Eine blinde Kunstfotografin erzählt: Teil 1 Nadine stellt sich vor

Wir haben Nadine Alexander-Meißinger eher zufällig auf der Suche nach Blinden Fotografen auf Facebook gefunden und sie spontan gebeten ein paar Beiträge für unseren Blog zu schreiben. Auch wenn blinde und sehbehinderte allmählich als Hobbyfotografen anerkannt werden, scheint es leider noch sehr wenige zu geben, die ihr Hobby zum Beruf machen und damit Erfolg haben. Nadine hat diesen Schritt gewagt und wir möchten von ihr wissen wie sie ihr Vorhaben umsetzt und welchen Erfolgen und Schwierigkeiten sie dabei begegnet. Außerdem freuen wir uns auf Praxistipps im Umgang mit verschiedenen Kameras.

Hinterlasst ein Kommentar oder schriebt uns an picdesc@gmail.com wenn ihr Fragen an Nadine habt, oder selbst Blogbeiträge schreiben möchtet.

Hier ist Nadines erster Post.

Nadine sitzt auf einer Mauer. Im Hintergrund ein Haus und Bäume.

Hallo ihr Fotografier-interessierten!

Durch Tina bin ich auf dieses Projekt hier aufmerksam geworden, und möchte mich daher auch einmal zu Wort melden als jemand, der inzwischen als selbstständige blinde Fotografin arbeitet, und ihre Bilder auch online vertreibt.

Ich wurde 1982 in Berlin geboren, und erblindete 1994 krankheitsbedingt. Einige Jahre lang schrieb ich Gedichte, verlor aber leider den Zugang zu meiner Kreativität, bis ich 2011 meinen Mann kennenlernte.

Als jemand, der das Fotografieren selbst als Hobby ausübte, aber auch auf Auftragsbasis arbeitete, ermutigte er mich schnell, selbst einmal seine Kamera in die Hand zu nehmen, sobald er mein Interesse für die Fotografie bemerkte. Natürlich folgte eine lange Zeit des Ausprobierens, und glaubt mir, sie hat auch viel Frustration mit sich gebracht. Ich versuchte mich an vielen Motiven, anfänglich aber hauptsächlich an Fotos von Blumen und anderen Pflanzen in Nahaufnahme. Einfach weil ich so das genaue Anpeilen und Einfangen am besten üben konnte.

Ich war sehr streng mit mir, und stand mir daher so manches Mal selbst im Weg, aber mein Mann stand mit seiner Geduld und seiner motivierenden Art immer hinter mir, sodass ich mich weiter auf verschiedenste Weise versuchen konnte.

Ich fotografierte, wir sahen uns die Bilder an, er beschrieb sie mir genau, von Farben über eingefangenes Motiv bis hin zu Schärfen oder Unschärfen, und nahm dabei kein Blatt vor den Mund, wofür ich ihm heute noch dankbar bin. Denn so praktizieren wir es noch immer.

Ich erweiterte die Bandbreite meiner Wunschmotive nach und nach, und seit ich mit einer digitalen Spiegelreflexkamera fotografiere, auch die verschiedenen Einstellungen und Spielarten, die mir ein solches Gerät bieten kann. Heute gehören Landschaften und Tiere genauso zu meinen Motiven, wie Architektur, Portraits  und Kunstfotografie. Das ist weniger hochgestochen, als es vielleicht klingt, und vieles von dem, was ich heute weiß, habe ich nur durch Ausprobieren und Rumstöbern im Internet herausgefunden.

Bis zu meiner heutigen Kamera habe ich mit nahezu allen Kameratypen fotografiert, und möchte hier gern nach und nach in kleinen Happen schildern, welche Erfahrungen ich dabei gemacht habe, welche Kamera gerade für uns Blinde welche Vorteile hat, und welche Nachteile. Denn meiner Erfahrung nach sind es oft gerade die Kameras, die alles automatisch einstellen, wie bei Handys z.B. die uns manchmal bei unserem Wunschmotiv ein Bein stellen.
Ich hoffe, der eine oder andere kann dabei etwas Nützliches für sich herausziehen.

Nadines Facebook Profil

Nadines Facebook Seite

Nadines Online-Shop www.blind-click.de

Foto: Nadine Alexander-Meißinger (Selbstauslöser)

3 Kommentare

Eingeordnet unter Sonstiges

3 Antworten zu “Eine blinde Kunstfotografin erzählt: Teil 1 Nadine stellt sich vor

  1. Grit

    Hey, bin wahnsinnig auf Mehr gespannt, auch liebend gern über Erfahrungen mit Kameras! Fotografiere selber blind (hobbyfotografin aus NBG).

  2. Pingback: Eine blinde Kunstfotografin erzählt: Teil 2 Fotografieren mit dem Smartphone | Bilder für die Blinden

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