Archiv der Kategorie: 100 Meisterwerke

100 Meisterwerke: 66. „Der Kuss“ von Gustav Klimt

Der Kuss

Gustav Klimt‘s „Der Kuss“ ist ein Ölgemälde im Jugendstil auf einer Leinwand in der Größe 180cm x 180cm. Es entstand 1908/1909 in Klimt‘s „Goldener Periode“ und steht heute im Belvedere Museum in Wien.[1]  Der Hintergrund des Bildes ist in einem bräunlich-gräulichem Ton gehalten, der von ganz kleinen gelben Punkten durchsäht ist und an einigen Stellen dunklere Schattierungen aufweist.

Auf dem Bild ist ein umschlungenes Liebespaar auf einer Blumenwiese zu sehen. Die Blumenwiese beginnt auf der linken Seite des Bildes und verläuft schräg nach rechts oben, wo sie bei etwa drei viertel der Bildbreite abschließt und mit einer leichten Welle zum unteren Bildrand verläuft. Auf der linken Seite nimmt die Blumenwiese ungefähr ein Viertel der Gesamthöhe des Bildes ein und nach dem Abschluss der Steigung dann ein Drittel der Gesamthöhe. Die Blumenwiese besteht aus vielen blauen, gelben und lilafarbenen Blumen, wobei die lilafarbenen Blumen größer sind als die anderen. Bei ihnen könnte es sich um Tulpen handeln und bei den anderen um Stiefmütterchen, was durch die ungenaue Zeichnung allerdings nicht so leicht zu beurteilen ist. Vereinzelt sind auch rot-bräunliche Tupfer zu sehen.

Die verschiedenen Grüntöne der Stiele und Blätter dominieren die Blumenwiese auf der linken Seite. Mittig dominieren die Blüten, vor allem die lilafarbenen, die in diesem Bereich der Wiese nicht nur in geschlossener Form zu sehen sind, wie auf der linken Hälfte der Wiese, sondern hauptsächlich in offener Form mit einem gelben Blütenstempel und einem schwarzen Punkt darin. Die rechte Seite der Wiese ist übersäht von gelbgoldenen Schlieren, die aus dem Gewand des Liebespaares bzw. nur aus dem Teil der Frau herabfallen und sich in Form von ganz vielen kleinen gelbgoldenen Dreiecken an dünnen Schnüren über diesen Teil der Wiese legen.

Das Liebespaar steht bzw. hockt mittig im Bild auf der Blumenwiese. Links ist der Mann zu sehen, der dem Anschein nach steht. Sein Teil des Umhangs geht bis hinunter zur Wiese und bedeckt, vom Hals ab, seinen kompletten Körper, einschließlich der Füße. Er hat auf dem gelbgoldenen Untergrund diverse Rechtecke in verschiedenen Farben und Größen. Es handelt sich dabei um weiße Rechtecke mit schwarzer Umrandung, schwarze Rechtecke mit weißer Umrandung, graue, schwarze, weiße und braune Rechtecke mit und ohne Umrandung. Außerdem unterscheiden sie sich in ihrer Länge und Breite. Von kleinen schmalen Rechtecken bis hin zu großen breiten Rechtecken ist alles dabei. Hinzu kommen winzige Quadrate in den selben Farbmustern und ein paar ganz kleine weiße Kreise mit schwarzen oder grauen Punkten darin. Dabei liegen stets zwei oder drei dieser Kreise senkrecht übereinander.

Der Mann hält die Frau fest umschlungen mit beiden Händen um ihren Hals und Kopf. Von ihm sind fast ausschließlich sein langer breiter Hals und der Hinterkopf zu erkennen. Seine Haare bedecken die Ohren und reichen fast bis zum unteren Teil des Gesichts. Sie sind schwarz und gewellt mit ein paar grünen Blättern darauf. Bei näherem Hinsehen könnte es sich um einen Haarkranz handeln. Sein Gesicht ist kaum zu erkennen. Lediglich sein rechtes Profil ist angedeutet dargestellt. Sichtbar sind eine dunkle breite Augenbraue und eine relativ groß wirkende Nase. Die Wange wirkt eingezogen, so wirkt es trotz der nicht sichtbaren Lippen, als würde er die Frau auf die Wange küssen.

Der Kopf der frau liegt im rechten Winkel auf ihrem Hals auf, angelehnt auf ihre linke Schulter. Ihr rechter Arm greift um den Hals des Mannes, ihr linker Arm ist angewinkelt nach oben und umgreift mit der Hand die rechte Hand des Mannes. Der Mann berührt mit seiner rechten Hand die linke Wange der Frau und umgreift ihren Kopf mit der linken Hand, so dass seine Fingerspitzen neben ihrem linken Auge liegen. Durch seinen Kuss bedeckt er einen kleinen Teil der rechten Gesichtshälfte der Frau. Der Rest ihres Gesichts ist deutlich zu erkennen. Ihre Augen sind geschlossen. Es wirkt, als hätte sie leicht bläulichen Lidschatten aufgetragen. Es könnte aber auch sein, dass lediglich die Adern bläulich durch die dünne Haut durchschimmern, da die Frau viel blassere Haut hat als der Mann und ihre Nasenpartie auch leicht bläulich erscheint. Ansonsten hat sie eine gerade Nase, rote Wangen und geschlossene rote Lippen. Ihre Augenbrauen sind weder breit noch schmal. Sie sind bogenförmig und in einem dunkleren Braunton als ihr Haar. Dieses ist rotbraun und voluminös, allerdings in der Struktur schwer zu erkennen. Es sieht aus, als hätte sie einen durchgehend breiten Kranz um, der in der unteren Hälfte aus blauen und weißen Blüten mit kleinen grünen Blättern besteht und in der oberen Hälfte, gleich geformt, aus ihrem Haar, wobei in dem Haar vereinzelt auch die gleichen Blumen zu sehen sind.

Das Gewand der Frau ist verschmolzen mit dem Gewand des Mannes. Auf ihrer Hälfte sind jedoch weniger eckige Muster zu sehen, sondern mehr kreisförmige. Bis auf wenige kleine Quadrate im Oberarmbereich und winzige Fünfecke im Rumpfbereich, besteht der Hauptteil der Musterung aus verschiedenfarbigen Kreisen in unterschiedlichen Zusammenstellungen. Die Silhouette der Frau zeichnet sich trotz des einteilig wirkenden Gewandes ab. In diesem Bereich sind einzelne Kreise zu sehen, die mit einer dünnen blauen Umrandung den gelbgoldfarbigen Stoff umschließen und in ihrer Mitte einen braunen Punkt tragen. Des Weiteren sind vereinzelt weiße Kreise mit ebenfalls dünner blauer Umrandung zu sehen, die verschieden groß sind und mal einen kleinen grünen Punkt in sich tragen, mal einen größeren oder auch mal ausschließlich weiß sind. Am auffälligsten sind jedoch die insgesamt sieben bunten großen Kreise, die teilweise ganz, teilweise aber auch nur zum Teil abgebildet sind und aus vielen kleinen Kreisen bestehen. Bei zwei Kreisen überwiegt eindeutig der rote Farbton, bei den restlichen eher die blaue und grüne Farbe. Die einzelnen kleinen Kreise haben alle eine farbige Umrandung mit einem andersfarbigen Kern, wobei ungefähr die Hälfte der Kreise noch einen schwarzen Punkt in sich trägt. Die Farben Weiß, Gelb, Hellrot, Dunkelrot, Rosa, Lila, Grün und Blau wurden bei den Kreisen unterschiedlich kombiniert.

Der Teil des Gewandes der Frau, der nicht ihre Silhouette umgibt, sondern darüber hinausgeht, besteht ebenfalls aus runden Formen. In diesem Bereich sind es verschieden große Kreise, die mehrere Ringe in sich tragen, alle dünn gezeichnet, so dass die Kreise insgesamt einfarbig wirken, nämlich gelbgolden, in der Farbe des restlichen Gewandes. Die einzigen Farbakzente werden durch die zum Teil größeren und zum Teil kleineren Punkte im Inneren der Kreise gesetzt. Diese sind hauptsächlich rot, aber auch weiß und grau.

Im Gegensatz zum Mann, bei dem lediglich der Hals, der Kopf und die Hände nicht vom Gewand bedeckt sind, gibt es bei der Frau weitere sichtbare Hautpartien. Es handelt sich dabei um ihr linkes Schulterblatt, ein großer Teil des linken Ober- und Unterarms sowie ihre Unterschenkel und ihre Füße, die aus dem Gewand hervorgucken und durch ihre auf den Knien hockende Position, über den Rand der Blumenwiese hinausgehen.

Bildquelle: wikipedia.de

Text: Esther Khiveh

[1] https://www.wien.info/de/sightseeing/museen-ausstellungen/top/belvedere 23.04.2017 19:33

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100 Meisterwerke: 65. „Das Jüngste Gericht“ von Wassily Kandinsky

Das jüngste Gericht

„Das jüngste Gericht“ von Kandinsky ist ein Gemälde mit den Maßen von 30cm x 50 cm und wurde 1910 fertig gestellt. Es ist hochkant ausgerichtet und leuchtet in kräftigen Farben. Auf den ersten Blick wirkt dieses Werk eher wie eine Farbmischplatte eines Künstlers als ein abgeschlossenes Werk. Kandinsky hat hier einige dutzend verschiedener Farben verwendet. Die obere Bildhälfte wirkt insgesamt wärmer und freundlicher als die untere. Das kommt vor allem daher, dass er dort mehr warme Farbtöne verwendet hat, vor allem Gelb- und Rottöne.

Mit etwas Phantasie und ruhigem Blick erkennt man aber doch deutlich herausgearbeitete Motive und eine Art Landschaftsmotiv, das sich über das gesamte Werk erstreckt. In der rechten, oberen Ecke hat Kandinsky ein Gesicht im Profil gezeichnet, wenn auch abstrakt. Man erkennt nur ein riesiges Auge, mit einer tiefschwarzen und eher leblos wirkenden Pupille. Das Profil der Nase ist ebenfalls erkennbar. Anstelle des Mundes formt sich hier aber eine Trompete, die das Gesicht auch mit einem Arm, dessen Ursprung außerhalb des Bildbereiches liegt, hält. Die Trompete entspricht nicht der gewöhnlichen Form, ist jedoch in sattem goldgelb gehalten und wurde am Trompetenende noch mit einer Art rotem Haken versehen. Als Musikinstrument ist es nur zu erkennen, weil sich das Mundstück an der Stelle des Gesichts oben rechts befindet, wo der Mund sein sollte.

Das Gesicht hat darüber hinaus rote Bäckchen, vermutlich aufgrund der Anstrengung beim Spielen des Instruments. Von der Stirn abgehend sind leuchtend rote, kräftige Linien zu sehen, die an eine symbolische Darstellung einer Sonne erinnern, deren Lichtstrahlen die Erde treffen.  Ein hellblauer Fleck in der Ecke deutet auf einen blauen Himmel hin.

Insgesamt ist das Werk sehr unübersichtlich und wirkt unsauber gearbeitet. Alle Farben scheinen willkürlich verwendet worden zu sein, da überall nur wenig mit einer Farbe, aber mit vielen Farben allgemein gearbeitet wurde. Eine klare Kontur hat, beziehungsweise ein deutlich erkennbares Objekt ist, ein verzerrtes Rechteck in der oberen Bildmitte. Es sieht aus wie ein Haus auf einem Hügel, nur eben ohne Dach und allem was ein Haus ausmacht. Der Hügel auf dem das Haus steht, ist in einem sehr dunklen Rot gemalt. Mit schwarz intensiviert Kandinsky diesen Eindruck noch.

Das Haus hat ein rotes, ausgemaltes Viereck im ersten Quadranten des „Gebäudes“ und an Stelle des Dachs ragen dünne Zylinder aus dem Gebäude. Die Zylinder wirken zusammen mit dem Rechteck wie ein Gefäß für Pinsel und Stifte. Einer der „Pinsel“ ist allerdings wie ein Bumerang geschwungen. Die goldene Trompete teilt das Bild in zwei sichtbar unterschiedliche Bereiche. Alles unterhalb der Trompete macht einen eher düsteren Eindruck. Verstärkt wird dieses Empfinden dadurch, dass Kandinsky dort eine Person im Profil gezeichnet hat, die fast zwei drittel in der Größe misst und im Profil dargestellt wurde. Die Person hat ein geschlossenes Auge, an dem ein dunkelgrüner Punkt direkt unterhalb des Lids liegt und an eine Träne erinnert. Die Haare sind streng nach hinten gemalt worden, als würde ein kräftiger Wind von vorn in das Gesicht blasen. Der Kopf ist leicht gesenkt und die Person wirkt traurig. Die Geschlechtsidentität der Person ist nicht auszumachen, da sie auch statt gewöhnlicher Kleidung eine Art Nachthemd trägt. Das Nachthemd ist im oberen und unteren Bereich hauptsächlich mit Weiß ausgearbeitet worden, wohingegen der Bauchbereich mit Grau und vier fast parallel verlaufenden, horizontalen Strichen gelber und grauer Farbe gemalt wurde.

Nach langer Betrachtung erscheint die Person zu knien und sie hält sich die Ohren zu, mit ihren dünne, langen Fingern, die ebenfalls kreidebleich sind. Die vier Parallelen könnten eine Andeutung von Rippen sein. Unterhalb des Rumpfes ist an der Rückseite der Person noch eine starke, schwarz konturierte Ausbeulung zu sehen, die an ein Gesäß erinnert. Die Proportionen des Körpers stimmen an keiner Stelle mit denen eines normalen Menschen überein. Die Person ist sehr in die Länge gezogen und der Oberkörper ist im Verhältnis zum Unterkörper dreimal so groß. Die Beine bilden den unteren, rechten Bildrand des Bildes. Parallel zur Ausbeulung auf Gesäßhöhe sind vier dicke, kurze Linien gezeichnet worden. Die erste in einem kräftigen Gelb, die weiteren in Rot. Direkt oberhalb dieser Linien ist eine weitere, rote Linie zu erkennen, welche parallel zum Rücken verläuft und doppelt so lang ist, wie die Linien darunter.

Aus dem Mund der Person kommt eine Art weißer Wolke, die an eine Sprechblase erinnert. Um diesen Fleck herum wurde mit viel dunklem Grün und Blau gearbeitet, wenngleich sich auch zwei weitere weiße Flecken anschließen, die in der Mitte zwei gelbe Flecken haben. Zusammengenommen sieht es aus, als wären es zwei Spiegeleier, die ineinander verlaufen. Unterhalb der Eier sind ungenaue Farbverläufe zu sehen. An dieser Stelle wurde auch bewusst mit dunkleren Tönen gearbeitet, auch wenn es ein absolutes Chaos zu sein scheint. Es gibt hier rote, blaue, grüne, violette, schwarze und rosa Flecken. Die gemalte Person wirkt, als suche und brauche sie dringend Ruhe. Das Gesicht mit der Trompete bläst allerdings mit voller Kraft.

Bildquelle: Wikipedia.de

Text: Max Scheller

 

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100 Meisterwerke: 64. „Ohne Titel“, Rote Tinte und Bleistift auf Papier, 1998 von Louise Bourgeois

Bleistiftzeichnung mit roter Tinte

Bei dem Werk von Louise Bourgeois, das in der Kunsthalle Bielefeld ausgestellt wird, handelt es sich um ein weißes Blatt Papier, auf dem lediglich mit rotem Stift und einem Bleistift gearbeitet wurde. Im ersten Augenblick wirkt es beinahe wie eine Kinderzeichnung, die an einem Familienkühlschrank hängen könnte. Auf den zweiten Blick erkennt man aber die fein säuberlich gezeichneten Linien und die verschachtelte Dimensionalität der Abbildungen.

Das Format des Blattes ist hochkant und etwa 75 Prozent des gesamten Blattes sind weiß, beziehungsweise leer geblieben. Bei ungenauer Betrachtung sieht es so aus, als strecke sich eine rote Säule, vielleicht auch ein sehr lang gezogener Käfig, vom unteren Bildrand bis über den oberen Bildrand. Das DIN A 4 Blatt reichte der Künstlerin aber offensichtlich nicht aus, da das Motiv am oberen Bildrand wie abgeschnitten aussieht, geradezu unvollständig. Es macht den Eindruck, als hätte Louise Bourgeois sich mit dem Maßstab vertan und es somit einfach nicht beenden können.

Bei genauer Betrachtung erkennt man zunächst ein rot gezeichnetes, sehr kleines Kind, welches gerade stehen kann. Die Konturen des Kindes sind ziemlich hart mit Bleistift heraus gearbeitet worden. Man könnte fast behaupten, dass Bourgeois mit Bleistift zunächst die Konturen des Körpers grob vorgezeichnet hat und diesen vielleicht noch korrigieren wollte, falls die Proportionen nicht gestimmt hätten. Das Kind hat einen sehr runden Kopf, ohne Haar und ohne Gesichtszüge. Lediglich ein roter Punkt deutet das Auge an. Der Oberkörper des Kindes ist nicht ausgemalt, sondern lediglich in rot und weiß konturiert. Wenn man anhand der übrigen Kleidung Rückschlüsse auf das Geschlecht des Kindes ziehen müsste, so wäre es wahrscheinlich ein Mädchen, denn es trägt einen Rock und das Bild macht nicht den Eindruck, als würde es stereotypische Gender Vorurteile infrage stellen wollen. Der Rock ist rot schraffiert worden, in der Diagonalen von links oben, nach rechts unten. Darunter trägt das Mädchen noch eine Art Strumpfhose, zumindest kann man dies erahnen. Die Beine sind vordergründig mit Bleistift ausgemalt worden, aber auch etwas Rot lässt sich darin finden. Die dünnen, feinen Details in rot auf den Beinen erinnern an blutgefüllte Äderchen. Der Übergang von Bein zu Fuß ist fließend, wenngleich die Füße ausschließlich rot gezeichnet sind.

Das Kind ist im Profil abgebildet, somit ist auch nur ein Arm erkennbar. Er ist abgesehen von seinen Umrissen komplett papierweiß und etwas unproportional zum Rest des Körpers. Das Kind klammert sich mit der einen sichtbaren Hand, mit ungefähr drei Fingern, an rote Schnüre, welche von oben herab hängen. Die Beine sind so gezeichnet, als würde das Kind gehen. Das hintere wirkt dünner als das vordere Bein.

Man erkennt, dass es sich bei dem Gegenstand links vom Kind, also die rote Säule in der Bildmitte, um eine Frau handelt. Eine Frau mit zwei Körpern übereinander gezeichnet. Beide Körper bilden zusammen unter sich einen kleinen Schatten, der zwischen zwei Absatzschuhen auf dem Boden scheint. Die Schuhspitzen zeigen nach aussen. Da das Bild aus dieser Perspektive überhaupt keinen Sinn ergibt, bestärkt sich der Eindruck, das es sich um eine Zeichnung von Kinderhand handelt. Die beiden Körper haben die selben Beine, man erkennt nur zwei. Das Kind daneben erstreckt sich bis auf Höhe der Knie. Oberhalb der Knie erscheinen die Körper völlig unterschiedlich. Der eine ist groß und dünn. Der zweite Körper hingegen hat eine Sanduhrenform und ist üppig mit Brust und Gesäß ausgestattet und hat im Vergleich eher dünne Arme, die augenscheinlich hinter dem Rücken verschränkt sind.

Beide Körper wurden frontal gezeichnet und sind im Vergleich zu dem Kind wesentlich kräftiger mit Rot gezeichnet worden. Der üppige Körper trägt auch eine Bluse mit acht erkennbaren Knöpfen in Doppelreihe und einem Kragen. Man sieht keinen Ausschnitt. Der sich dort anschließende Hals ist allerdings überdimensional lang und wurde mit Bleistift gezeichnet, danach aber scheinbar wieder ausradiert. Er wirkt deshalb schmutzig und passt nicht zum Rest der sichtbaren, unbekleideten Körperteile. Am Ende des Halses schließt sich der einzige Kopf an, über den die beiden Frauenfiguren verfügen. Herzförmige geöffnete Lippen sind ins Gesicht gezeichnet und ein roter Querstrich deutet die Nasenspitze an. Der Rest des Gesichts ist nicht mehr auf das Blatt gezeichnet worden und macht das Bild unvollständig. Man kann noch erahnen, dass die große Frau entweder sehr langes Haar hat, bis zum Fußboden genauer gesagt, oder einen Umhang vom Kopf bis zu den Füßen trägt, der über die im Ansatz erkennbaren, schmalen Schultern hinab gleitet. Es wirkt zum einen wie Haare, weil es lange, durchgehende, rote Striche sind, die sich am Ende leicht nach außen Wellen. Wie ein Umhang wirkt es, weil es sich an den üppigen Körper anschmiegt und die Sanduhrenform umschmeichelt.

Das Kind hält sich also an dem Haar oder dem Umhang fest. Die hinter dem Rücken verschränkten Arme der üppigen Dame sind leicht ausradiert worden, als hätte sich Louise dagegen entschieden oder eben auch festgestellt, dass die Proportionen nicht stimmen. Mit viel Phantasie könnte man behaupten, dass es sich hierbei um eine Entwicklung ein und der selben Person handelt. Erst ist sie eine wunderschöne, starke und wohl proportionierte Frau und dann wird sie zu einem Geist und zieht gen Himmel davon, weshalb sich vielleicht auch das Kleinkind an sie klammert.

Bildquelle: restauratoren.de

Text: Max Scheller

 

 

 

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100 Meisterwerke: 63. „Hexensabbat“ von Francisco de Goya

Hexensabbat

Das Gemälde Hexensabbat wurde zwischen 1797 und 1798 angefertigt. Auf den ersten Blick wirkt das Werk von de Goya sehr düster und geheimnisvoll. Das Gemälde ist hauptsächlich in Erdfarben, also Braun, Ocker und dunklen Gelb- und Orangetönen gehalten, sowie viel Grau, Schwarz und Blau. Es ist hochkant aufgestellt und ist fast doppelt so hoch wie breit.  Vom unteren bis zum oberen Bildrand erstreckt sich eine hügelige Landschaft mit anschließendem Horizont. Die Szenerie spielt in der Abenddämmerung, beinahe schon in der Nacht.

Der Bildmittelpunkt sticht einem sofort ins Auge, da hier ein aufrecht sitzender, mannshoher Ziegenbock platziert wurde, der von ca. 13 Personen umgeben ist. Bei den Personen handelt es sich hauptsächlich um Frauen. Der Ziegenbock sieht im ersten Moment beinahe wie ein Baum aus, so wie er da auf seinen Hinterläufen sitzt. Sein braunes, scheckiges Fell und die Schatten an seinem Körper wirken wie ein Baumstamm mit Wurzeln und sein Geweih wie die Baumkrone. In seinem großen, gedrehten Geweih ist auch eine Art Kranz aus Blättern zu erkennen, der sich im die beiden Hörner schlingt. Die Blätter wirken wie Hände bzw. Finger, dennoch ist schwer zu erkennen, um welche Pflanze es sich genau handelt. Es könnten Eichenblätter oder Kastanienblätter sein. Auch Efeu wäre bei der dunkelgrünen Färbung nicht auszuschließen.

Der Blick des Bockes ist starr und die Augen sind von einem satten Gelb. Die Pupillen hingegen sind tiefschwarz und liegen mandelförmig in den gelben Augen. Seine Schnauze ist geschlossen und der Bart hängt lang von seinem schmalen Kiefer herunter. Man kann etwas graues Fell in seinem Bart erkennen, was den Bock älter erscheinen lässt. Die Vorderhufe hat er von sich gestreckt. Es sieht fast danach aus, als würde der Bock etwas sagen wollen, während er seinen linken Huf zu einer Frau hin ausgestreckt hat, wie um ihr die Hand zu reichen.

Die Frau mit den blonden Haaren, der er seinen Huf reicht, steht als einzige aufrecht im Bild und hält in ihren Armen ein Baby mit braunem Haar. Sie hält es fast so, als würde sie es ihm überreichen wollen. Dabei ist ihr Mund geöffnet und sie scheint ihn anzuflehen. Sie wirkt verzweifelt. Unterhalb ihrer Arme erkennt man das Gesicht einer sehr alten Frau. Sie hat viele Falten. Eine weitere alte Frau in einer Art blauen Schürze mit Kopfbedeckung streckt dem Bock ein Kleinkind entgegen. Das Kleinkind trägt braunes Haar und sieht sehr mager aus. Es besteht nur aus fahler Haut und Knochen. Selbst das mimiklose Gesicht wirkt eher wie ein Totenschädel.

Links neben der alten Frau mit Kleinkind liegt eine weitere Frau im Kreis um den Bock. Man sieht nicht ihr Gesicht, sondern nur ihren Hinterkopf samt weißer Bedeckung und ihr gelb-weißes, knielanges Kleid, aus dem ihr linkes Bein hervor lugt. Eine  Leiche liegt neben ihr und anhand der Körpergröße handelt es sich hierbei ebenfalls um ein Kind. Vollkommen regungslos liegt es da und scheint zu verblassen. Die Farbe des Körpers ist nur ein wenig heller, als die des sandigen und harten Bodens dieser kargen Einöde.

Eine weitere Frau, diese jedoch mit dunklem Haar, welches sie zusammenrafft an ihrem Kopf trägt, sitzt direkt zwischen der Leiche und dem Bock. Ihre Schultern sind fast gänzlich entblößt und sie formt mit ihrem Schmollmund Worte, welche sie an den Ziegenbock richtet. Ihr weißes Gewand fließt an ihrem Körper herunter und wird nur durch eine Schnur um die Taille zusammen gehalten. Ihre Augen blicken verzweifelt hinauf zum Bock.

Neben ihr sitzt die letzte Frau im Kreise links vom Bock. Ihr Gesicht ist schon sehr verzerrt. Es ist schwierig auszumachen, wie alt sie ist. Sie ist im Gesicht kaum mehr als Frau zu erkennen, da es aussieht, als würde ihr Fell im Gesicht wachsen. Nasen- und Mundpartie haben sich zunehmend verformt und sie wirkt eher animalisch statt menschlich. Ihr Oberkörper ist komplett entblößt, jedoch ist ihre Brust von der Frau neben ihr verdeckt. Sie trägt einen hellgrünen Rock und eine weiße Schürze und hat einen langen, vermutlich hölzernen Stab an ihr Schlüsselbein gelehnt, welcher noch über ihren Körper hinaus ragt und am oberen Ende angespitzt ist. An diesen Stab sind drei Babykörper gebunden. Allesamt sind aschfahl und hängen völlig ohne Körperspannung vom Stab herab, an ihren Hälsen gehängt. Das Mittlere hat die Arme verschränkt, vermutlich sind sie zusammengebunden. Bei den anderen beiden Kindern hängen die Arme schlaff vom Körper.

Hinter dem Ziegenbock sind noch deutliche Umrisse von vier Frauen zu sehen, aber nur bei einer erkennt man auch noch konkrete Gesichtszüge. Sie scheint leidend zu den Babys am Stab hinauf zu schauen, oder gen Himmel. Ihr Gesicht ist mit tiefen Falten überzogen und sie ist so verblasst gemalt worden, dass sie eher wie ein Geist aussieht. Sie hat ein weißes Tuch auf dem Kopf. Die übrigen Personen, offenbar Frauen, da sie auch alle eine Kopfbedeckung tragen, sind nicht mehr erkennbar, was ihre Mimik und Gestik betrifft. Sie scheinen weiter in den Hintergrund des Bildes, also tiefer in die abgebildete Landschaft, abzudriften. Es wäre beinahe möglich, dass sie zu den Bergen im Hintergrund werden. Sie sind so fahl und strahlen keinerlei Leben aus, dass man davon ausgehen muss, dass auch sie schon tot und zu Geistern geworden sind.

Bildquelle: artgen.billerantik.de

Text: May Scheller

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100 Meisterwerke: 62. „Der Isenheimer Altar“ von Matthias Grünewald

eisenheimer alter

Das zwischen 1506 bis 1515 geschaffene Hauptwerk von Matthias Grünewald, der Isenheimer Altar, besteht aus drei trennbaren Gemälden in rechteckiger Form und einem ebenfalls bemalten, breiten Sockel. Der Aufbau dieser Gemälde erinnert an ein Fenster mit Fensterläden.

Das Werk in der Mitte misst eine Breite von knapp drei Metern und eine Höhe von ca. zweieinhalb Metern und ist somit der zentrale Punkt des Triptychons. Der Sockel ist ein kleines bisschen breiter als das mittlere Werk und scheint sehr massiv zu sein. An der Unterseite wurde der Sockel durch eine Art Bodenplatte ergänzt, die nur einige Zentimeter dick ist.

Das Linke Bild

Das hochkant aufgestellte Werk links außen bildet den heiligen Sebastian ab. Es handelt sich hierbei um einen etwa 45 Jahre alten Mann, der auf den ersten Blick nur ein rotes, großes Tuch, vermutlich aus Leinen, um seinen Körper geschlungen hat. Bei genauerer Betrachtung erkennt man allerdings, dass er auch eine Art Unterhose trägt. Diese scheint ebenfalls aus Leinen, ist aber hell, beinahe beige. Der rote Umhang wirkt, als wäre er aus mehreren Teilen zusammengenäht. Die Nähte setzen sich deutlich von der übrigen Farbe ab.

Der heilige Sebastian steht auf einer flachen Säule, deren oberes Ende durch eine sternförmige Platte ergänzt wurde, auf welcher er steht. Unterhalb dieser steinernen Platte schlingt sich Efeu um die Säule. Hierbei handelt es sich aber nur um eine steinerne Verzierung und nicht um echte Pflanzen. Der Boden der Säule ist weiter ausgestellt als der Rest. Die Bodenplatte besteht ebenfalls aus Stein und ist quadratisch angelegt. Ergänzt wird dieses Quadrat durch kleine, flache Dreiecke, die mittig an jeder Seite hervorstehen. Neben Sebastian steht eine weitere Säule, welche Sebastian um wenigstens einen Meter überragt. Um die Spitze diese Säule ranken sich Pflanzen. Diese scheinen aber echt zu sein.

Sebastian nimmt eine seltsame Pose ein. Die Hände sind in einer bettelnden oder betenden Geste gefaltet. Er blickt in eine andere Ecke des Bildes. Seine linke Schulter ist nackt und er trägt einen Topfschnitt. Die etwa kinnlangen, braunen Haare wellen sich in den Längen etwas. Sein Dreitagebart ist grau meliert und seine Mundwinkel hängen nach unten. Er leidet, denn in seinem Körper stecken drei Pfeile. Zwei davon spießen in seinem linken Bein, genauer gesagt der Wade. Der dritte Pfeil ragt aus seiner rechten Schulter, von der Vorderseite her durchbohrt.

Neben Sebastian auf seiner Säule stehen 3 weitere Pfeile, angelehnt an die große Säule rechts neben ihm auf dem Bild. Hinter Sebastian ist in der linken, oberen Ecke des Bildes ein Fenster. Es wirkt, als scheine die Sonne ganz leicht in seinen Raum. Wenn man aus dem Fenster blickt, eröffnet sich einem eine grüne Landschaft mit einigen Bäumen. Der abgebildete Himmel ist in helleren Blau- und Grautönen gehalten. Dort schweben zwei Engel, die gemeinsam einen orangenen Ring in der Luft halten, der eine Kugel an der Vorderseite hat. Der rechte Engel ist ein dickliches, kleines Kind mit blondem Haar. Allem Anschein nach ist das ein Junge. Der linke Engel hingegen ist fast komplett mit einem blauen Tuch verhüllt, auch das Haupt. Nur das Gesicht ist frei und es scheint ein junges Mädchen zu sein, das etwas älter als der Junge ist.

Das Mittlere Bild

An dieses Teilwerk schließt sich die Mitte des Triptychons an, welches ungefähr vier mal so breit ist wie das zuvor beschriebene. Die Größe unterscheidet sich auch zum Teil in der Höhe. Die Mitte des Bildes wurde nach oben hin ein Stück erweitert, aber nicht über die komplette Breite des Bildes, sondern circa ein Drittel. Das Bild an sich wirkt auf den ersten Blick sehr düster. Es ist eine dunkle Szenerie abgebildet. Offensichtlich wurde hier ein Landschaftsmotiv gewählt, man kann aber keine konkrete Landschaft ausmachen. Es sind keine Bäume oder andere Pflanzen erkennbar, auch keine Sonne oder der Mond. Ein wenig Geröll und braunes Gestein sind am unteren Teil des Werks auszumachen.

Das Zentrum bildet Jesus am Kreuz. Für das hölzerne Kreuz, an dem Jesus hängt, wurde anscheinend auch das Bild nach oben hin erweitert. Links von Jesus sind drei Personen abgebildet. Hierbei handelt es sich um zwei Frauen und einen Mann. Die eine Frau kniet flehend zu Jesus gewandt. Sie scheint sehr jung zu sein mit rosa leuchtender Haut und langem, blonden, gelockten Haar. Sie trägt ein orangenes Gewand, welches an ein Kleid erinnert, aber keinen konkreten Schnitt hat. Der Saum ihres Gewandes hat einen relativ breiten, grünen Besatz. Ihr Haupt ist mit einem Tuch bedeckt, wenngleich ihr Haar darunter hervor fällt und sich bis über ihre Hüfte über den ganzen Rücken ausbreitet. Vor ihr steht ein kleines, silbernes Gefäß. Das Gefäß ist zylindrisch geformt, wird nach oben hin aber wesentlich breiter und hat einen Deckel mit kugelförmigem Griff.

Hinter dem Mädchen steht eine Frau, komplett in ein weißes Gewand gehüllt. Nicht ein mal ihr Haar ist zu sehen, sondern lediglich ihr blasses, flehendes Gesicht. Ebenfalls mit dem Blick zu Jesus gewandt, wird sie von einem Mann gestützt. Sie ist offenbar sehr schwach. Aus ihrem weißen Gewand ragen ihre gefalteten Hände. Ihre Arme sind von einem dunkelgrünen, samtig wirkenden Stoff umhüllt. Auch an den Füßen scheint ein wenig dieses Stoffes unter dem weißen Gewand hervor. Vermutlich trägt sie ein Kleid unter dem weißen Gewand. Ihre Augen sind verschlossen und sie sieht sehr verzweifelt aus. Der Mann der sie stützt und auf dem Bild hinter ihr steht, ist nicht komplett zu sehen. Er trägt ein rotes Gewand und hat blondes Haar, ebenfalls ein Topfschnitt bis zum Kinn. Er hat einen Arm über den Rücken und um die Hüfte der Frau geschwungen, um sie zu stützen. Mit seiner anderen Hand hält er die Frau am Arm. Sein Blick ist zu der Frau gewandt, aber auch seine Augen sind geschlossen. Der Mund dagegen ist leicht geöffnet.

Das mittlere Bild selbst scheint aus zwei Teilen zu bestehen, denn durch die komplette Mitte zieht sich von oben nach unten ein feiner Riss. Entweder sind zwei Leinwände zusammen gefügt worden, oder das Bild wurde repariert. Parallel zu dem Riss befindet sich über fast die gesamte Höhe des Bildes der senkrechte Holzpfahl, an dem Jesus angebracht wurde. Am oberen Bildrand ist der Querbalken, an dem Jesus mit Nägeln in den Händen angebracht wurde. Über seinem Kopf hängt ein hölzernes Schild, mit einer weißen Fläche, auf der INRI zu lesen ist. Der senkrecht aufgestellte Pfahl besitzt am unteren Ende einen Vorsprung. Dort sind die Füße von Jesus übereinander gelegt angenagelt worden. Blut läuft dort herunter.

Jesus‘ Haut wirkt sehr fahl, leicht grünlich. Er ist stark ausgemergelt. Jede einzelne Rippe tritt hervor und man sieht jeden verbliebenen Muskel am Körper. Sein Kopf hängt schlaff herunter, leicht zu seiner rechten Körperhälfte gedreht. Unter seinen Rippen tritt ebenfalls Blut in einem Rinnsal aus. Der Lendenbereich ist lediglich durch ein weißes Tuch bedeckt, das vorn geknotet wurde. Es sieht aus wie ein Fetzen und ist stark verschmutzt, wie auch der Körper, den es verhüllt.  Auf dem Kopf trägt Jesus einen Dornenkranz. Sein Gesicht ist schmerzverzerrt, obwohl er schon tot zu sein scheint.

Zu Jesus’ Füßen ist auf der rechten Seite ein kleines, weißes Lamm zu sehen. Es hält mit seinem Hufen ein dünnes, langes Kreuz umschlungen. Dieses ist fast so groß wie das Lamm. Das Tier blickt zu Jesus hinauf. Direkt vor dem Lamm steht ein kleiner, goldener Kelch mit einem breiten Fuß. Neben dem Lamm steht ein weiterer Mann, ebenfalls in ein rotes Gewand gehüllt und mit kinnlangem, glattem Haar. Er trägt einen Vollbart und hält in seiner linken Hand ein aufgeschlagenes Buch, dessen Seiten sich leicht wellen. Mit der anderen Hand zeigt er auf Jesus und es sieht aus, als würde er aus dem Buch vorlesen. Er trägt keine Schuhe, hat aber noch einen Knoten aus weißem Stoff an der Hüfte. Auf Höhe seines Gesichts befinden sich mehrere Zeilen in roter Schrift. Der lesbare Teil lautet: „ILVM OPORTET CRE SCLRE ME TEM MIVVI“.

Das Rechte Bild

An das mittlere Bild schließt sich rechts ein weiteres Werk an, in gleicher Größe wie das Werk an der linken Seite. Hier steht der heilige Antonius auf einer flachen Säule, die oben mit einer sternförmige Platte abschließt, auf welcher er steht. Unterhalb dieser steinernen Platte schlingt sich Efeu um die Säule. Der heilige Antonius trägt ein dunkelblaues, samtenes Gewand und darüber, über der rechten Körperhälfte einen roten Umhang und auf dem Kopf eine rote Kappe. Er scheint als einzige Person auf allen Werken lederne Schuhe zu tragen. In seiner linken Hand hält er einen mannshohen Stab, der mehrere, goldene Verbreiterungen hat und am oberen Ende noch über ein filigranes, großes T verfügt. Antonius scheint schon relativ alt zu sein, ungefähr 65. Er hat graues, lockiges Haar, welches unter der Kappe hervortritt. Darüber hinaus hat er einen mächtigen, grauen Bart, der ihm fast bis zur Brust reicht und in der Mitte geteilt ist. Er blickt missmutig, wirkt insgesamt aber gut genährt und wohlhabend im Vergleich zu allen anderen Personen.

Auch er befindet er sich, allem Anschein nach, in einem Gebäude, denn es gibt ein Fenster nach draußen. Das Fenster besteht aus vielen, gläsernen Kreisen und ist zum Teil kaputt. An der einen gesplitterten Stelle kann man nach draußen sehen und erkennt eine seltsame Person. Sie sieht mehr wie ein Tier aus, möglicherweise ein Dämon. Er hat den Mund weit aufgerissen und scheint etwas zu werfen. Er blickt irgendwo hin, man erkennt aber nicht wohin genau.

Der Sockel, auf dem die drei Gemälde aufgestellt sind, ist ebenfalls bemalt. Die abgebildete Szenerie ist ähnlich der von Jesus‘ Kreuzigung. Es ist ein Ausschnitt einer Landschaft. Links außen erkennt man einen bemoosten, braunen Felsen. Davor liegt quer der rechteckige, steinerne Rahmen des Grabes. Vor diesen Steinen liegt Jesus‘ Dornenkrone. Jesus wurde vom Kreuz genommen und liegt jetzt rechts auf einem weißen, langen Leinentuch und wird von hinten von dem Mann gehalten, der bei der Kreuzigung links von ihm stand und die Frau stützte. Die blonde Frau ist auch da und kniet neben dem Grab mit Blickrichtung zu Jesus. Sie hat wieder die Hände flehend zum Gebet gefaltet. Sie wirkt im Vergleich zum oberen Bild aber verändert. Ihr Gesicht ist etwas aufgedunsen und sie scheint zu weinen. Vor ihr sitzt die Frau, die während der Kreuzigung auf dem mittleren Bild gestützt wurde. Das weiße Tuch auf ihrem Kopf ist über ihre Augen herunter gerutscht. Ihre Hände sind ebenfalls gefaltet.

Im Hintergrund erkennt man noch die Stämme von vier Bäumen. Die Kronen sind aufgrund des Bildausschnitts nicht zu sehen. In der linken Bildhälfte ist weit hinten ein heller Berg zu sehen, der womöglich mit Schnee bedeckt ist. Die Landschaft ist allgemein leicht hügelig.

Text: Max Scheller

Bildquelle wikipedia.de

 

 

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100 Meisterwerke: 61. „Child with Toy Hand Grenade in Central Park“ von Diane Arbus

Junge mit Spielzeug Granate

Bei der Fotografie „Child with Toy Hand Grenade in Central Park“ (dt. Kind mit Spielzeug Hand Granate im Central Park“) von 1962 handelt es sich um eine berühmte Aufnahme der amerikanischen Fotografin Diane Arbus. Arbus erlangte für ihre schonungslosen Darstellungen von Außenseitern und der amerikanischen Gesellschaft große Bekanntheit.

Auf der quadratischen 6 x 6 schwarz-weiß- Fotografie ist zentral ein stehender Junge zu sehen, der mit verzerrtem Gesicht und einer Spielzeuggranate in der Hand für die Aufnahme posiert. Seine Füße beginnen am unteren Bildrand und sein Kopf endet im oberen Bilddrittel. Die Szene spielt sich, wie der Titel verrät, im Central Park New York ab. Im Hintergrund sind unscharf Bäume, Wiesen und Spaziergänger zu erkennen. Links hinter dem Jungen ist jeweils der untere Teil zweier nah beieinander wachsender Baumstämme zu sehen. Am rechten Rand im oberen Drittel ist eine spazierende Familie zu sehen, die in Richtung des Jungen geht. Ein Mann schiebt einen offenen Kinderwagen mit Kleinkind. Links neben ihm geht eine Frau mit schwarzem Mantel, die an ihrer rechten Hand ein weiß gekleidetes Mädchen hält. Direkt hinter dem Kopf des posierenden Jungen ist unscharf eine erwachsene Person zu sehen, die etwa sechs Meter hinter ihm steht. Am linken Bildrand in weiter Entfernung steht eine Gruppe von drei Kindern.

Der schlaksige blonde Junge ist mit einer kurzen schwarzen Trägerhose und einem karierten Hemd gekleidet. Sein linker Träger ist ihm von der Schulter gerutscht. Dazu trägt er dicke, bis zu den Knöcheln gezogene Socken und graue Turnschuhe mit weißen Schnürsenkeln.

Das Auffällige an dem ungefähr 5 bis 7-jährigen Kind ist seine gesamte Körpersprache, die den Betrachter in den Bann zieht: Der Junge steht, die Beine etwa hüftbreit auseinander, auf dem Parkweg. Dabei presst er seine langen dünnen Arme seitlich gestreckt an den Körper.  In seiner rechten Hand hält er zur Kamera gerichtet eine Granatenattrappe, während sich die linke Hand krallenartig verkrampft. Die Granate liegt genau in der Mulde seiner Handfläche und wäre vielleicht ohne den Hinweis im Titel nicht auf den ersten Blick als solche erkennbar.

Der Gesichtsausdruck des Jungen ähnelt einer Grimasse, der Mund ist geschlossen und nach unten verzogen  und die Augen wirken weit aufgerissen. Der Kopf ist leicht zu seiner linken Seite geneigt. Eine Mischung aus Angst, Verzweiflung, Wut und Wahnsinn schlägt dem Betrachter entgegen. Das hagere, fast schon skurril wirkende Gesicht und die Körperhaltung rufen eher Unbehagen als Erheiterung hervor, was die Fotografie einzigartig macht. Das Kind hat nichts Kindliches an sich, sondern entfaltet eine verstörende Wirkung. Die sommerliche Parkidylle, die sich im Hintergrund abspielt, steht konträr zu dem abwesend in die Kamera starrenden Kind.

Das Bild wirkt wie eine Anklage auf den Betrachter, die man so schnell nicht mehr vergisst. Es scheint uns daran zu erinnern, dass Krieg in den Köpfen der Menschen beginnt und der ihn auslösende Hass von Generation zu Generation weitergegeben wird. Irgendwann wird dieses auf den ersten Blick harmlos wirkende Kind vielleicht echte Granaten auf seine Gegner werfen und dafür als Patriot, der seine Pflicht tut, anerkannt werden.

Bildquelle: Wikipedia

Text: Magali Derouet

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100 Meisterwerke: 60. „Madonna im Grünen“ von Rafael

Madonna im Grünen

Raffaels Madonna im Grünen“, Langtitel: „Madonna im Grünen, Szene: Maria mit Christuskind und Johannes dem Täufer“ ist ein im Jahr 1506 auf Holz entstandenes Ölbild, das der Künstler für den Patrizier Taddeo Taddei anfertigte. Es hat eine Höhe von 113 cm und eine Breite von 88 cm und hängt heute im Kunsthistorischen Museum in Wien.

In der Mitte des Bildes sitzt Maria, etwa 20 Jahre alt, in freier Natur, wie vor einer Kulisse. Sie wendet uns ihre halbrechte Seite zu und hat den Kopf zu ihrer rechten Schulter gedreht. Sie trägt ein rotes Kleid  mit langen Ärmeln aus scheinbar dickerem Stoff. Der flache, an den Schultern abschließende Rundhalsausschnitt hat einen Goldsaum. Um ihren linken Arm, die Hüfte und die Beine ist eine blaue, gold gesäumte Decke geschlungen, sodass der Rock des Kleides nicht zu sehen ist. Darunter lugt nur ein Fuß am rechten unteren Bildrand hervor. Ihre dunkelblond bis rötlichen Harre sind vom Mittelscheitel aus zu zwei Zöpfen geflochten, die jeweils rechts und links über die Ohren und um den Hinterkopf gelegt sind. Der Kopf ist zur linken unteren Bildecke gedreht, ihr Blick ist gesenkt. Die Augen schauen freundlich, aber eher abwesend. Der Mund zeigt ein dezentes Lächeln. Sie hat eine schmale, kleine Nase, wobei der Nasenrücken insgesamt recht lang erscheint.

Maria sitzt leicht erhöht vom Boden, wie auf einem Stuhl oder Stein. Der Gegenstand ist jedoch nicht zu sehen. Ihr Unterkörper ist zur rechten unteren Bildecke gerichtet, ihr rechtes Bein ist leicht gestreckt. Der Oberkörper dreht sich leicht zur linken Bildseite und ist etwas vornüber gebeugt.

Zwischen ihren beiden nach unten greifenden Händen, an der Außenseite ihres rechten Beines, steht ein nackter, zwei- bis dreijähriger Knabe mit kurzem rötlichem Haar in der Mitte der unteren Bildhälfte. Er ist leicht gegen sie gelehnt, hat seine linke Hand auf ihrer rechten Hand abgelegt und hält wiederum mit seiner Rechten

Der Knabe schaut zur linken Bildseite. Sein Blick geht in Richtung eines zweiten, etwas älter wirkenden Knaben mit kurzen roten Locken. Dieser kniet auf seinem rechten Bein, seine einzige Kleidung ist ein gräuliches Tuch, das um die linke Schulter und den Rumpf gebunden ist. Er hält mit beiden Händen ein zierliches, scheinbar hölzernes Lateinisches Kreuz, dessen Längsbalken den Knaben überragt. Der Querbalken am oberen Ende ist eher kurz. Er schaut dem Jüngeren direkt ins Gesicht. Dieser hält mit seiner rechten Hand den oberen Teil des Kreuzes umfasst. Die Blicke der Knaben erscheinen leer, ihr Gesichtsausdruck ist neutral. Die Münder sind geschlossen.

Schräg über beziehungsweise hinter den Köpfen aller Figuren schweben sehr feine goldene Ringe, der „Mittelpunkt“ eines jeden Ringes berührt quasi jeweils einen Hinterkopf wie ein Heiligenschein.

Die Landschaft im Hintergrund ist überwiegend hellbraun bis grün gefärbt. In näherer Umgebung der Figuren sind kniehohe Hügel zu sehen. Rechts von der Madonna, etwa auf Höhe der Bildmitte, wächst eine Mohnblume mit zwei geöffneten und einer geschlossenen Blüte. Am unteren Bildrand sind vielleicht Erdbeerpflanzen zu erkennen. Auf Höhe der Schultern der Madonna verschwinden links ein Baum und rechts ein Busch aus dem Bild. Weiter hinten, leicht verschwommen, wird die Landschaft grüner und bergig. Links kurz vor dem Horizont ist ein kleiner Berg mit einem Tempel oder ähnlichem darauf zu sehen. Das Hauptgebäude ist eher rund und besitzt ein Kuppeldach, daran anschließend steht ein schmaler, runder Turm mit Zeltdach. Am Fuße des Berges stehen weitere Gebäude, vielleicht ein Dorf. Der Berg und die darauf befindlichen Gebäude erscheinen grünlich-grau, das Dorf beige. Dies alles ist eher unscharf gezeichnet; es ist Kulisse. Der Himmel ist sehr hell, unten fast weiß, weiter oben hellblau gefärbt. Es hängen einzelne größere Wolken am oberen Bildrand.

Das rote Kleid Marias und die blaue Decke heben sich deutlich vom Hintergrund ab und bilden einen farbenfrohen Kontrast zu der zwar bewachsenen aber eher karg wirkenden Umgebung.

Bildquelle: zeno.org

Text: Philipp Zeitler

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