Eine blinde Kunstfotografin erzählt: Teil 2 Fotografieren mit dem Smartphone

In meinem ersten Post habe ich ja nun schon das eine oder andere über mich erzählt.
Ab jetzt soll es aber vornehmlich um die verschiedenen Kameratypen gehen, die wir so nutzen können, wo Vorteile, und wo die Nachteile liegen.

Hier also zuerst das, mit dem die meisten, und auch ich, anfangen und angefangen haben, das Handy, oder auch Tablet, das Prinzip ist das gleiche.

Vorteile:

Immer dabei

So gesehen ist das Handy unter bestimmten Voraussetzungen eine gelungene Einstiegsalternative. Diese Geräte sind heute inzwischen so gut, dass sich die Bildqualität locker mit der von kleinen und kompakten Kameras messen kann. In der Regel haben wir unsere Handys immer dabei und griffbereit für einen Schnappschuss. Sie übernehmen für uns das Denken, und erwarten keinerlei Fachwissen von uns. zumindest nicht bei den Motiven, die man als Einsteiger in der Regel fotografiert. Menschen, Tiere, Landschaften, vielleicht auch mal kleinere Objekte aus kurzer Entfernung. Wir können uns also voll aufs reine Fotografieren konzentrieren. Auf das Einschätzen unserer Umgebung, der Lichtverhältnisse und darauf, unser Motiv in den Fokus zu bekommen.

Einfache Bedienung

Ein weiterer Vorteil ist, dass die meisten Handykameras sich sehr gut auf ihre Umgebung einstellen können, sodass man als Nutzer nichts mehr machen muss. Aber Vorsicht, das gilt so nur für Tageslichtaufnahmen. Und einer der wichtigsten Vorteile, gerade für uns blinde und sehbehinderte Fotografen, wer ein Android oder IOS Handy hat, hat sogar eine Kamera mit Sprachausgabe und kann, sollte er doch was verstellen wollen genau prüfen, was er da wie eingestellt hat.

eine Dahlie von schräg unten fotografiert

Nachteile

Nachtaufnahmen

Die meisten Handykameras schwächeln ein wenig bei Dämmerung und im Dunkeln. So eine Nachtaufnahme hat definitiv etwas für sich, aber hier kommt die Crux mit den Automatiken.Man kann dem Handy überlassen, wann es den Blitz zuschaltet, was für jemanden, der gar keinen Restvisus mehr hat vermutlich am besten wäre, da wir die Lichtverhältnisse nicht abschätzen können. Oftmals neigt so ein Handy dann aber dazu, das Motiv überzubelichten. Das heißt, dass Farben zu hell werden, Linien zu scharf, bei einem Portrait kann die Haut fast weiß wirken,  und das Foto kann im Allgemeinen sehr flach werden.
Nicht viele Handys schaffen es, in der Dämmerung oder Nacht ein naturgetreues Foto zu schießen, was aber auch daran liegt, dass der eingebaute Blitz meist sehr hell ist. Beliebt sind solche Fotos gerade, weil das Hauptmotiv, im Idealfall, taghell abgelichtet ist, der Hintergrund ist aber nächtlich.

ein überbelichtetes, gelb wirkendes Gesicht

Bildstabilisierung

Viele Handys haben so einen Bildstabilisierer, der eigentlich gegen ein verwackeltes Bild helfen soll. Verwackelte Fotos sind verschwommen, flach, Farben sind meist schwer zuzuordnen, umrisse werden schwammig oder verschwinden. Die Stabilisierung von Handykameras reicht meistens nicht aus, um Wackler beim Fotografieren ausreichend auszugleichen. Natürlich hilft hier die ruhige Hand immer noch am Besten, also nicht ärgern, wenn der Schnappschuss verwackelt ist, und bei ruhigen Motiven einfach Zeit lassen, dann geht das auch so.

Zoom

Es gibt zwei Arten von Zoom; den optischen und den digitalen. Zum optischen in einem anderen Post mehr, aber die Handys verfügen nur über einen digitalen Zoom. Das heißt, dass ich mir mein Motiv nicht wirklich näher heranhole, das Handy nimmt nur einen Bildausschnitt, und vergrößert diesen. Meistens geht das nicht ohne Verlust der Bildqualität einher.

Ein verwackelter und unscharfer Skorpion.

Aber bei all diesem Pro und Kontra muss ich noch mal sagen, das Handy ist das perfekte Einstiegswerkzeug.

Allgemeine Tipps

Mal ein paar kleine Tipps, die einigen von euch sicher klar sind, aber manchmal auch so banal, dass man dann doch nicht dran denkt.

1. Linse sauber halten.

Und es stimmt, man denkt manchmal nicht dran. Wir telefonieren mit dem Handy, und legen schnell mal den Finger aufs Objektiv. Wir stecken das gute Stück in die Tasche, Finger auf dem Objektiv. Das geht halt doch sehr schnell. Und je nach dem kann bereits ein Fingerabdruck das Bild neblig oder trübe machen. Wenn man sein Handy zum Knipsen nutzt, sollte man immer ein Brillenputztuch dabei haben, das auch für optische Geräte geeignet ist. Egal ob Mikrofaser oder Einmal-Putztuch. Bitte nicht einfach mit irgendetwas drüberwischen, was dafür nicht geeignet ist, sonst bekommt die Linse schnell sog. Polierkratzer, und leidet auf Dauer darunter.

2. Nicht zoomen.

Wollt ihr ein Motiv näher haben, geht ran, wenn ihr könnt. Dann ist das Bild auch sauber. Zoomen lässt es schnell körnig wirken, wie oben schon beschrieben.

3. Knopf drücken

Wenn eure Handykamera einen physischen Auslöser, also einen Knopf am Gehäuse hat, nutzt den. Sobald man das Handy ausrichtet und einen Knopf auf dem Bildschirm erwischen muss, verwackelt das Bild schnell mal, weil man das Gerät dann mit einer Hand ausrichten und stillhalten muss. IPhone-Kameras lassen sich z.B. mit den Lautstärketasten auslösen.

4. Auf Lichtverhältnisse achten

Handys mögen Gegenlichtaufnahmen meistens nicht. Wollt ihr also tagsüber fotografieren, geht in den Schatten, oder fotografiert mit der Sonne im Rücken oder von schräg hinten, manchmal klappt es auch recht gut, wenn die Sonne von der Seite kommt. Die Mittagssonne ist da oft ein Problem, weil ihr Licht etwas hart und ziemlich hell ist, sie verdirbt uns damit bei Portraits zum Beispiel feine Gesichtslinien und andere kleine Details.
Früh am Tag, oder wenn es langsam auf den Sonnenuntergang zugeht, lassen sich bessere Aufnahmen machen. Das Licht wird dann etwas schwächer und wärmer, Konturen werden wieder deutlicher und feiner.

5. Aufpassen!

Und das gilt für jeden Kamera-Typ. Achtet immer drauf, nicht direkt in die Sonne zu fotografieren. Ihr kennt bestimmt dieses früher gern gemachte Experiment von Jungs, mit dem Ameisenhügel und der Lupe. Mit Sonne und zu Hilfenahme dieser bekommt man den Hügel leicht in Brand Gesteckt. Objektive bestehen oft aus mehreren Linsengruppen, und Linsen und Bildsensor von Handys nehmen dabei unter Umständen schweren Schaden, weil diese Linsen das Licht der Sonne extrem bündeln und verstärken.

6. Position der Linse

Und hier noch eins, was für uns als Blinde wichtig ist, zumindest hat es mir in den Anfangszeiten Probleme bereitet. Immer dran denken, dass sich die Linse der Kamera oft oben in einer Ecke oder am Rand versteckt, nicht in der Mitte. Man muss also wirklich mit der Linse zielen, nicht das Handy mittig draufhalten, sonst rutscht einem das Wunschmotiv schnell mal in eine Bildecke, wo man es gar nicht haben möchte.

Das sind nur einige Tipps, damit es nicht zu lang wird. Aber ausgeschöpft ist das Thema natürlich noch nicht.

Im Play- oder APP – Store gibt es natürlich auch noch diverse APPs zum Fotografieren und mit den vielfältigsten Effekten, aber das sprengt den Rahmen, und letztlich sollte jeder, wenn er denn möchte, dieses riesige Angebot selbst durchforsten und ausprobieren.

Wenn ihr zu Handykameras beziehungsweise Tablets noch Fragen habt, könnt ihr mir gern eine Nachricht über Facebook schicken, oder mich direkt per Mail anschreiben unter:
fotokunst@blind-click.de

Eure Nadine

Alle Bilder wurden von Nadine mit dem Handy gemacht. Skorpion und Gesicht dienen der Veranschaulichung unerwünschter Effekte.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Sonstiges

2 Antworten zu “Eine blinde Kunstfotografin erzählt: Teil 2 Fotografieren mit dem Smartphone

  1. Nadine Alexander-Meißinger

    Hat dies auf Blog der blinden Natur- und Kunstfotografin Nadine Alexander-Meißinger rebloggt und kommentierte:
    Der zweite Artikel, den ich neben meiner Vorstellung für jenen Blog geschrieben habe.
    Es werden weitere folgen, in denen ich fotografische Grundlagen und Kameratypen abhandeln möchte.
    Mein Wunsch ist es, verständlich mein Wissen so weiterzureichen, dass es für stark sehbehinderte und blinde Menschen leichter wird, sich selbst mit verschiedenen Methoden mit der Kamera auszuprobieren.

  2. Pingback: Eine blinde Kunstfotografin erzählt: Teil 3 fotografieren mit Kompaktkameras | Bilder für die Blinden

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