Rettender Fischer

Katrin schreibt dazu:

Meine Hände gleiten langsam und behutsam über die kleine
Bronzeskulptur. Das Material fühlt sich kühl an. Soweit ich weiß, wird
es auch bei Tastmodellen im Freien verwendet. Ich erinnere mich an ein
klatschnasses Modell der Innenstadt von Bayreuth. Daher suggeriert es
für mich eine leichte Feuchtigkeit. Erst später wird mir klar, dass es
einen Mann darstellt, der eine Frau offensichtlich aus dem Wasser
rettet oder das zumindest dies der/dem betrachteter/in vermittelt
werden soll. Ich nehme zunächst vor allem den Mann wahr, in dessen
Armen eine Frau liegt. Wäre ihr Kopf nicht so weit zurückgeneigt und
hingen ihre Gliedmaßen nicht so schlaff herab, würde man denken, dass
sie schlafend dargestellt ist. Im Nachhinein ist klar, dass sie
ohnmächtig sein soll und von dem Mann in sicherheit getragen wird.
Mich beeindrucken die starken Details, von den fein dargestellten
Haaren über die gesichter und die Kleidung bis hin zu den Fingern und
Zehen. Bei einer solchen Tasterfahrung herrscht immer eine fast
feierliche, versonnene Stimmung. Ich empfinde stets Ehrfurcht vor
der/dem und Bewunderung für die/den Künstler/in. Selbst bin ich
handwerklich ziemlich unbegabt, sicher auch mangels Übung. Ich arbeite
gern mit den Händen, was ja auch hier mit eine Rolle spielt. Sie sind
gut zum tasten geschult. Aber etwas Schöpferisches damit zu gestalten,
fällt mir eher schwer, sieht man jetzt einmal vom Tipen auf der
Tastatur ab, bei dem auch der eine oder andere kreative Text dabei
heraus kommt. Deshalb bin ich immer sehr erstaunt darüber, was andere
Menschen aus Ton, Holz oder hier eben Bronze Künstlerisches schaffen
können.

Warum hier ausgerechnet ein „rettender Fischer“ dargestellt wurde,
entzieht sich natürlich meiner Kenntnis. Wurde selbst einmal etwas
ähnliches erlebt oder beobachtet? Als was empfand man sich: Als den
Rettenden oder die ohnmächtige, die gerettet werden musste?

Bronzeskulpur eines Seenotretters, der seine Gerettete auf Händen trägt

(c) Villa Oppenheim

Bild von Katrin, Beschreibung von Sandra

Das vertikal fotografierte Bild zeigt eine Skulptur der Sammlung der Villa Oppenheim. Die Skulptur trägt die Titel „Fischer“ und „gerettet“, ist ca. 45cm groß und auf einem weißen, schmalen und etwa einem Meter hohen quaderförmigen Podest platziert. Das Podest ist nicht in seiner ganzen Größe zu sehen; es nimmt etwas mehr als das untere Drittel des Bildes ein. Die Skulptur selbst befindet sich direkt im Zentrum des Bildes. In ihrem tiefen, dunklen und glänzendem Braun, hebt sie sich in starkem Kontrast zur weißen Wand und zum weißen Podest ab.
Die Skulptur zeigt einen schreitenden Mann, der eine leblos daliegende Frau in seinen Armen hält. Er trägt einen Helm und Stiefel. Seine Jacke ist an den Ärmeln hochgekrempelt. Der Stoff der Jacke wirft an Ärmeln und Vorderseite Falten. Nach oben zum Hals hin ist die Jacke geöffnet; ein kleiner Bereich seines Brustkorbs ist zu sehen. Das Gesicht des Mannes liegt im Schatten seines Helmes und ist deshalb eher schemenhaft zu erkennen. Er trägt einen Vollbart. Gesichtsfalten die das Gesicht älter wirken lassen, sind zu erahnen. Sein linkes Bein ist angewinkelt nach vorne gestellt und trägt auf dem Oberschenkel die Hüfte der Frau. Die Frau liegt mit ihrem Oberkörper im rechten Arm des Mannes. Seine Hand greift unter ihrer Achsel zum rechten Rippenbogen der Frau hindurch; ihr Arm hängt leblos herunter. Sein linker Arm ist gestreckt und greift von oben ihr rechtes, angewinkeltes Bein oberhalb der Kniekehle. Hier treffen sich die Hände der beiden Personen: Ihre nach oben geöffnete Hand liegt abgelegt auf ihrem Oberschenkel und berührt mit den Fingern den Handrücken oberhalb seines Daumens. Ihr linkes Bein fällt über das angewinkelte Bein des Mannes. Beide Füße zeigen mit ihren Fußspitzen leblos Richtung Boden. Die Frau hat sehr langes, feinsträhniges Haar welches einen Bogen wirft, da es mit seinen Haarspitzen – für die Betrachter_innen nicht sichtbar – irgendwo zwischen Oberkörper und Arm zu klemmen scheint. Ihr Brustkorb ist zu den Betrachter_innen gewandt. Ihr knielanges Kleid oder Hemd wirft Falten, wirkt nass und transparent. Ihre Brüste zeichnen sich dadurch deutlich ab. Ihr junges Gesicht mit seiner glatten Haut ist ebenso zu den Betrachter_innen des Bildes gewandt. Der hängende Kopf, die geschlossenen Augen und das ausdruckslose Gesicht, unterstreichen den leblos wirkenden Körper der Frau. Die detaillierte und filigrane Arbeit des Künstlers, wird auf diesem Bild schön wiedergegeben.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter schon beschrieben

Eine Antwort zu “Rettender Fischer

  1. Katrin schrieb jetzt noch dazu:
    Sandra sagte mir, sie habe sich mir bewusst angeschlossen, weil sie es
    sehr interessant fände, wie unterschiedlich Silja und ich mit dem
    Fotografieren umgehen. Sie hätte das als starken Kontrast zu der
    Zusammenarbeit mit den sehbehinderten Teilnehmerinnen erlebt, da bei
    uns der unterschied zu sehenden Fotografinnen größer sei als bei den
    sehbehinderten Seminarteilnehmerinnen.

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