100 Meisterwerke: 66. „Der Kuss“ von Gustav Klimt

Der Kuss

Gustav Klimt‘s „Der Kuss“ ist ein Ölgemälde im Jugendstil auf einer Leinwand in der Größe 180cm x 180cm. Es entstand 1908/1909 in Klimt‘s „Goldener Periode“ und steht heute im Belvedere Museum in Wien.[1]  Der Hintergrund des Bildes ist in einem bräunlich-gräulichem Ton gehalten, der von ganz kleinen gelben Punkten durchsäht ist und an einigen Stellen dunklere Schattierungen aufweist.

Auf dem Bild ist ein umschlungenes Liebespaar auf einer Blumenwiese zu sehen. Die Blumenwiese beginnt auf der linken Seite des Bildes und verläuft schräg nach rechts oben, wo sie bei etwa drei viertel der Bildbreite abschließt und mit einer leichten Welle zum unteren Bildrand verläuft. Auf der linken Seite nimmt die Blumenwiese ungefähr ein Viertel der Gesamthöhe des Bildes ein und nach dem Abschluss der Steigung dann ein Drittel der Gesamthöhe. Die Blumenwiese besteht aus vielen blauen, gelben und lilafarbenen Blumen, wobei die lilafarbenen Blumen größer sind als die anderen. Bei ihnen könnte es sich um Tulpen handeln und bei den anderen um Stiefmütterchen, was durch die ungenaue Zeichnung allerdings nicht so leicht zu beurteilen ist. Vereinzelt sind auch rot-bräunliche Tupfer zu sehen.

Die verschiedenen Grüntöne der Stiele und Blätter dominieren die Blumenwiese auf der linken Seite. Mittig dominieren die Blüten, vor allem die lilafarbenen, die in diesem Bereich der Wiese nicht nur in geschlossener Form zu sehen sind, wie auf der linken Hälfte der Wiese, sondern hauptsächlich in offener Form mit einem gelben Blütenstempel und einem schwarzen Punkt darin. Die rechte Seite der Wiese ist übersäht von gelbgoldenen Schlieren, die aus dem Gewand des Liebespaares bzw. nur aus dem Teil der Frau herabfallen und sich in Form von ganz vielen kleinen gelbgoldenen Dreiecken an dünnen Schnüren über diesen Teil der Wiese legen.

Das Liebespaar steht bzw. hockt mittig im Bild auf der Blumenwiese. Links ist der Mann zu sehen, der dem Anschein nach steht. Sein Teil des Umhangs geht bis hinunter zur Wiese und bedeckt, vom Hals ab, seinen kompletten Körper, einschließlich der Füße. Er hat auf dem gelbgoldenen Untergrund diverse Rechtecke in verschiedenen Farben und Größen. Es handelt sich dabei um weiße Rechtecke mit schwarzer Umrandung, schwarze Rechtecke mit weißer Umrandung, graue, schwarze, weiße und braune Rechtecke mit und ohne Umrandung. Außerdem unterscheiden sie sich in ihrer Länge und Breite. Von kleinen schmalen Rechtecken bis hin zu großen breiten Rechtecken ist alles dabei. Hinzu kommen winzige Quadrate in den selben Farbmustern und ein paar ganz kleine weiße Kreise mit schwarzen oder grauen Punkten darin. Dabei liegen stets zwei oder drei dieser Kreise senkrecht übereinander.

Der Mann hält die Frau fest umschlungen mit beiden Händen um ihren Hals und Kopf. Von ihm sind fast ausschließlich sein langer breiter Hals und der Hinterkopf zu erkennen. Seine Haare bedecken die Ohren und reichen fast bis zum unteren Teil des Gesichts. Sie sind schwarz und gewellt mit ein paar grünen Blättern darauf. Bei näherem Hinsehen könnte es sich um einen Haarkranz handeln. Sein Gesicht ist kaum zu erkennen. Lediglich sein rechtes Profil ist angedeutet dargestellt. Sichtbar sind eine dunkle breite Augenbraue und eine relativ groß wirkende Nase. Die Wange wirkt eingezogen, so wirkt es trotz der nicht sichtbaren Lippen, als würde er die Frau auf die Wange küssen.

Der Kopf der frau liegt im rechten Winkel auf ihrem Hals auf, angelehnt auf ihre linke Schulter. Ihr rechter Arm greift um den Hals des Mannes, ihr linker Arm ist angewinkelt nach oben und umgreift mit der Hand die rechte Hand des Mannes. Der Mann berührt mit seiner rechten Hand die linke Wange der Frau und umgreift ihren Kopf mit der linken Hand, so dass seine Fingerspitzen neben ihrem linken Auge liegen. Durch seinen Kuss bedeckt er einen kleinen Teil der rechten Gesichtshälfte der Frau. Der Rest ihres Gesichts ist deutlich zu erkennen. Ihre Augen sind geschlossen. Es wirkt, als hätte sie leicht bläulichen Lidschatten aufgetragen. Es könnte aber auch sein, dass lediglich die Adern bläulich durch die dünne Haut durchschimmern, da die Frau viel blassere Haut hat als der Mann und ihre Nasenpartie auch leicht bläulich erscheint. Ansonsten hat sie eine gerade Nase, rote Wangen und geschlossene rote Lippen. Ihre Augenbrauen sind weder breit noch schmal. Sie sind bogenförmig und in einem dunkleren Braunton als ihr Haar. Dieses ist rotbraun und voluminös, allerdings in der Struktur schwer zu erkennen. Es sieht aus, als hätte sie einen durchgehend breiten Kranz um, der in der unteren Hälfte aus blauen und weißen Blüten mit kleinen grünen Blättern besteht und in der oberen Hälfte, gleich geformt, aus ihrem Haar, wobei in dem Haar vereinzelt auch die gleichen Blumen zu sehen sind.

Das Gewand der Frau ist verschmolzen mit dem Gewand des Mannes. Auf ihrer Hälfte sind jedoch weniger eckige Muster zu sehen, sondern mehr kreisförmige. Bis auf wenige kleine Quadrate im Oberarmbereich und winzige Fünfecke im Rumpfbereich, besteht der Hauptteil der Musterung aus verschiedenfarbigen Kreisen in unterschiedlichen Zusammenstellungen. Die Silhouette der Frau zeichnet sich trotz des einteilig wirkenden Gewandes ab. In diesem Bereich sind einzelne Kreise zu sehen, die mit einer dünnen blauen Umrandung den gelbgoldfarbigen Stoff umschließen und in ihrer Mitte einen braunen Punkt tragen. Des Weiteren sind vereinzelt weiße Kreise mit ebenfalls dünner blauer Umrandung zu sehen, die verschieden groß sind und mal einen kleinen grünen Punkt in sich tragen, mal einen größeren oder auch mal ausschließlich weiß sind. Am auffälligsten sind jedoch die insgesamt sieben bunten großen Kreise, die teilweise ganz, teilweise aber auch nur zum Teil abgebildet sind und aus vielen kleinen Kreisen bestehen. Bei zwei Kreisen überwiegt eindeutig der rote Farbton, bei den restlichen eher die blaue und grüne Farbe. Die einzelnen kleinen Kreise haben alle eine farbige Umrandung mit einem andersfarbigen Kern, wobei ungefähr die Hälfte der Kreise noch einen schwarzen Punkt in sich trägt. Die Farben Weiß, Gelb, Hellrot, Dunkelrot, Rosa, Lila, Grün und Blau wurden bei den Kreisen unterschiedlich kombiniert.

Der Teil des Gewandes der Frau, der nicht ihre Silhouette umgibt, sondern darüber hinausgeht, besteht ebenfalls aus runden Formen. In diesem Bereich sind es verschieden große Kreise, die mehrere Ringe in sich tragen, alle dünn gezeichnet, so dass die Kreise insgesamt einfarbig wirken, nämlich gelbgolden, in der Farbe des restlichen Gewandes. Die einzigen Farbakzente werden durch die zum Teil größeren und zum Teil kleineren Punkte im Inneren der Kreise gesetzt. Diese sind hauptsächlich rot, aber auch weiß und grau.

Im Gegensatz zum Mann, bei dem lediglich der Hals, der Kopf und die Hände nicht vom Gewand bedeckt sind, gibt es bei der Frau weitere sichtbare Hautpartien. Es handelt sich dabei um ihr linkes Schulterblatt, ein großer Teil des linken Ober- und Unterarms sowie ihre Unterschenkel und ihre Füße, die aus dem Gewand hervorgucken und durch ihre auf den Knien hockende Position, über den Rand der Blumenwiese hinausgehen.

Bildquelle: wikipedia.de

Text: Esther Khiveh

[1] https://www.wien.info/de/sightseeing/museen-ausstellungen/top/belvedere 23.04.2017 19:33

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Eingeordnet unter 100 Meisterwerke, schon beschrieben

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