ob er aus dem Fenster schaut oder die Gäste ansieht, die vor dem Tresen sitzen.

Auf der anderen Seite des Tresens sitzt ein Mann und rechts neben ihm eine Frau. Er trägt ein dunkelblaues Jackett und darunter ein hellblaues Hemd mit einer dunklen Krawatte. Auf dem Kopf hat er einen grauen Hut mit einem schwarzen Hutband. Sein linker Arm ist hinter dem Tresen, mit dem rechten Unterarm stützt er sich auf den Tresen. Er hat eine Zigarette in der rechten Hand. Neben seiner Hand steht eine weiße Tasse.

Die Frau neben ihm trägt ein rotes Oberteil, dass ihre Schultern bedeckt, wahrscheinlich ist es ein Kleid. Sie hat welliges, orangerotes Haar und trägt roten Lippenstift. Ihre Augen sind dunkel geschminkt. Sie schaut auf etwas, das sie mit ihrer rechten Hand vor ihr Gesicht hält, es ist jedoch nicht zu erkennen was es ist. Ihr rechter Ellbogen und ihr linker Unterarm sind auf den Tresen gestützt. Rechts neben der Frau steht ebenfalls eine weiße Tasse.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden sich die rechte Hand des Mannes und die linke Hand der Frau berühren, doch dann erkennt man, dass ihre Hand hinter seiner liegt, in der er die Zigarette hält. Es lässt sich nicht sagen, ob sie sich kennen und ob sie eine Unterhaltung führen oder schweigen. Auch über ihre Gesichtsausdrücke lassen sich nur schwer Vermutungen anstellen.

Abseits der beiden sitzt ein zweiter Mann vor dem Tresen. Er ist mit dem Rücken zum Fenster gerichtet, sodass man ihn nur von hinten sieht. Der Mann trägt ebenfalls einen dunklen Anzug und einen grauen Hut mit schwarzem Hutband. Mit seinen Armen stützt er sich auf den Tresen aber es ist nicht zu erkennen, wie er seine Hände vor dem Oberkörper hält. Rechts neben ihm steht eine ebenfalls weiße Tasse. Alle abgebildeten Personen wirken isoliert und in Gedanken versunken.

Alles in allem drückt die Situation die Stille und Sprachlosigkeit aus, in der die abgebildeten Menschen sich verlieren. Das Gemälde ist nicht umsonst das bekannteste Werk Hoppers. Ihm ist es gelungen die Einsamkeit aufzuzeigen, die sich an einem Ort abspielt an dem die Menschen zusammenfinden und reden könnten.

Hopper begann die Arbeit am Bild im Dezember 1941 kurz vor dem Japanischen Angriff auf Pearl Harbor und nur wenige Tage vor dem Kriegseintritt der USA; einer Zeit die von allgemeiner Bestürzung, Kriegshysterie und Zukunftsangst geprägt war. Hopper stellt die Einsamkeit und Trostlosigkeit der Menschen gelungen in dieser Szene in einem typischen Amerikanischen 40er-Jahre Diner dar.

Das Originalgemälde befindet sich im Art Institute of Chicago. Es diente als Inspiration für ander Künstler in Literatur, Musik und Kunst.

Bildquelle: Wkimedia

Text: Anna Blankenburg

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100 Meisterwerke: 15. „Rush Hour“ von Joel Sternfeld

Foto aus der Rush Hour serie

Der amerikanische Fotograf Joel Sternfeld ist für seine künstlerischen Farbfotografien bekannt und prägte den Begriff „New Color Photography“.  Die Serie „Rush Hour“ gehört zu seinen Frühwerken. Hier fotografierte er zwischen 1973 und 1976 verschiedene Szenen aus dem Amerikanischen Alltag. „Rush Hour“ besteht aus 32 mit Blitzlicht aufgenommenen Bildern, die Amerika positiv darstellen. Die Serie soll die vorangegangene, dunkle Zeit der siebziger Jahre, die durch den Vietnamkrieg, den Rücktritt Nixons und die wirtschaftliche Depression geprägt waren, erhellen. Im Folgenden wird eine Kontrastreiche Fotografie aus der Serie beschrieben.

Im Mittelpunkt des Bildes ist eine jung wirkende Frau zu sehen. Sie steht mit dem Rücken zum Fotografen und befindet sich leicht links in der Bildmitte. Sie wartet vermutlich an einer Ampel, ihr Körper ist bis zu den Hüften auf dem Bild zu sehen, über ihrem Kopf ist noch ein kleines Stück Himmel sichtbar. Sie schaut leicht nach rechts, auf den Straßenverkehr, sodass ihr rechtes Profil fast komplett zu erkennen ist. Der Mund ist allerdings nur zu erahnen.

Die schlanke Frau trägt ein leuchtend hellgrünes Kleid. Das Kleid hat einen Kragen und die Ärmel bedecken gerade die Schultern. Um die Taille hat sie einen Gürtel oder ein Band in der gleichen Farbe des Kleides, doppelt gewickelt. Das Kleid ist wahrscheinlich aus leichter Baumwolle. Wie weit es reicht ist nicht zu sehen, da der Bildausschnitt nur bis zur Hüfte reicht.

Ihre Arme sind beide angewinkelt, vermutlich trägt sie etwas in Bauchhöhe vor dem Körper oder sie hält die leeren Hände nah beieinander. Ihre Haare sind dunkelblond und enden kurz über ihren Schultern. Die Spitzen wellen sich leicht und ihr weht eine leichte Brise entgegen. Am Rücken ihres Kleides befindet sich ein kaum sichtbarer, durchgehender Reißverschluss.

Rechts neben der Frau ist ein gelbes Taxi zu sehen, dass gerade die Straße entlang fährt an der sie wartet. Die Spitze des Taxis verschwindet hinter ihrem Körper und das Heck ist nicht mit auf dem Bild, es endet mittig der hinteren Tür. Auf dem Dach des Taxis befindet sich ein blaues Schild mit einer weißen, zweizeiligen Aufschrift. Das obere Wort beginnt mit „S“ ist aber nicht weiter lesbar, weil das ganze Taxi durch die Bewegung der Fahrt unscharf ist. In der zweiten Zeile steht Gilbey’s Gin und rechts daneben ist eine eckige Ginflasche mit rotem Etikett abgebildet. Der Fahrer des Taxis ist ebenfalls unscharf. Er trägt etwas weißes und hat den Arm angewinkelt ins geöffnete Fenster gelegt.

Zwischen der Frau und dem Taxi ist ein runder Gullideckel mit einem Metallrand auf der Straße zu sehen. Hinter dem Taxi sind die Fassade und die Ecke eines modernen Hauses bis zum zweiten Stockwerk erkennbar. Das Haus besteht aus grauen Backsteinen und bodentiefen Fenstern, von denen einige weiße Rollos haben.

Die Frau steht an einer Straßenecke, denn zu ihrer linken schaut man in eine Straßenschlucht. Man sieht auch die Fassade des modernen Hauses auf der anderen Seite der Ecke und die Fassade des gegenüberliegenden Hauses und der Häuser dahinter, viel tiefer in der Straßenschlucht. Diese Häuser sind ebenso für diese Zeit modern und aus Beton gebaut. Noch weiter hinten sieht man, angrenzend an die beschriebenen Häuser, die Silhouette eines Hochhauses, das oben aus dem Bild hinausragt und nicht mehr ganz zu sehen ist. Es ist so weit weg, das es aussieht als wäre es von Nebel oder Dunst umgeben.

Hinter dem Taxi muss eine weitere Straßenspur sein, vermutlich ist es eine Einbahnstraße da es keinen Gegenverkehr gibt. Von dieser weiteren Spur biegen gerade zwei Autos in die Straßenschlucht ab; ein weiteres Taxi und dahinter sieht man nur die Spitze eines weißen Autos. Der Rest dieses Autos verschwindet hinter der Frau.

Dort wo die beiden Autos abbiegen überquert ein vermutlich älterer Mann gerade die Straße. Er trägt ein helles Hemd und eine beige, lange Hose. Es ist nur ein kleines Stück grauer Himmel über dem Kopf der Frau zu sehen. Das Stück Himmel ist rechts und links eingerahmt von den Häusern und unten vom Kopf der Frau. In der Straßenschlucht sieht man in großer Entfernung noch mehr Menschen, wie viele und genauere Details sind nicht zu erkennen. Auf den Straßen, die die junge Frau und der ältere Mann überqueren sind weiße Linien zur Begrenzung aufgemalt, diese sind sehr abgenutzt und kaum noch zu erkennen. Das grüne Kleid der Frau und das gelbe Taxi bilden einen starken Kontrast zum Grau der Straßen und Häuser.

Text: Jana Marie Schmidkunz-Gerecke

Bildquelle: filthyweb.wordpress.com

 

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