Archiv der Kategorie: Sonstiges

OSTRALE – 11. Internationale Ausstellung Dresden mit Audio Guide

Geöffnet: 28.7. – 01.10.2017

Die OSTRALE – Biennale ist die drittgrößte Ausstellung für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Sie ist keine Verkaufsausstellung per se, was uns die Freiheit gibt, abseits des Marktgeschehens gesellschaftlich relevante Themen zu diskutieren. Die Leitgedanken der OSTRALE wie friedlichem Miteinander, Akzeptanz des Fremden/ Unbekannten, respektvollem Umgang miteinander, religiöser Vielfalt, Internationalität spiegeln sich in den Ausstellungen stetig wieder.

[…]

Begleitend zur Ausstellung bieten wir ein umfangreiches Rahmenprogramm (Musik, Tanz, Performance, etc.) an. Die barrierefreie Infrastruktur, eine Blinden- und Hörgeschädigten-APP sowie gezielte Workshops mit spezieller Zielgruppenbeteiligung ermöglichen eine soziokulturelle Beteiligung.

Kunst für alle Sinne erfahrbar machen

Die OSTRALE hat in diesem Jahr eine APP (AllSense-App) programmieren lassen, in der Sehbehinderte Menschen die Kunstwerke der diesjährigen OSTRALE Ausstellung für zeitgenössische Kunst erleben können.

Audioguide, Beschreibungen, Leitsysteme vor Ort. Erleben Sie 27 Kunstwerke der OSTRALE Biennale 2017 in einer Tour: Hören, Fühlen, Tasten, Riechen. Ein Leitfaden für Blinde, Sehende und alle, die im Dunkeln besser sehen und wahrnehmen lernen wollen. Auf der OSTRALE täglich außer Montag von 11 bis 19 Uhr.

Willkommen unter Gleichen – Wahrnehmung einer anderen Sicht. Kunst für die weiteren Sinne.“

(Quelle: Katja Siepmann, Marketing, Schneider + Partner GmbH)

(Quelle: www.ostrale.de/de/OSTRALE/Biennale-2017.html)

 

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Abstimmen für das Projekt „Platz Da!“ noch bis 18. August.

Hallo Leute,

unser Projekt „Platz da!“ hat es in die erste Runde vom Social Impact Lab geschafft! Falls wir unter die ersten 15 kommen, kriegen wir Know-How-Förderung, und Beratung. Das wäre eine große Hilfe für die Weiterführung des Projekts. Bis zum 18. August könnt ihr unter folgendem Link für uns abstimmen:

https://voting-socialimpact.eu/Startery_Professional_Juli_2017

Dort ist eine Liste aller beteiligten Projekten. Ihr müsst recht weit runterscrollen, um zu dem Projekt zu kommen. Leider ist die Liste nicht nach der Höhe der Stimmen sortiert. Wenn ihr den Namen anklickt, gibt es auch weitere Infos zum Projekt. Unter dem Namen ist ein Button zum Abstimmen mit der aktuellen Stimmzahl.

Nach dem anklicken müsst ihr noch eure E-Mailadresse angeben und die AGB akzeptieren.

Was ist „Platz da?“

Wir sind fünf Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen (z.B. lind, Taubblind, Schwerhörig, Körperliche Einschränkung, Lerneinschränkung), die mit den unterschiedlichsten Kunstformen arbeiten (z.B. Fotografie, Lyrik, Tanz, Modeschmuck)

Wir organisieren Kunst-Vermittlung in der NGBK – Neue Gesellschaft für bildende Kunst. Dort zeigen wir den Besucher’innen in selbst gewählten Formaten unsere Sicht auf die Kunstwerke und Ausstellungen. Initiiert und geleitet wird das Projekt von Stefanie Wiens. Sie hat schon mehrere Arbeiten zum Thema inklusive Kunst im Museum für alle geschrieben und unterstützt uns aus fachlicher Sicht bei den Vermittlungs-Angeboten.

Wer mehr wissen will kann unseren Blog besuchen:

https://platzda2017.tumblr.com/

Wir sind auch bei Facebook und auf der seite der NGBK zu finden.

Also, ran an die Tasten!

Stimmt ab für Platz da! Noch bis 18. August.

Viele Grüße und danke für eure Unterstützung,

Katrin Dinges

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„Shot in the Dark“: „Untitled“ von Bruce Hall, 2010

Dieses Bild wurde im Rahmen einer Ausstellung zur Filmpremiere des Dokumentarfilms „Shot in the Dark“ in der Brotfabrik Berlin gezeigt. Der Text stammt aus dem großartigen Audio Guide zur Ausstellung.

Schreiender Junge

Blick von oben auf einen Jungen, der mit weit geöffnetem Mund aus seinen großen blauen Augen schräg nach oben guckt. Das Bild ist unterhalb seines schmalen Oberkörpers abgeschnitten.

Die Arme des Jungen sind angewinkelt, fast als ob er rennen würde, der Oberkörper ist nackt. Seine linke Hand ist geöffnet, die rechte leicht verkrampft.

Im Hintergrund unscharf und verschwommen eine dunkelgrüne Wiese, auf der ein Ball mit leuchtend orangefarbenen Streifen liegt. Dahinter eine hohe erdbraune Wand, an der eine dunkelgraue Leiter lehnt. Aus all dem leuchtet im Vordergrund der helle Körper des Jungen hervor, eine Haltung wie im Sprung, der Mund geöffnet zum Schrei

Copyright: Bruce Hall, 2010, Originalmaße 60 x 40cm

 

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Platz da: Wir kreieren barrierefreie Kugeln!

Wir laden Euch herzlich ein in die Ausstellung Dreams&Dramas. Law as Literature um “Platz da!“ live zu erleben:

Samstag, 6. Mai 2017, ab 13 Uhr

Ort: NGBK – Neue Gesellschaft für Bildende Kunst Oranienstr. 25, 10999 Berlin-Kreuzberg

Barrierefreie Kugeln kreieren

Farben bestimmen unseren Alltag und unsere Identität. Das wissen auch Anka Benara und Arnold Estefan. Ihr fragiles Kugel-Kunstwerk „Jus soli – Right of Soil“ wird gerade in der Ausstellung „Dreams&Dramas. Law as Literature“ präsentiert. Die Künstler*innen trennten die Fahnen ihres Herkunftslandes Rumänien sowie die Flaggen der Geburtsländer ihrer Eltern auf und formten aus den Fäden bunte Kugeln. Darin vermischen sich nicht nur die Farben der Flaggen, sondern auch Geburtsort- und Herkunftsrecht. Ein spannendes Konzept, dessen Kunstwerk jedoch nicht angefasst werden darf und damit nicht für alle erfahrbar ist. Katrin Dinges, Künstlerin und Kunstvermittlerin, schaut sich mit den Besucher*innen weitere Fahnen an: Was machen deren Farben mit uns? Wie beeinflussen sie unsere Identität? Anschließend entstehen in einem kreativen Teil eigene (Kugel-)Kunstwerke, die alle anfassen dürfen.

Begrenzte Teilnehmer*innenzahl. Anmeldung unter kunstvermittlung@ngbk.de <mailto:kunstvermittlung@ngbk.de>

 

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Die Wundertüte der Fotografie: Interview mit Nina Kock

Gestapelte Tassen und aufrecht stehendes Besteck vor schwarzem Hintergrund

Tassentanz

Erzähle uns etwas über dich

Ich bin Nina, leidenschaftliche Bloggerin „gesunde360grad.de„, Gesundheitsmanagerin, Referentin für medizinische Themen, Physiotherapeutin und Sport- und Gymnastiklehrerin. Nicht nur beruflich mag ich es gerne bunt gemixt. Auch in meiner Freizeit entdecke ich gerne Entspannungsformen, gesunde Lebensmittel, diverse Sportarten sowie nahe und ferne Länder und Kulturen. Außerdem liebe ich das Schreiben, Filmen und Fotografieren! Auf meinem Blog kann ich all meine Interessen und Leidenschaften kombinieren und in Interaktion mit Lesern und anderen Bloggern kommen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, bei einem Fotografieworkshop für blinde und sehende mitzumachen?

Ich bin durch Odile, eine Freundin, die an dem Tag auch Dozentin war, auf den Workshop gestoßen. Sie hat mir einen Link dazu geschickt und ich war zunächst verwundert, dass nicht sehende Menschen Interesse an der Fotografie haben. Genau der Aspekt „das Ungewohnte“ hat mich sehr interessiert. Ich wollte mehr erfahren, die Umsetzung und Idee hinter dem Projekt kennenlernen. Spannend fand ich auch die Idee, einmal in die Welt der nicht sehenden einzutauchen und mit verdunkelten Brillen oder im Dunkeln zu fotografieren. Somit konnte ich mir, auch wenn nur annähernd, ein Gefühl davon verschaffen, wie vielleicht das Fotografieren für nicht sehende ist. Ich erinnerte mich an die Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ in Hamburg. Wie auf einmal andere Sinne geschärft werden, wenn es ganz dunkel ist. Ich fand es spannend in einem Team mit sehenden und nicht sehenden Menschen zu arbeiten.

Wie verlief der Workshop?

Wir haben uns in zwei große Gruppen aufgeteilt. Ich war in Odiles Gruppe. Unsere erste Aufgabe war es, uns einen Partner zu suchen und zu zweit durch die Hamburger Zentralbibliothek zu gehen um zu fotografieren. Wenn beide Partner sehend sind, sollte einer eine verdunkelte Brille aufsetzen. Ich unterstützte Thomas bei der Fotografie während er die Brille trug. Ich ließ ihm so viel wie möglich Freiraum und versuchte rein mit meinen Worten zu unterstützen. Da ging es in erster Linie um die Kameraeinstellungen, aber auch um die Raumorientierung. Gerne hätte ich die Rollen gewechselt, jedoch war die Zeit begrenzt.

Wie war es einem Fotografen mit verbundenen Augen zu assistieren?

Thomas ist sehend, er hatte eine verdunkelte Brille auf. Ich fand es zunächst nicht ganz einfach ihm Unterstützung rein durch Worte zu geben, gewöhnte mich aber daran. Es war eine spannende Herausforderung für mich. Ich wollte ihm die größte Freiheit lassen und habe z.B. auf taktile Reize verzichtet.

Und wie einfach oder schwer viel es dir die entstandenen Bilder anschließend zu beschreiben?

Bei der Bildbesprechung merkte ich auch, dass ich bei der Beschreibung meine Gestik stark einbinde. Auch hier bestand eine Herausforderung rein durch meine Worte den nicht sehenden Personen die Fotos zu beschreiben.

Wie lief der Light Painting Teil des Workshops ab?

Wir gingen in einen verdunkelten Raum. Viele stellten ihre Stative auf, um im Dunkeln die Belichtungszeit lang und das Foto verwacklungsfrei zu bekommen. Mein Stativ hatte ich nicht dabei. Ich musste somit ein wenig improvisieren und stapelte einige Holzboxen. Zunächst setzte sich Thomas in die Mitte und verschiedene Personen leuchteten mit Taschenlampen um ihn herum.

Danach bauten Odile und ich eine Kulisse auf. Wir nahmen Dinge, die sich in dem Raum befanden. Mir bringt es riesigen Spaß so ein kleines Set aufzubauen. Das mache ich speziell im Bereich Food-Fotografie für meinen Blog regelmäßig. Dabei war mir wichtig, dass die Gegenstände in einer eher ungewöhnlichen Aufstellung positioniert werden. Odile nahm die Tassen aus dem Regal und stapelte sie. Ich klemmte die Wäscheklammern an die Untertassen und legte einen knallroten Teelöffel in die oberste Tasse. Kunterbunte Buntstifte steckte ich in unterschiedlichste Gläser. Das Set war in einigen Sekunden aufgebaut. Odile bewegte das Licht der Taschenlampe um das Set. Das Bild entstand als sie die Taschenlampe vertikal herauf und herunter führte.

Bist du zufrieden mit euren Bildern?

Ich bin sehr zufrieden mit den Fotos. Von vier Fotos bin ich begeistert, u.a. von diesem Foto. Meine Aussage über dieses Bild: „Das Leben ist nicht vorhersehbar, es ist eine bunte Wundertüte voller Überraschungen“

Ich hatte keine speziellen Erwartungen oder Vorstellungen wie das Foto aussehen wird. Und das ist für mich eher untypisch. Fotografiere ich bspw. Food für meinen Blog, ist es mir besonders wichtig wie alles positioniert ist, da bin ich meist perfektionistisch. Es sollen Unschärfen zu sehen sein und die Farben zusammenpassen. Diesen Anspruch hatte ich nicht. Mir war es schon wichtig, dass Farben und Gegenstände zu sehen sind. Ich ließ mich aber eher überraschen wie die Wirkung im Dunkeln in Verbindung mit dem Lichtstrahl der Taschenlampe ist.

Was hast du für dich vom Workshop mitnehmen können?

Ich habe gelernt, dass es bei der Fotografie auch einmal spannend ist, wenn nicht alles vorhersehbar ist und es auch Spaß bringt, sich überraschen zu lassen. So können wunderschöne und skurrile Fotos mit den wunderschönsten Farben entstehen oder halt auch nicht – so wie das Leben halt auch ist, mal läuft es gut, mal nicht so gut.

Ich möchte auf jeden Fall weitere Experimente im Bereich der Fotografie machen, speziell auch mit Lichteffekten im Dunkeln.

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Blind Fotografieren: ein Skurriles Hobby? – Interview mit Susanne Aatz

Eine große Hundefote auf Tepichboden

Erzähle uns etwas über dich und deinen Bezug zu Fotografie:

Mein Name ist Susanne Aatz. Ich bin 42 Jahre alt und praktisch blind. Das bedeutet: ich habe einen kleinen, verwertbaren Sehrest, bin aber einer komplett blinden Person gesetzlich gleichgestellt. Mein Sehen umfasst die Wahrnehmung von Umrissen, Farben und unscharfen Strukturen. Ein klassisches Augenmaß besitze ich nicht. Ich kann keine Entfernungen abschätzen. Mein Rest-Sehen hat sich im Laufe meines Lebens verschlechtert, ist aber zur Zeit erfreulich stabil. Ich kann im Nahbereich mit Lupe lesen, habe aber kaum Ausdauer. So arbeite ich z. B. am PC mit Mischtechniken, wie Brailleausgabe, Sprachausgabe und ein wenig am Bildschirm.

Als die ersten Digitalkameras aufkamen, begann ich mit dem Fotografieren. Ich konnte ja einfach ausprobieren, da ich keine Filme mehr kaufen und entwickeln lassen musste. Es waren vor allem meine Hunde, die ich gerne in Bild und auch in Ton festhalten wollte. Ich wollte, wenn ich mich einmal von meinen Hunden trennen muss, Fotos und andere Dokumente zur Erinnerung haben.

Wie reagieren deine Mitmenschen auf dich als blinde Fotografin?

Im ersten Moment habe ich überlegt, ob ein Fotoworkshop für Blinde und Sehende wirklich was für mich ist. Ich mag manche Diskussionen und Fragen nicht, weil sie ständig gestellt werden. Z. B. „Bist Du schon von Geburt an so?“ „Kann man da nichts machen?“ usw. Mittlerweile habe ich eine deutliche Aversion auf solche Fragen. Hinzu kommt oft das Unverständnis. Manche Leute können nicht verstehen, dass jemand schlecht oder nichts sieht, trotzdem oder auch gerade deswegen fotografiert und das, was hinterher auf den Bildern ist, nur teilweise oder gar nicht sehen kann. Die Leute glauben, dass ich das, was ich fotografiere auch komplett gesehen haben muss. Manche haben schon geglaubt, ich wäre nicht blind.

Andere sind fasziniert, weil ein Foto gut getroffen ist und mir jemand hinterher erzählt, was ich da fotografiert habe. Sie glauben an übersinnliche Fähigkeiten und an Wunder. Beides ist totaler Quatsch!

Als ich dann mitbekam, dass ein Vollblinder als Referent teilnahm, den ich ein bisschen kenne, habe ich meinen Mut zusammengenommen. Ich verfüge über keine hochwertige Ausrüstung und habe wenig Ahnung von Fotografietechnik. Eigentlich gar kein. Ich wüsste z. b. nicht, wie ich eine Kamera manuell einstellen muss. Mit meinen wenigen Vorerfahrungen habe ich mich geschämt und gedacht, ich bin zu „dilettantisch“ für den Workshop. Und ich möchte mich nicht rechtfertigen, warum ich, obwohl ich schlecht sehe fotografiere. Diese Scham musste ich dann erst einmal überwinden.

Wie lief der Fotoworkshop für blinde und sehende Menschen insgesamt ab?

Nach einer Einführung haben wir in Kleingruppen mit zwei oder drei Leuten gearbeitet. Nach Möglichkeit war eine Person blind oder Sehbehindert, die anderen Sehend. Da wir nicht so viele blinde Leute in der Gruppe hatten, haben wir uns in Dreiergruppen zusammengefunden. Wir sind durch die Hamburger Zentralbücherei gelaufen und haben verschiedene Motive, oft zufällig ausgewählt. So habe ich oft Dinge Fotografiert, die ich nicht gut erkennen konnte. Manches auch einfach aus Neugierde. Z. B. wie sieht eine brennende Lampe von unten aus, wenn sie fotografiert wird? Ich habe auch meinen Blindenführhund häufiger fotografiert, der immer dabei gewesen ist.

Wie funktionierte die Zusammenarbeit in der Gruppe?

Für meine sehenden Kolleg_Innen war die Frage spannend, wie es möglich ist, ohne zu sehen zu fotografieren. So haben wir ausprobiert, ob meine beiden Mitstreiter_Innen auf „Zuruf“ mit geschlossenen Augen fotografieren konnten. Ob sie überhaupt mit geschlossenen Augen hören, wohin sich z. B. ein redender Mensch bewegt. Ich habe sehr viele Fragen beantwortet.

Also gab es einen kreativen Austausch zwischen blinden und sehenden Teilnehmern?

Für mich selbst war ein schönes Ergebnis, dass meine Beiden Kolleg_Innen anfingen häufiger andere Sinne „sprechen“ zu lassen. Sie haben es als Bereicherung und als Aha-Effekt erlebt, dass bei der Motivwahl auch die Ohren und die Nase mitentscheiden können.

So stand für mich als Ergebnis der positive Austausch im Vordergrund. Die Fotografie ist für mich eine Annäherung an einen Sinn der mir manchmal fremd ist, wegen dem ich aber auch häufig ausgegrenzt oder blöd behandelt werde. Das hat beim Workshop zum Glück wirklich keiner gemacht. Für meine eigene fotografie habe ich nicht so viel mitgenommen, außer das Interesse Handwerkszeug zu lernen und mir vielleicht wirklich doch eine gute Kamera zu kaufen.

Was hast du aus dem Workshop für dich mitgenommen und wirst du weiter fotografieren?

Ich werde auf alle Fälle weiter fotografieren, Es gibt viele Motive, die ich gerne fotografiere. Und die Kamera wird manchmal auch zum Hilfsmittel. Die im Workshop entstandenen Bilder sind sehr zufällig und gefallen mir nicht so wirklich. Ich habe schon schönere Fotos gemacht.

Aber ich habe gelernt, dass ich mich nicht schämen muss, als fast blinde Frau ein „skurriles Hobby“ zu haben und dass ich nicht fürchten muss als „Simulantin“ abgetan zu werden, weil ich mich an einem Sinn versuche, der mir nur zu kleinsten Teilen zur Verfügung steht. Die Geduld die „üblichen Fragen“ zu beantworten, bis das Gespräch andere Formen annimmt, muss ich auch oft genug haben, obgleich es oft unangenehm ist, wie das 8. Weltwunder ausgefragt zu werden. Ich bin oft unfreiwillig Mittelpunkt des Gespräches, wenn ich selbst Fragen hätte, die ich dann oft nicht stellen kann, weil kein Raum dafür ist.

Was fotografierst du und woher nimmst du deine Inspirationen?

Das ist relativ einfach beantwortet. Neben Erinnerungen, die ich mir auf dem Großbildschirm anzeigen lassen kann, fotografiere ich auch Dinge, weil ich sie nicht sofort erkennen und zuordnen kann. Manchmal sind es aber auch akustische Eindrücke, die mich inspirieren. Z. B. Meeresrauschen, der Wind in den Bäumen, ein Wasserfall. Ich schaue mir die Bilder hinterher an, lasse sie mir beschreiben und manches, was mit Text daherkommt, wird auch über die Texterkennung geschickt. Gedruckte Schrift kann ich mir so gut von meinem Smartphone vorlesen lassen.

Ich fotografiere auch Situationen, die in mir gute Gefühle auslösen. Das ist z. B. am Strand der Fall, oder dann, wenn mein Hund frei läuft und spielt. Hier empfinde ich mit den Motiven eine positive visuelle Ästhetik.

Wie war es für dich mit sehenden Fotografen zusammen zu arbeiten??

Das war auf jeden Fall lehrreich. Ich habe etwas darüber gelernt, wie „Sehende“ sehen. Dass die Wahrnehmung sehr selektiv und gefiltert ist. Da wo ich darauf angewiesen bin, meinen Sehrest auszuschöpfen und möglichst viel sehr gezielt wahrzunehmen, ergänzt die „dumme Kamera“ für mich die ungefilterten und ungenauen Eindrücke. Sehende filtern mehr bevor sie ein Foto aufnehmen. Ich analysiere das Ergebnis im Detail hinterher.

 

 

 

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Teilnehmer für Fotografische Projektarbeit gesucht

Diese Anfrage erreichte uns über eine Mailingliste. Die Arbeit klingt nach einem spannenden Fotoprojekt. Eine gute Möglichkeit sich über Fotografie auszutauschen. Bei Interesse bitte kommentieren oder an picdesc@gmail.com schreiben und wir stellen den Kontakt her.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mein Name ist Nora Börding, ich bin 22 Jahre alt und mache momentan eine Ausbildung zur Fotografin am Lette-Verein in Berlin. Im Laufe dieser Ausbildung steht es uns als Schülern frei, pro Semester eine fotografische Arbeit anzufertigen, in der wir uns mit einem Thema unserer Wahl beschäftigen können. Da ich schon immer eine Faszination gegenüber Blinden empfunden habe und zutiefst beeindruckt bin, wie diese ihren Alltag organisiert bekommen, würde ich mich sehr gerne mit diesem Thema auseinandersetzen. Am liebsten würde ich mich fotografisch mit dem Alltag einer Jugendlichen auseinandersetzen, da ich glaube, dass die engste Bindung entstehen kann, wenn man sich im selben Lebensabschnitt befindet. Es ist mir sehr wichtig, das Leben als Blinder nachvollziehen zu können.

Um die Situation besser zu verstehen, habe ich bereits einen Selbstversuch gemacht und bin für 2 h blind mit Hilfe eines Freundes durch Berlin gefahren. Sollte es mir ermöglicht werden, mein Projekt durchzuführen, würde ich gerne für 2 Tage den Selbstversuch wiederholen, um besser nachzuvollziehen, wie es ist, wenn man nichts mehr sieht.

Es ist mir wichtig, die Person und ihr Leben wahrheitsgetreu zu portraitieren. Gerne würde ich auch Ideen der Person in meine Arbeit einfließen lassen – so dass es zu einem gemeinsamen Projekt wird.

Ich denke, dass ich als Kamera eine analoge Kleinbild – oder Mittelformatkamera verwenden werde. Auch ich werde also die Fotos erst sehen können, wenn sie fertig entwickelt sind. Als Endausstellung wird es entweder zu einem Buch oder aber zu gerahmten Prints kommen. Ich habe hierzu noch keine ausgereifte Vorstellung, da sich die Präsentationsform meist erst im Zuge der Arbeit zeigt. Es ist mir wichtig, dass alle Texte und Erklärungen und eventuell Bildbeschreibungen sowohl in Blindenschrift, als auch in normaler Schrift zu lesen sind.

Mit freundlichen Grüßen,

Nora Börding

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