100 Meisterwerke: 59. „Migrant Mother“ von Dorothea Lange

Migrant Mother

Dorothea Lange war eine US-amerikanische Dokumentarfotografin. Sie gilt als Mitbegründerin der Dokumentarfotografie. Bekannt wurde sie mit dem unten beschriebenen Bild „Migrant Mother“. Dabei handelt es sich um eine 1936 entstandene Schwarz-Weiß-Fotografie im Hochformat.

In diesem Foto sind insgesamt vier Personen abgebildet, die fast das komplette Bild ausfüllen. Im mittleren Fordergrund sitzt eine Frau, deren Kopf und Oberkörper zu sehen sind, die Oberschenkel sind nur ansatzweise abgebildet. Sie hat ihren rechten Ellenbogen auf ihren Oberschenkel gestützt und fasst sich mit der rechten Hand an die untere Seite der rechten Wange. Ihren linken Arm sieht man nicht. Auf den Oberschenkeln vor dem Bauch der Frau liegt ein Baby, das in eine viel zu große, schmutzige Jacke eingewickelt zu sein scheint.  Körper und ein Teil des Kopfes sind durch die Stoffschichten zu erahnen. Die Haare des Babys verschwinden hinter einem dunklen Gegenstand unten rechts im Bild, vielleicht einem Stück Wand oder einer Tür.

Das Baby hat die Augen geschlossen und scheint zu schlafen. Die Frau hat ein schmales Gesicht und dunkle, zusammengebundene und nach rechts gescheitelte Haare. Ebenso hat sie schmale Augen und dunkle Augenbrauen. Ihre Nase ist schmal und lang. Die Lippen sind eher voll und auf der rechten Seite vom Kinn ist eine Erhebung oder eine Warze zu sehen. Ihr Gesicht ist von Falten gdurchzogen, besonders an der Stirn und um die Augen. Sie schaut in die linke Seite des Bildes, so dass man nur ihr linkes Ohr sieht. Die linke Gesichtshälfte ist trotzdem zu sehen. Die Frau trägt eine Jacke und darunter eine karierte Bluse. Über ihrem linken Arm und über den Oberschenkeln liegt ein anderes, undefinierbares Kleidungsstück. Die Kleidung ist verschmutzt und hat viele Löcher. Der Ärmel der Strickjacke ist abgerissen.

Links von der Frau lehnt sich ein kleines Mädchen an ihren Rücken. Der Kopf liegt auf der Höhe der Schulter der Frau. Man kann das Kind nur von seitlich hinten sehen. Das Kind hat dunkle Haare, die nur bis zu den Ohren reichen, einen sogenannten Topfschnitt. Das Mädchen trägt eine verschmutzte Jacke. Rechts von der Frau lehnt sich ein weiteres Kind an ihre andere Schulter. Dieses Kind ist vom Kopf bis zur Schulter im Bild. Es hat beide Arme auf die Schulter der Frau gelehnt und darauf den Kopf gestützt. Es schaut nach hinten von der Kamera weg. So sieht man nur einen kleinen Teil der linken Wange und den Hals. Der linke, angewinkelte Arm ist am Oberkörper der Frau zu sehen, die Hand verschwindet auf dem Rücken der Frau. Dafür sieht man die rechte Hand auf der Schulter der Frau. Das Kind hat helle, zerzauste Haare. Sie reichen bis über die Ohren. Auch dieses Kind trägt verschmutzte und kaputte Sachen.

Im oberen Teil des Bildes und damit auch im Hintergrund sieht man eine kahle Wand. Diese scheint schräg nach unten zu verlaufen. Es sieht so aus als sitzt die Frau mit den Kindern auf dem oberen Ende einer Treppe, die in einen Keller führt. Die Frau sieht sehr sorgenvoll aus. Sie scheint sich Gedanken über ihre Zukunft zu machen. Wahrscheinlich ist sie die Mutter der Kinder, da diese Körpernähe suchen. Die kleine Familie wirkt erschöpft und niedergeschlagen.

Zur Hintergrundgeschichte dieses Fotos:

1936 wurde Dorothea Lange beauftragt die Lebensverhältnisse in ländlichen Regionen der USA fotografisch zu dokumentieren. „Migrant Mother“ wurde im März in im Zelt einer Erbsenflückerplantage aufgenommen.  Die Frau hieß Florence Owens Thompson und war obwohl sie älter wirkt, erst 32. Sie versuchte sich und ihre Kinder durch den Verkauf von Schrott, erfrorenem Gemüse von den umliegenden Feldern und von den Kindern erlegten Vögeln zu ernähren. Sie ließ sich fotografieren und stellte keine Fragen, da sie hoffte, dass die Fotos ihr helfen würden. Das Bild ist Langes berühmteste Fotografie und nachdem es wenige Tage später in den Medien erschien, wurden Lebensmittel zu den hungernden Menschen der Region gebracht.

Bildquelle: artberlin.de

Text: Lydia Jander

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Eingeordnet unter 100 Meisterwerke, schon beschrieben

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