100 Meisterwerke: 14. „Annie“ von Julia Margaret Cameron

Annie my first success

Das Portrait stammt von der Fotografin Julia Margaret Cameron, die als Englische Pionierin der Fotografie gilt. Dieses Werk aus den Anfängen von Camerons Karriere zählt zu den bedeutendsten Fotografien seiner Zeit. Es entstand 1864, als die Belichtungszeiten im Durchschnitt noch 5 Minuten andauerten und die zum Fotografieren nötigen Chemikalien schnell nach dem Anrühren genutzt werden mussten. Das abgebildete Mädchen hieß Annie Philpot; daher der Titel des Bildes „Annie, my first success“ (dt. „Annie, mein erster Erfolg“. Cameron selbst schrieb auf die Rückseite des Bildes „My very first success in photography.“

Das originale Portrait im Hochformat hat die Maße 17,9 x 14,3 cm und wurde auf Albuminpapier, das für seine detaillierte Darstellung bekannt ist, entwickelt. Nach der Entwicklung wurde es  nochmals mit Eiweiß überzogen, wodurch ein höherer Glanzeffekt entsteht.  Die Qualität des Bildes ist nicht hoch; vor allem der Hintergrund ist unscharf. Dies liegt zum einen an den geringeren technischen Möglichkeiten der Zeit und zum anderen wahrscheinlich an Camerons Bestreben die Portraitierten unverfälscht und weitestgehend ohne Nachbearbeitung abzubilden.

Auf dem Bild ist der Oberkörper eines etwa neunjährigen Mädchens bis kurz unter der Brust zu sehen. Sie ist nicht direkt frontal zur Kamera, sondern aus der Perspektive der Fotografin leicht nach links gedreht. Ihr Blick ist ebenfalls leicht nach Links und daher nicht direkt in die Kamera gewendet.

Annies Kleidung ist kaum zu erkennen; vermutlich hat sie eine dunkle Jacke an, die sie geschlossen trägt. Dies ist durch einen hellen, leicht schattierten Knopf erkennbar. Der Knopf ist nur noch knapp am unteren Bildrand sichtbar. Somit befindet er sich ungefähr auf Brusthöhe. Wahrscheinlich hat die Jacke einen Kragen, da der Hals nicht komplett zu sehen ist.

Das Gesicht ist leicht aus dem Fokus gerutscht, aber trotzdem deutlich erkennbar. Annie besitzt ein natürliches, schlankes, feminin wirkendes Gesicht. Sie hat dabei einen nachdenklich oder traurig bis bedrückten Gesichtsausdruck, welcher vor allem durch die Mund- und Augenpartie zur Geltung kommt. Wobei zu erwähnen ist, dass ihre Augen nicht deutlich sichtbar sind, da ein Schatten darauf liegt. Ihre Augenbrauen sind schmal geformt, passend zur Form der Augen. Ihre Nase ist mit der hellste Punkt auf dem Gesicht, was mit dem Lichteinfall zusammenhängt. Sie hat eine so genannte Stupsnase, welche gut zu ihrem Gesicht  passt. Die Mulde zwischen Nase und Mund ist bei ihr relativ stark ausgeprägt und kommt vermutlich durch das Licht- und Schattenspiel extra zum Vorschein. Ihre Lippen sind gleichmäßig geformt, wobei ihre Oberlippe einen auffälligen Herzbogen hat. Ihr Kinn ist eher eckig.

Das Mädchen trägt die Haare mit einem Mittelscheitel offen. Am Ansatz sehen sie etwas platt gedrückt aus, nach unten hin wirken sie voller.  Die Haare enden auf Schulterhöhe und sind vermutlich dunkelblond bis braun.

Insgesamt hat das Portrait einen wärmeren Bildton und geht eher in die Braun-Sepia Töne, was typisch für die Art des Druckes ist. Der Hintergrund wirkt verschwommen und ist somit unwichtig. Trotzdem beeinflusst er das Bild durch seine Farbgebung. Aus Sicht der Fotografin ist der Hintergrund nahezu zweigeteilt: die rechte Seite des Bildes ist dunkel, fast schwarz – es gibt nur einen hellen Fleck am oberen rechten Bildrand in der Ecke. Die linke Bildseite dagegen ist eher hell-beige meliert.

Es waren hauptsächlich solche von ihrem eigenen Stil geprägten Portraits, die Cameron berühmt machten. Sie setzte es sich zum Ziel, die Persönlichkeit der Abgebildeten ausdrucksstark und gleichzeitig natürlich darzustellen. Gesichtszüge werden durch Licht und Schatten modelliert.

Text: Mandy Buchwalsky

Bildquelle: Wikimedia

 

 

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