Archiv des Autors: karsten

Richtlinien für Bildbeschreibungen II

Aus gegebenem Anlass hier noch einmal der Vorschlag der blinden Kunsthistorikerin Anja Winter für ein Schema für Bildbeschreibungen :

Bildbeschreibung für Blinde

I. Fakten

1. Maler

2. Titel & Genre

3. Format & Maße

4. Technik

5. Entstehungszeit

II. Beschreibung

1. Aufbau (Vorder-, Mittel-, Hintergrund)

2. Hauptmotiv (evtl. auch nur Teil), das sofort ins Auge springt

3. Farben

III. Eindruck, Stimmung

möglichst genau wiedergeben, aber Achtung: keine Interpretation!

IV. Hintergrund 

(soweit zum Verständnis erforderlich!)

1. biografische Daten des Malers (und ggbfs. Auftraggebers)

2. Stil & Epoche

3. kunsthistorische Besonderheiten

4. historischer, religiöser Hintergrund 

© tastkunst 06.2012

Vergleicht es bitte mit den Vorschlägen des blinden Kunsthistorikers Erich Schmid.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonstiges

Eine Ausstellung, in der Portraits von zweien von uns hängen

Barbara Fickert hat uns auf eine Ausstellung im Bethanien, in Berlin-Kreuzberg aufmerksam gemacht, in der u.a. Portraits des Fotografen Uwe Schumacher von ihr und Silja Korn hängen. Ausstellungen im Bethanien sind immer sehr nett, kommt also!

Zur Ausstellungseröffnung am 8. April 2016 um 19 Uhr laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.

Blickwechsel

Fotografie nach der Werkstatt für Photographie

Wolf Abraham, Maren Baldeweg, Aline Calmet, Stefan Doß, Peter Fischer-Piel, Bernd Große, Ania Kaszot, Torsten Kröger, Heike Reichenstein, Uwe Schumacher, Frank Seeger, Kirsten Steiner, special guest Friedhelm Denkeler

Vernissage: 8. April 2016, 19 Uhr, Ausstellungsdauer vom 9. – 17. April 2016 Öffnungszeiten: täglich 14 – 20 Uhr, Sa. u. So.: 12 – 20 Uhr, bei Veranstaltungen bis 23 Uhr

Ort | Anfahrt

Studio 1 im Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin-Kreuzberg Bus 140 Station Mariannenplatz, U1/U8 Kottbusser Tor

Veranstaltungen

Werkstattgespräch – Führung durch die Ausstellung: Dienstag, 12.04. 2016, ab 18 Uhr

Podiumsdiskussion: Donnerstag, 14.04. 2016, 19 Uhr. Teilnehmer*innen: Rüdiger Flöge (Leiter der vhs-Photogalerie in Stuttgart), Dr. Enno Kaufhold (Fotohistoriker), Ursula Kelm (Fotografin und Dozentin), Thomas Michalak (Dozent am Photocentrum), NN Moderation: Edda Wilde

Finissage: Sonntag, 17. April 2016, ab 18 Uhr Tanzperformance „Bildwechsel“ Die Tenzer Weitere Informationen: http://www.werkstattfürphotographie.de

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonstiges

Gerald Pirner: Der gespürte Blick

Hier, das müsst ihr lesen. Gerald Pirner hat einen sehr tollen Aufsatz anlässlich unserer Ausstellung in der BrotfabrikGalerie geschrieben. All unsere Projekte, die sich mit Blindheit und Fotografie befassen, auch dieser Blog, haben ja eine erkenntnistheoretische Dimension. Wir befassen uns mit der menschlichen Wahrnehmung an einer jener Kanten oder Bruchstellen, die immer für neue Einsichten gut sind. Normalerweise lassen wir das hier im Blog nicht so raushängen, unser Angebot soll ja niedrigschwellig sein. Umso mehr freuen wir uns nun, wenn ein blinder Autor, einer der ganz wenigen, die sich ernsthaft mit visueller Kunst befassen, diesen Aspekt unserer Arbeit thematisiert. Damit ist unser Dialog zwischen Sehenden und Blinden auf eine neue Ebene gehoben:

Der gespürte Blick oder
An der Grenze zwischen Subjekt und Objekt

Die Schönheit der Blinden, eine Ausstellung in der Brotfabrik in Berlin-Weißensee mit Arbeiten von Karsten Hein und Arbeiten der Teilnehmerinnen seines Fotoworkshops

Ein Bild, das es nicht gibt, vorher nicht gab, ein Bild das vielleicht mehrere Bilder ist, das ein-gebildet ist, das nur in seiner Sprache existiert. Er sieht es vor sich, sieht vor sich, wie eine Frau das Gesicht einer anderen Frau berührt, eine Frau, die ihre Augen geschlossen hält, eine Frau mit geschlossenen Augen, berührt von einer anderen mit ebenfalls geschlossenen Augen. In seiner Imagination bittet er seine Assistentin zu Hilfe, bittet sie die Szene zu beobachten, bittet Sie die Szene zu beschreiben: Zwei Frauen, in gleicher Größe, beide vermeintlich in ähnlicher Haltung und doch unterscheidet sie etwas, von dem sie im ersten Moment nicht hätte sagen können, was es sei.

Er wartet, hört Ihr nach, hört wie Sie schaut, obwohl das nicht möglich ist, und doch glaubt er zu hören wie Sie schaut, ohne zu atmen, ohne dass er Ihr Atmen hörte.
„Die eine ist blind“, sagt Sie ruhig und wartet eine Weile.
„Woran siehst du das.“

Hier zum vollständigen Text in Geralds Blog.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonstiges

Unser Workshop im Radio

Bei unserem Fotoworkshop mit Silja sind zwei Radiobeiträge entstanden. Hier ist der Beitrag von Andreas Becker für Deutschlandradio Kultur zum Nachhören. Und hier der von  Juliane Neubauer für den Deutschlandfunk.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonstiges

Die Bilder der Blinden

„Das Bild bereitet auf das vor, was kommt. Ohne Bild ist vieles, was auf den Menschen zukommt nicht zu erwarten. Selbst was gehört wird, was gerochen werden kann braucht zu beträchtlichem Teil seine Entschlüsselung im Bild, das die jeweilige Situation einordnet, einschätzt. Alles, was auf den Menschen zukommt, birgt latent für den Blinden einen Schrecken in sich und wenn es nicht der Schreck ist, ist es die Überraschung dessen, was eintrifft, auf das er immer gefasst sein muss, ob es nun angenehm oder unangenehm ist.

Alle sinnliche Wahrnehmung mündet zunächst in Erwartung…“

Das ist der Anfang des neuesten Textes in Gerald Pirners sehr tollem Blog. Gerald Pirner ist blind und schreibt über Kunst, über seine Wahrnehmung, über seine Kunstwahrnehmung. In seinen eigenen Worten:

„Bildlos Kunst schauen. Blind Skulpturen wie Malerei im Tasten erfahren. In der Erzählung den Film wie das Theater begreifen. Ohne Bild die Wirklichkeit des Konzertes seinen Klangursprüngen nachhören und verstehen. Kunst mit dem ganzen Körper aufnehmen, sie in ihn einschreiben lassen. Die Körperinschriften der Kunst wiedergeben, ihnen nachschreiben, ihnen nachtasten, sie in Poesie verwandeln, sie darin wandeln lassen.

Wo die Augen die Bilder verweigern, muss der ganze Körper sie hervorbringen: der Körper, dieser Zwitter aus Membran und Geigerzähler. Der hört den Spuren seiner „Aufschreibsysteme“ nach um in sich die Sprache zu finden, die sie ihm zugänglich machen.

Mehr als Rezensionen: Kurzschlüsse von Sinnen mit anderen Sinnen und ihren Funkenschlag beobachten, ihn protokollieren, ihn begrüßen. Das Gehörte, das Gespürte sich aus dem Körper heraus fortschreiben lassen. Auf dem Weg erstehen Räume aus Worten, in denen Bilder nisten.

Eingewoben werden in Bildern des Blinden, die leisten sich Übergriffe von Worten und Tönen auf zu Tastendes, auf zu Spürendes, auf zu Hörendes. Lichtempfindlich genug werden um bildlos Bilder zu sehen, blinde Bilder des Blinden aus Schmecken, aus Tönen, aus Geruch.“

Gerald Pirner schreibt leicht und hoch reflexiv und so, daß sich mir als Sehendem Welten auftun. Das ist aufregend. Er ist ein Mittler zwischen der unsichtbaren Welt und der anderen. Als solche verstehen, von der anderen Seite kommend, ja auch wir uns. Gerald Pirners Blog ist sozusagen unser Komplementärstück. Müsst ihr lesen!

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonstiges

12. Januar, 20 Uhr, Brotfabrik Berlin: Die Planung feat. Alex – Das nächste Konzert im Dunkeln!

Anlässlich der Ausstellung „Die Schönheit der Blinden“ werden am 12. 1. um 20.00 Uhr in der BrotfabrikGalerie im Rahmen der Reihe „Konzerte im Dunkeln“ sehende und nicht sehende MusikerInnen gemeinsam im Dunkeln Musik und Klang darbieten. Claudia Fierke, Filmmusikerin und Teil der Konzeptband DIE PLANUNG, wird mit der Saxophonistin Alexandra Reinshagen auf eine musikalische Reise gehen, die der Soundtüftler Steffen Nitzel mit dem von ihm gestalteten Klangteppich in ein locker gebundenes Korsett packt.
Man kann sich fallen lassen, staunen, zuhören, über Texte nachdenken, mitwippen, langsam entgleisend entgleiten, einfach nur dabei sein!
Besonderes an diesem Abend ist die Teilnahme im zweiten Teil der Reise: die Musik wird durch Ella Wieser am Bass und Andrea Mesch am Schlagzeug in eine andre Richtung geschickt.
Reisen Sie mit!
Brotfabrik Galeries Foto.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonstiges

Neuer Workshop mit Blinden Fotografinnen

Nachdem es am Samstag vor Weihnachten so gut gelaufen ist, findet in der Brotfabrik in Berlin am Samstag, d. 9. Januar um 11h gleich noch ein Workshop mit blinden Fotografinnen statt. Jeder darf mitmachen! Ihr könnt erleben, wie blinde Fotografinnen arbeiten. Es gibt Gespräche über Blindheit und Fotografie. Und es gibt die Möglichkeit, euch von einer blinden Fotografin portraitieren lassen. Macht die Erfahrung!
Wer teilnehmen möchte, melde sich bitte vorher bei uns an: picdesc (at) gmail.com

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonstiges