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„Im Nebel“ von Susanne Emmermann

Im Nebel

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von | 22. Mai 2017 · 7:34 pm

„Farbstrudel“ von Susanne Emmermann

Farbstrudel

 

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100 Meisterwerke: 64. „Ohne Titel“, Rote Tinte und Bleistift auf Papier, 1998 von Louise Bourgeois

Bleistiftzeichnung mit roter Tinte

Bei dem Werk von Louise Bourgeois das in der Kunsthalle Bielefeld ausgestellt wird handelt es sich um ein weißes Blatt Papier, auf dem lediglich mit rotem Stift und einem Bleistift gearbeitet wurde. Im ersten Augenblick wirkt es beinahe wie eine Kinderzeichnung, die an einem Familienühlschrank hängen könnte. Auf den zweiten Blick erkennt man aber die fein säuberlich gezeichneten Linien und die verschrobene Dimensionalität der Abbildungen.

Das Format des Blattes ist hochkant und etwa 75 Prozent des gesamten Blattes sind weiß, beziehungsweise leer geblieben. Bei ungenauer Betrachtung sieht es so aus, als strecke sich eine rote Säule, vielleicht auch ein sehr lang gezogener Käfig, vom unteren Bildrand bis über den oberen Bildrand. Das DIN A 4 Blatt reichte der Künstlerin aber offensichtlich nicht aus, da das Motiv am oberen Bildrand wie abgeschnitten aussieht, geradezu unvollständig. Es macht den Eindruck, als hätte Louise Bourgeois sich mit dem Maßstab vertan und es somit einfach nicht beenden können.

Bei genauer Betrachtung erkennt man zunächst ein rot gezeichnetes, sehr kleines Kind, welches gerade stehen kann. Die Konturen des Kindes sind ziemlich hart mit Bleistift heraus gearbeitet worden. Man könnte fast behaupten, dass Bourgeois mit Bleistift zunächst die Konturen des Körpers grob vorgezeichnet hat und diesen vielleicht noch korrigieren wollte, falls die Proportionen nicht gestimmt hätten. Das Kind hat einen sehr kugeligen Kopf, ohne Haar und ohne Gesichtszüge. Lediglich über einen roten Punkt im Gesicht verfügt das Kind. Hierbei handelt es sich sehr wahrscheinlich um das Auge. Der Oberkörper des Kindes ist nicht ausgemalt, sondern lediglich in rot und weiß konturiert. Wenn man anhand der übrigen Kleidung Rückschlüsse auf das Geschlecht des Kindes ziehen müsste, so wäre es wahrscheinlich ein Mädchen, denn es trägt einen Rock und das Bild macht nicht den Eindruck, als würde es stereotypische Gender Vorurteile infrage stellen wollen. Der Rock ist rot schraffiert worden, in der Diagonalen von links oben, nach rechts unten. Darunter trägt das Mädchen noch eine Art Strumpfhose, zumindest kann man dies erahnen. Die Beine sind sehr dunkel und vordergründig mit Bleistift ausgemalt worden, aber auch etwas Rot lässt sich darin finden. Die dünnen, feinen Details in rot auf den Beinen erinnern an blutgefüllte Äderchen. Der Übergang von Bein zu Fuß ist fließend, wenngleich auch die Füße ausschließlich rot gezeichnet sind.

Das kleine Kind ist im Profil abgebildet, somit ist auch nur ein Arm erkennbar. Der Arm ist abgesehen von seinen Umrissen komplett papierweiß und ist etwas unproportional zum Rest des Körpers. Das Kind klammert sich mit der einen sichtbaren Hand, mit ungefähr drei Fingern, an rote Schnüre, welche von oben herab hängen. Die Beine sind so gezeichnet, als würde das Kind gehen. Das hintere ist stärker verdunkelt worden und wirkt dünner als das vordere Bein.

Man erkennt, dass es sich bei dem Gegenstand links vom Kind, also die rote Säule in der Bildmitte, um eine Frau handelt. Eine Frau mit zwei Körpern übereinander gezeichnet. Beide Körper bilden zusammen unter sich einen kleinen Schatten, der zwischen zwei Absatzschuhen auf dem Boden scheint. Die Schuhspitzen zeigen in entgegengesetzte Richtungen. Da das Bild aus dieser Perspektive überhaupt keinen Sinn ergibt, bestärkt sich der Eindruck, das es sich um eine Zeichnung von Kinderhand handelt. Die beiden Körper haben die selben Beine, man erkennt nur zwei. Das Kind daneben erstreckt sich bis auf Höhe der Knie. Oberhalb der Knie scheinen sich die Körper völlig unterschiedlich zu entwickeln. Der eine ist sehr lang, bzw. groß und dünn. Der zweite Körper hingegen hat eine Sanduhrenform und ist üppig mit Brust und Gesäß ausgestattet und hat im Vergleich sehr dünne Arme, die augenscheinlich hinter dem Rücken verschränkt sind.

Beide Körper wurden frontal gezeichnet und sind im Vergleich zu dem Kind wesentlich kräftiger mit Rot gezeichnet worden. Der üppige Körper trägt auch eine feine Bluse mit acht erkennbaren Knöpfen in Doppelreihe und einem Kragen. Man sieht keinen Ausschnitt. Der sich dort anschließende Hals ist allerdings überdimensional lang und wurde mit Bleistift schraffiert, oder mit den Fingern und Bleistift eingerieben. Er wirkt schmutzig und passt nicht zum Rest der sichtbaren, unbekleideten Körperteile. Am Ende des Halses schließt sich der einzige Kopf an, über den die beiden Staturen verfügen. Fast schon herzförmige Lippen sind im Gesicht verzeichnet und ein roter Querstrich stellt die Nasenspitze dar. Alles darüber ist nicht mehr auf dem Blatt gezeichnet worden und macht das Bild unvollständig. Man kann noch erahnen, dass die große Frau entweder sehr langes Haar hat, bis zum Fußboden genauer gesagt, oder einen Umhang vom Kopf bis zu den Füßen trägt, der über die im Ansatz erkennbaren, schmalen Schultern hinab gleitet. Es wirkt zum einen wie Haare, weil es lange, durchgehende, rote Striche sind, die sich am Ende leicht nach außen Wellen. Wie ein Umhang wirkt es, weil es sich an den üppigen Körper anschmiegt und die Sanduhrenform umschmeichelt.

Das Kind hält sich also an dem Haar oder dem Umhang fest. Die hinter dem Rücken verschränkten Arme der üppigen Dame sind leicht ausradiert worden, als hätte sich Louise dagegen entschieden oder eben auch festgestellt, dass die Proportionen nicht stimmen. Mit viel Phantasie könnte man behaupten, dass es sich hierbei um eine Entwicklung ein und der selben Person handelt. Erst ist sie eine wunderschöne, starke und wohl proportionierte Frau und dann wird sie zu einem Geist und zieht gen Himmel davon, weshalb sich vielleicht auch das Kleinkind an sie klammert.

Bildquelle: restauratoren.de

Text: Max Scheller

 

 

 

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100 Meisterwerke: 51. „Wilder Shores of Love“ Von Cy Twombly

Wilder Shores of Love

Cy Twombly  (geboren: Edwin Parker Twombly Jr. war ein US-amerikanischer Maler, Fotograf und Objektkünstler. Er zählt zu den bekanntesten Vertretern des amerikanischen Abstrakten Expressionismus. Sein unverwechselbarer Stil ist durch Schlieren, Kritzeleien, unfertige Skizzen und schriftähnliche Codes auf den Werken charakterisiert. Seine Malerei erinnert oft an „Schmiererein“ an Häuserwänden und Toilettenwänden und erweckt Assoziationen an die Bildsprache der später entstandenen Graffiti-Kultur.

Twomblys Bilder vereinen die Züge der abstrakten Malerei mit schriftzugartigen Zeichnungen zu einem sehr feinen gewebeartigen Grundkonzept. Dies trifft auch auf das Gemälde „Wilder Shores of Love“ (dt. „wildere Küsten der Liebe“) von 1985 zu. Das großformatige und fast quadratische Kunstwerk wurde mit Ölfarbe und Fassadenfarbe, Buntstift und Bleistift auf Holz angefertigt und ist 140 cm hoch und 120 cm breit. Es befindet sich in einer Privatsammlung.

Das Bild wird von den Farben Weiß, Schwarz und Rot bestimmt. Ein Großteil des Gemäldes ist durch einen Hintergrund in verschiedenen Weißtönen ausgefüllt. Dieser nimmt etwa zwei Drittel des oberen Bildes ein. Im unteren Teil des Bildes, ausgehend von der linken Ecke ist ein hügelförmiger dunkler Farbbereich angeordnet. Er wird vor allem von Schwarz- und Brauntönen und einem roten Bereich in der rechten unteren Ecke gefüllt. Es sind deutliche Strukturen in den aufgetragenen Farbschichten zu erkennen. Diese könnten durch Pinselstriche oder durch Bunt- beziehungsweise Bleistiftlinien in frischer Farbe entstanden sein. Es scheint als ob der Künstler in der frisch aufgetragenen Farbe herum gekritzelt hätte.

Auf der Spitze in der Mitte des dunklen Hügels der in Form und Farbe an einen abstrakten Mist –oder Erdhaufen erinnert, befindet sich ebenfalls ein roter gekritzelter Klecks mit lilablauen Strichen darin. Von diesem abgehend führt ein krakeliger, roter Strich in Richtung des linken Bildrands. Durch die Kritzeleien in der Farbe wirkt alles wild, stürmisch und aufgebracht.

In der oberen Bildhälfte ist vor dem weißen Hintergrund ein großer Schriftzug zu sehen, der dem Gemälde seinen Namen gibt. In zwei Zeilen steht dort in wilder, krakeliger, roter Schreibschrift: „Wilder Shores of Love“. „Wilder“ befindet sich in der ersten, „Shores of Love“ in der zweiten Zeile. Die Schrift verläuft leicht schräg. Am obersten Bildrand sind zusätzlich in kleiner Schrift die beiden Datierungen „August 29 1984“ in schwarz und „June 21 1985“ in rot zu sehen.

Bildquelle: cytwombly.info

Text: Mirjam Knes-Zierold

 

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100 Meisterwerke: 48. „Fly me to the Moon“ von Kiki Kogelnik

Fly me to the Moon

Kiki Kogelnik war eine österreichische Künstlerin, die zum Kreis der Pop Art Künstler um Andy Warhol gehörte. Obwohl sie ebenfalls mit Symbolen und ikonischen Figuren arbeitete und ähnliche Farben und Materialien benutzte, bezeichnete sie ihre Werke selbst nicht als Pop Art, da sie weniger Alltagsgegenstände abbildete und die amerikanische Kommerzkultur nicht verherrlichte. Trotzdem bestehen viele ihrer Plastiken aus künstlichen Materialien. In den frühen 1960er Jahren begann Kogelnik lebensechte Schablonen ihrer Künstlerfreunde aus Packpapier auszuschneiden, um sie anschließend auf die ihre Gemälde zu übertragen. Diese Schablonen wurden in den 1970er Jahren als die „Hangings“ zu eigenständigen Kunstwerken aus Vinyl, die auf Warenhausständern präsentiert wurden.

Zwei dieser Körperumriss-Schablonen wurden auch für „Fly Me to the Moon“ (dt: „Flieg mich zum Mond“) von 1963 benutzt. Es handelt sich dabei um ein großformatiges Gemälde im Hochformat von 244 x 185 cm mit Öl und Acryl auf Leinwand gemalt. Außer den beiden vermutlich weiblichen, lebensgroßen Körperumrissen in rostrot und hellgrün, die übereinanderliegend arrangiert sind, besteht das farbenprächtige Bild ausschließlich aus geometrischen Formen, überwiegend aus Kreisen in verschiedenen Größen und Farben. Dies hat zur Folge, dass sich die beiden Körperumrisse durch ihre organische Form deutlich von den geometrischen Formen absetzen.

Die beiden Körperumrisse befinden sich in der rechten Bildhälfte. Sie sind übereinanderliegend angeordnet. An die obenauf liegende, hellgrüne Körperform schließt sich anstatt des Kopfes ein pastellrosa Kreis an. Dieser liegt genau an der oberen Bildkante an und befindet sich fast in der rechten Ecke. Der Körper ist leicht schräg ausgerichtet, sodass das rechte Bein in Richtung untere linke Bildecke zeigt. Aufgrund der lebensgroßen Dimensionen nehmen die Körper etwa drei Viertel der Bildhöhe ein. Bei der darunter liegenden, rostroten Figur ist der Kopf nicht zu sehen, da dieser sich genau unter dem Brustbereich der grünen Figur befindet. Wärmend der obere Körper sich in einer entspannte Rückenlage mit leicht geöffneten Beinen und Armen befindet, ist die untere Körperform asymetrisch ausgerichtet. Die linke Körperhälfte verläuft parallel zur grünen Figur, die rechte Körperhälfte dagegen hat einen Arm mit nach oben angewinkeltem Ellenbogen und ein angewinkeltes Bein, dessen Knie nach Außen zeigt.

Der Hintergrund ist mit vielen kleinen, grauflächigen Kreisen gefüllt. Diese sind gleichmäßig in 21 horizontalen Reihen angelegt mit jeweils etwa  14 Kreisen pro Reihe. Das Grau ist in der oberen Bildhälfte heller und wird nach unten hin dunkler.

Neben den Körperumrissen und dem Hintergrund sind zwei weitere Elemente bestehend aus geometrischen Formen zu sehen: Zum einen ein Sechseck, das aus vielen kleinen Kreisflächen in kräftigen Farben (verschiedene Blau-, Grün- und Rot-Töne, sowie gelb und orange) besteht. Diese Kreise sind etwa halb so groß wie die grauen Kreise im Hintergrund. Das Sechseck nimmt das untere linke Viertel des Bildes ein. Die beiden linken Unterschenkel und Füße der Körperformen liegen darüber.

Das zweite Element ist ein ornamentartiges Band aus Dreiecken, Rechtecken, Kreisen, Streifen und ovalen Ellipsen. Es ist überwiegend aus puderig wirkendem, pastellenem Altrosa mit einigen gelben Elementen oben und einem dunkelroten Element in der Mitte. Das Band beginnt am oberen Bildrand in der linken Hälfte und verläuft parallel zu den Körperformen bis zur unteren linken Ecke. Es ist gemeinsam mit den Körperumrissen auf der obersten Bildebene und liegt über dem Sechseck. Nach unten hin entfernen sich die geometrischen Figuren immer weiter voneinander. Im unteren linken Bildviertel verteilt befinden sich außerdem einige pastellfarbige Kreise in verschiedenen Größen.

Bild und Hintergrundinfo: modernartoxford.org

Text: Mirjam Knes-Zierold

 

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100 Meisterwerke: 21. „Rothko Chapel“ von Mark Rothko

Innenansicht der Rothko Kapelle

Bei der Rothko Chapel handelt es sich um eine konfessionsübergreifende Kapelle in Houston, Texas, die von den Kunstsammelnden John und Dominique de Menil gegründet wurde. Das Innere dient nicht nur als Kapelle, sondern ist auch ein bedeutendes Werk moderner Kunst. An den Wänden hängen insgesamt 14 abstrakte, großflächig schwarze Gemälde des Künstlers Mark Rothko. Die Oktogonform des Gebäudes und das Design der Kapelle wurden hauptsächlich von dem Künstler entworfen, der ab 1964 von den de Menils dazu beauftragt wurde. Rothko erlebte die Fertigstellung der Kapelle 1971 allerdings nicht mehr, da er im Februar 1970 Selbstmord beging. Rothko gilt als bedeutender Vertreter des abstrakten Expressionismus und der Farbfeldmalerei.

Das Innere der Kapelle ist äußerst kühl und sachlich gestaltet. Die Farbgestaltung bewegt sich zwischen Braun –und Grautönen bis Schwarz. Anders als in den meisten Kirchen, befinden sich keine verzierten Ornamente,  Heiligenbilder oder ähnliches in der Kapelle. Abgesehen von vier Sitzbänken ohne Rückenlehne gibt es keine weiteren Einrichtungsgegenstände wie Taufbecken oder Altar.

Auf dem dunkelgrau, wahrscheinlich gefliesten Steinboden stehen in einem weitläufigen Viereck angeordnet die erwähnten vier kargen Bänke aus dunkelbraun lackiertem Holz. Da sie eine Leiste haben, die parallel zur Sitzfläche verläuft, wirken die Bänke wie schmale, rechteckige Holzrahmen.

An den weißen, über 4 Meter hohen Wänden des achteckigen Raums hängen riesige schwarz bis schwarzlila Bilder Rothkos, die fast die gesamten Wandflächen bedecken. In dem dieser Beschreibung zugrunde liegenden Foto  sind drei von Rothkos Gemälden zu erkennen. Sie sind alle schwarz mit einem Lilastich.

Das größte dieser Gemälde ist vom Betrachtenden aus gesehen am weitesten entfernt, nämlich an der gegenüberliegenden, um etwa einen Meter nach hinten versetzten Wand. Es besteht aus drei gleich großen Teilen, wovon der mittlere mehr lila als schwarz ist. Es sind keine klar abgetrennten Muster erkennbar. Von Weitem sieht es aus wie breite Längsstreifen, die fließend ineinander übergehen. Links und rechts von diesem Triptychon an den angrenzenden Wänden hängen zwei identisch große Bilder, die im gleichen Farbton gehalten sind. Sie sind schmaler als das dreiteilige in der Mitte. Die Schatteneinwirkung der Bilder ändert sich leicht je nach Lichteinfall.

Über den Wänden führt die konisch zulaufende Rauhputzdecke, die sich farblich markant von dem Weiß der Wände abhebt, zu einem schwarz verkleideten Oberlicht, das die einzige Lichtquelle im Inneren der Kapelle zu sein scheint und ein bleiches Licht in den Raum wirft. Neben den beiden kleineren Gemälden sind am rechten und linken Bildrand die Eingänge ins Innere der Kapelle als zwei Einbuchtungen in den Wänden zu sehen.

Die Kapelle dient nicht nur als Gebetsraum für Anhänger aller Religionen, sie wird auch für Aufführungen und als Tagungsort für Menschenrechtsversammlungen genutzt. Sie war die erste Kirche ihrer Art wodurch sie internationale Berühmtheit erlangte.

Bildquelle: www.markrothko.org

Text: Stef

 

 

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100 Meisterwerke: 3. „Das Schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch

Das schwarze Quadrat

Bei dem Gemälde „Das Schwarze Quadrat“ von Kasimir Malewitsch handelt es sich um ein mit Öl auf Leinwand gemaltes Bild im Format 79 xl 79 Zentimeter. Das Gemälde entstand im Jahre 1915 und gilt als Initialwerk des Suprematismus, einer Kunstrichtung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Russland entstand. Der Suprematismus gehört zur Moderne und behielt seine Geltung bis zum Anfang der 1930er Jahre. Innerhalb der bildenden Kunst wird den Suprematisten eine Ideologie der Gegenstandslosigkeit zugeschrieben. Heute befindet sich das Gemälde in der Tretjakow-Galerie, einem staatlichen Kunstmuseum in Moskau.

Das Werk wurde erstmals 1915 in einer futuristischen Ausstellung in St. Petersburg präsentiert. Umgeben von anderen Werken Malewitschs war es an der höchsten Stelle einer Raumecke mit der Bildfläche leicht schräg nach unten angebracht. Diese Entscheidung wurde von vielen Besuchern als Sakrileg angesehen, da die „Gottesecke“ traditionell religiösen Werken vorbehalten war.

Allgemein werden Malewitschs Werke als „sachlich“ beschrieben und alle von ihm verwendeten Formen leiten sich aus einem Quadrat ab. So auch, wie der Titel schon sagt, „Das Schwarze Quadrat“.

Das Schwarze Quadrat, das die Bildmitte füllt, ist umrandet von einem weißen Rahmen, der ungefähr ein Fünftel der Breite des schwarzen Vierecks ausmacht. Bei dem Weiß des Rahmens handelt es sich nicht um ein homogenes, gleichmäßiges Weiß. Es mutet vielmehr wolkenartig an, es sind kleine graue Tupfen zu sehen, am oberen linken Rand zwei kleine unverbundene vertikale bis diagonale graue Striche, am unteren Rand, links der Bildmitte, sieht man einen winzigen Teil, der aussieht wie beigefarbene Bläschen, die zusammen eine ovale Form bilden.

Auch das schwarze Quadrat, dessen Seiten nicht exakt parallel sind, besteht nicht aus einer opaken und gleichmäßigen schwarzen Fläche. Es weist besonders in den oberen zwei Dritteln, ein paar Zentimeter von seinem Rand hin zur Mitte, eine intensive Craquelée auf. Craquelée bezeichnet ein maschenartiges Netz aus unterschiedlich kleinen Rissen und Sprüngen, das hier die oberste, schwarze Schicht des Quadrats durchzieht. Die Risse und Sprünge sind zum größten Teil weiß oder lassen zumindest weiß durchschimmern. Durch die Craquelée im mittleren Drittel in der linken Hälfte und am unteren Rand schimmert auch ein Rostbraun durch. Die Craquelée im unteren Drittel nimmt nicht die ganze Fläche des unteren Drittels ein, sondern besteht aus drei einzelnen Formen unterschiedlicher Größe, die fast als rechteckig angesehen werden können und miteinander nicht verbunden sind, von denen die linke und die rechte aber mit der großen Craquelée-Fläche der oberen zwei Drittel verbunden sind. Die linke Fläche ist niedriger, breiter und quadratischer, die rechte höher, länger und rechteckiger. Beide sind prägnanter als die Craquelée-Fläche in der Mitte.

Insgesamt sieht die ganze Craquelée mit ihren äußeren Umrissen für mich aus wie ein stilisiertes Rind, das den Kopf rechts oben hat, dessen Körper sich bis zum linken Rand erstreckt und das unten links ein kurzes breites Hinterbein und unten rechts ein langes dünnes Vorderbein besitzt.

Das gesamte schwarze Quadrat hat hellere und dunklere Stellen, die Farben gehen von tiefschwarz über grau bis hin ins fast Bläuliche und Grünliche. Am äußeren Rand des rechten Drittels, an einer Stelle ohne Craquelée, findet sich auf halber Höhe eine Stelle, die wie eine graue Wolke aussieht. Eine ähnliche Farbe findet sich links oben, dieses Mal aber von Craquelée durchzogen. Zwischen der Stelle, die ich als „Hinterbein“ bezeichne und der weniger prägnanten und kleineren Craquelée befinden sich hellgraue Tupfer, die einen Viertelkreis bilden.

Craquelée entsteht durch Alterungsprozesse oder wie in diesem Fall, wenn eine Farbschicht unter der obersten Farbe noch nicht ganz getrocknet ist, bevor die oberste Schicht aufgemalt wird. Die Trocknungsprozesse führen dann zu Rissen in der obersten Farbe, wodurch darunterliegende Farben durchschimmern. Von Malewitsch war das so angelegt, als er ein bereits fast fertig gestelltes Bild mit dem weißen Rahmen und dem schwarzen Quadrat übermalte. In späteren Untersuchungen wurde herausgefunden, dass es sich sogar um zwei übermalte Bilder gehandelt haben muss. Dieser Entstehungsprozess erklärt, warum zahlreiche Farben durch das Schwarz scheinen – je länger man das Bild betrachtet, desto mehr Farben, Konturen, Formen, Dimensionen, Struktur, Pinselstriche und -führung werden erkennbar.

Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass es über einen PC-Monitor recht schwer ist, das Gemälde gebührend zu beschreiben. Je nach Monitoreinstellungen kann es sein, dass ich andere Farben gesehen und andere Formen bemerkt habe, als wenn ich direkt vor dem Original gestanden hätte (was kurzfristig leider nicht ging, da es sich ja in Moskau befindet). Auch wird das Gemälde je nach Belichtung, Kamera, Nachbearbeitung etc. an den verschiedensten Stellen im Internet unterschiedlich dargestellt.

Text: Stef

Bildquelle: Wikimedia

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