100 Meisterwerke: 16. „Untitled #21“ von Cindy Sherman

Untitled 21

Das schwarz-weiß Foto wirkt auf den ersten Blick wie eine Situation aus einem Film der 60er Jahre: Eine junge Frau mit starrem Blick, adrett gekleidet, aus der Froschperspektive fotografiert; im Hintergrund Hochhäuser, möglicherweise New York. Welcher Film könnte das sein?

Schnell wird jeder Filmliebhaber feststellen, dass er diese Schauspielerin noch nie in Filmen gesehen hat, denn es ist Cindy Sherman, die Fotografin selbst, die für ihr Foto Modell steht. Das Foto ist Teil einer Serie, der Sherman den Namen „Untitled Film Stills“ (1977-1980) gab. Auf jedem Foto inszeniert sie sich als Schauspielerin in fiktiven Filmszenen.

Untitled #21 ist eine schwarz-weiß Fotografie im Querformat. Im Mittelpunkt ist Cindy Sherman selbst zu sehen. Ihr Körper ist von oberhalb der Brust an aus der Froschperspektive fotografiert. Dadurch sieht der Betrachter die Frau von schräg unten. Ihr Körper ist nach rechts gewendet, während ihr Kopf, aus ihrer Perspektive betrachtet, nach links gerichtet ist.

Sie trägt einen dunklen Blazer und darunter eine weiße Bluse, deren Kragen auf dem Blazer liegt. Auf dem Kopf trägt sie einen hellen Hut mit einer kurzen eingeschlagenen Krempe. Der Hut ist vorn in der Mitte mit einer schwarzen Schleife geschmückt, die aber aufgrund der Perspektive kaum zu sehen ist. Unter dem Hut schauen ihre Ohren und die kurzen blonden gewellten Haare heraus. Sie hat ein schmales feines Gesicht, einen kleinen Mund und eine schmale Nase. Cindy ist schätzungsweise um die 25 bis 30 Jahre alt.

Ihr Gesicht ist geschminkt. Sie trägt Lipgloss, hat Rouge auf den Wangen und ihre dichten Augenbrauen sind fein gezupft und mit einem Stift nachgezogen. Ihre Augen sind schwarz umrandet und dunkel geschminkt. Sie schaut nach links. Ihr Gesichtsausdruck wirkt einerseits leicht verunsichert aber andererseits auch genervt oder gestresst, als wenn sie sich in der Großstadt nicht zurechtfinden würde, oder zu viele Eindrücke auf sie einströmen. Ihr Mund ist leicht geöffnet, sodass sie fast schon einen trotzigen Ausdruck bekommt.

Zwar sind keine Straßen und keine Menschen im Hintergrund zu sehen aber die zwei Hochhäuser, die rechts und links hinter der Frau aufragen, erwecken den Eindruck, dass das Foto in der Innenstadt aufgenommen wurde. Dadurch bekommt man den Eindruck, dass es sich um eine gewöhnliche Alltagssituation in den Straßen einer Großstadt handelt. Von den Hochhäusern ist weder das untere und nur vom linken Hochhaus das obere Ende zu sehen. Auf den beiden Hochhäusern liegt ein Schatten, wahrscheinlich von umstehenden Hochhäusern. Daraus lässt sich schließen, dass das Foto entweder vormittags oder nachmittags zum Sonnenauf- oder -untergang geschossen wurde. Im unteren linken Bildrand ist nur sehr unscharf die Krone eines Laubbaums zu erkennen.

Das Foto könnte auch der Beginn eines Hitchcock-Films der 60er Jahre sein, in dem eine junge Frau das erste Mal in der Großstadt ist und sich den Gefahren, die ihr bevorstehen nicht im Geringsten bewusst ist. Alles in allem ist das Foto sehr gelungen und lässt den Betrachter rätseln, welche Geschichte dahinter stecken könnte.

Bildquelle: tristonrobinson.wordpress.com

Text: Anna Blankenburg

 

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Eingeordnet unter 100 Meisterwerke, schon beschrieben

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